Physiotherapeut Wilfried Mießner hat sich selbst mit dem Rollstuhl vertraut gemacht. Physiotherapeut Wilfried Mießner hat sich selbst mit dem Rollstuhl vertraut gemacht. Kristina Malis

Rollstuhltraining

Das Leben eines Rollstuhlfahrers ist alles andere als leicht. Schon ein abgesenkter Bordstein oder eine einzelne Treppenstufe können zu unüberwindbaren Hindernissen werden.

Das weiß auch Wilfried Mießner. Aus diesem Grund bietet der gelernte Physiotherapeut aus Wuppertal Fahrstunden und Training für Rollstuhlfahrer an.

Sechs Jahre lang arbeitete er in einer Bochumer Klinik in der Abteilung für Querschnittsgelähmte. Mit seinen Patienten ging er damals regelmäßig in die Bochumer Innenstadt und übte mit ihnen Grundtechniken des Rollstuhlfahrens. Nach seinem Umzug ins Tal der Wupper beschloss Mießner auch hier sein „Rolli-Training“ anzubieten. 

Laut Mießner liegt das größte Problem der Rollstuhlfahrer darin, dass ihnen einfach nie jemand gezeigt hat, was mit ihrem Gefährt alles möglich ist. „Oft wird vergessen, dass nicht nur Querschnittsgelähmte auf einen Rollstuhl angewiesen sind, sondern auch Patienten mit Multipler Sklerose.“ 

In Mießners Behandlungszimmer steht neben einem Skelett auch ein Rollstuhl, in dem er selbst Platz nimmt und während des Gesprächs durch den Raum fährt. „Mit Kollegen habe ich viel geübt“, kommentiert er seine Fahrkünste. In seinen Kursen thematisiert Mießner verschiedene Inhalte. Zuerst prüft er, ob Rollstuhl und Fahrer überhaupt zueinander passen.

Ist es das richtige Modell? Ist der Rollstuhl richtig eingestellt? Ist die Rückenlehne ordentlich justiert? So muss zum Beispiel darauf geachtet werden, dass der Schwerpunkt des Patienten über der Hinterachse liegt. „Oft sind es nur Kleinigkeiten, und schon fühlt der Patient sich viel wohler in seinem Gefährt“, weiß Mießner. Ist alles richtig eingestellt, geht es an die Grundtechniken.

Kurse finden im direkten Umfeld statt

Wie fährt man geradeaus? Wie fährt man Kurven oder bremst im Gefälle? Wie meistert man kleine Hürden wie Bordsteine oder einzelne Treppenstufen? „Wer kräftig ist kann sogar ganze Treppen mit dem Rollstuhl überwinden“, erklärt Mießner. Doch das wollen die meisten seiner Kursteilnehmer gar nicht. Vielmehr geht es um die grundlegenden Dinge wie die Treppenstufe vor der eigenen Haustür. „Die Sanitätshäuser, die den Stuhl anliefern, erklären kurz die Bedienung und zeigen wo die Bremsen sitzen. Dann weiß der Patient zwar, wie er bremst, doch nicht wie er die Stufe vor seiner Haustür ohne fremde Hilfe bewältigen kann. Er ist quasi in seinem Haus gefangen“, erklärt Mießner das Problem.

Seine Kurse finden daher oft im direkten Umfeld des Teilnehmers statt. Sechzig Euro pro Stunde plus Anfahrtskosten berechnet Mießner für sein Training. Doch nicht nur der Rollstuhlfahrer selbst, auch Angehörige werden in das Training mit einbezogen und lernen unter anderem, wie sie bei einem Sturz aus dem Rollstuhl assistieren können. Laut Mießner ist genau das die größte Angst seiner Kursteilnehmer.

Rollstuhlfahren vergleicht Mießner einfach mit Fahrrad fahren. „Erst mit der Zeit gewinnt man an Sicherheit, und dann traut man sich auch mehr.“ Geübte Fahrer könnten laut Mießner sogar im Einkaufszentrum eigenständig die Rolltreppe benutzen. Doch er warnt davor, dies ohne professionelle Anleitung auszuprobieren. Viele Patienten wissen noch gar nicht, dass es Kurse für Rollstuhlfahrer gibt. Wilfried Mießner will dabei helfen, dass sich Geh-Behinderte in der Stadt frei bewegen können.

Hannah Florian

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