Ein Angler beim Fliegenfischen an der Wupper Ein Angler beim Fliegenfischen an der Wupper

Fliegenfischen in der Wupper: 'Yoga für Männer'

Wer nach Entspannung im Einklang mit der Natur sucht, kann sie hier an der Wupper finden. Fliegenfischen, das ist so etwas wie Yoga für Männer.

Wuppertal, 22.07.2019 - Wenn sich in der Abenddämmerung die ersten Kreise an der Wasseroberfläche bilden, werden die Fische aktiv und beginnen mit der Nahrungssuche in Ufernähe. „Sprung in den Abend“ nennt der Liebhaber des Fliegenfischens diesen magischen Moment, in dem die Klänge der Natur die Hektik und die Sorgen des Alltags vertreiben und sich ein Mantel der Stille beruhigend über alles ausbreitet.

Schon von je her begaben sich Männer mit der Methode des Fliegenfischens, eine besondere Form des Angelns, auf die Jagd nach Nahrung. In elitären Kreisen galt diese Art des Fischens lange Zeit als ein angesehenes Hobby. Der Schweizer Charles Ritz hatte den Sport salonfähig gemacht und revolutioniert, indem er die Teleskop-Angelrute erfand.

Nicht zuletzt seit dem erfolgreichen Kinofilm „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ von Robert Redford aus dem Jahr 1992 begeistern sich Millionen von naturverbundenen Menschen für diese Betätigung als eine Art „Yoga“. Der Großteil der Erholungssuchenden sind Männer.

Fasziniert vom Fliegenfischen ist auch Dr. med. Ulrich Gertenbach, leitender Oberarzt im Helios-Klinikum. „Für mich ist es eine wunderbare Möglichkeit, abschalten zu können.“ Er schwört besonders in Stress-Situationen auf diesen Ausgleichssport. „Man kommt zur Besinnung und findet in einer positiven Umgebung die Ruhe, um die Erlebnisse des Alltags zu reflektieren und Ereignisse zu verarbeiten.“

Und tatsächlich - jeder, der gerne draußen unterwegs ist, kennt das Gefühl des Innehaltens und das Gefühl des Einklangs mit der Natur, dass einen heimsucht, wenn man das Rauschen des Flusses auf sich wirken lässt.


Fliegenfischen ist hier in der Region hervorragend möglich. „Wagen abstellen, Stiefel anziehen und ab geht es in die Natur. Man hat dort fast das Gefühl, man befinde sich im Schwarzwald“, schwärmt Dr. Ulrich Gertenbach von einem Platz an der Wupper auf dem Weg nach Wuppertal-Beyenburg. Die Wasserqualität des heimischen Flusses ist in den letzten Jahrzehnten stetig besser geworden.

Die Wupper hat sich biologisch erholt und somit ist auch die Population der Fische angestiegen. Zur Artenvielfalt der Wupper gehören inzwischen Regenbogenforellen, Bachforellen, Äschen und sogar Lachse, die allerdings nicht gefangen werden dürfen.

Die Ausrüstung eines Fliegenfischers ist überschaubar. Man benötigt eine leichte Angelrute mit Rolle und Wurfschnur, einen Kescher, einen Hakenlöser, ein Messer und bestenfalls eine polarisierende Brille gegen die Spiegelung auf der Wasseroberfläche. Mit einer Wathose und möglichst auch Watstiefeln sollte der Angler bekleidet sein.

Das Besondere am Fliegenfischen ist der Köder. Dafür verwendet der Angler eine oft selbst gebastelte Fliege – daher der Name „Fliegenfischen“. Insekten sind das Hauptnahrungsmittel vieler Fische. Für so manchen Angler ist schon das Anfertigen der Fliege ein Hobby für sich.

Es gibt die sogenannten Trockenfliegen als Köder, die oberhalb der Wasseroberfläche schwimmen, die Nymphen, die beschwert werden können und etwas unterhalb der Wasseroberfläche schwimmen und dann gibt es da noch den Streamer, eine Imitation eines kleinen Fischchens, der als Lockmittel für die Fische fungiert.

Das Fliegenfischen gilt als besonders schonend für das Tier, weil nur Einzelhaken und keine Widerhaken verwendet werden. Aber letztlich sollte man die Art des Fischens vom Fischvorkommen und der Gewässerstrecke abhängig machen, rät Dr. Ulrich Gertenbach.

Am Beyenburger Stausee beispielsweise eignet sich eher das Wurmangeln als das Fliegenfischen. Dort gibt es u.a. Weißfische und Aale, die zusätzlich mit einem Glöckchen angelockt werden können. Zu einem verantwortungsvollen Jagen gehört auch, Jungtiere nicht zu gefährden und sich in diesen Vorkommen tatsächlich eher für das Fliegenfischen zu entscheiden. Bleibt ein Fisch unverletzt, ist er aber angenommen noch zu jung, kann man ihn auch wieder ins Wasser zurücksetzen.

Dr. Ulrich Gertenbach steht dem gezielten Fischen nach dem Motto „cash and release“ allerdings etwas skeptisch gegenüber. Das Angeln eines Fisches diente schließlich ursprünglich der Nahrungssuche. Und im Hinblick darauf sollte jeder Angler einen respektvollen Umgang mit dem Tier beachten.

„Trophy hunting“, bei dem es darum geht, möglichst schwere und große Fische im Wettstreit mit anderen zu angeln, lehnt er ab. Es ist letztlich eine Quälerei für das Tier, zur Schau gestellt und nicht schnell genug wieder zurück ins Gewässer entlassen zu werden.

Neben dem sorgfältig ausgewählten Köder hängt der Erfolg beim Fliegenfischen letztlich von einer gekonnten Wurftechnik ab. Die Schnur selbst stellt das Gewicht dar. Also muss man versuchen, die Schnur mit der Fliege mit einer Art Peitsch- Bewegung nach vorne zu treiben und im Flusslauf oberhalb des Fisches zu platzieren. Es ist regelrecht eine Kunst, das optimale Werfen der Schnur zu erlernen.

Ein Tipp für Interessierte und Einsteiger: Jeder, der angeln möchte, benötigt eine Genehmigung. Hat man die Fischerprüfung absolviert, kann man beispielsweise einen Jahresfischereischein beantragen oder eine Tageskarte erwerben. Auch als Mitglied in einem Angelsportverein ist man befugt, an stets vorgegebenen Stellen zu angeln. Prüfungstermine können in der Regel im Angelgeschäft erfragt werden.

Text: Martina Schulz

 

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