TV-Moderatrin Milena Preradovic TV-Moderatrin Milena Preradovic Foto: Privat

Das Leben ist zu kurz für eine schlechte Frisur

Milena Preradovic (55) hat u.a. als Moderatorin von RTL-„Punkt 12“ und als Gründungsmitglied von Rudi Carrells Comedy-Wochenschau „7 Tage, 7 Köpfe“ Fernsehgeschichte geschrieben. In ihrer Kolumne „Milenas 50plus“ beschäftigt sie sich gewohnt humorvoll mit dem Thema Älterwerden.

Aus unserer September-Print-Ausgabe - Wuppertal, 11.09.2018 - "Letztens im Festspielhaus bei den Salzburger Festspielen. Vor mir die Haute Volée der Kulturkonsumenten oder besser hunderte Hinterköpfe. Jede Menge weiß, grau, straßenköterblond, ein bisschen blond, wenig wirklich Schmeichelndes. Ist das da hinten ein Baby-Biber? Nein, es ist tatsächlich ein Toupet, das sich träge auf der Glatze eines älteren Herrn zusammenrollt. Dummerweise hat es wenig mit der Farbe der verbliebenen Echthaarsträhnen gemein.

Ich bin fassungslos. In der Pause schau ich mich weiter um - und staune. So viel Geld, so viele sündhaft teure Fummel, so viel Brioni – aber so viel onduliertes Elend. Traurige kleine Kunstwerke, bei denen selbst Joseph Beuys die Flucht ergriffen hätte und mehr Beton als auf der A8. Ein Alptraum in Drei-Wetter-Taft.

Was ist da nur los? Am Budget kanns nicht liegen, hier siehts aus wie auf einem Prada-Klassentreffen. Und kaum anzunehmen, daß dieses erlesen gestraffte Publikum sich bei Erna umme Ecke durchbürsten lässt.

Ich hab da eine Theorie. Selbstverständlich beehren die Damen- und Herrschaften die teuersten Figaros des jeweiligen Schauplatzes, aber vielleicht sind es trotzdem die Falschen. Denn was sieht ein junger hipper Hairdresser, wenn die elegante 65-jährige den Laden betritt? Er sieht eine ältere Frau, die ihn im besten Fall an seine Mutter erinnert. Für einen coolen Coiffeurista völlig normal. Und das ist das Problem.

Der Hipster sieht ein Mitglied der Kaste „alter Mensch“. Er sieht nicht das junge fröhliche Mädchen, das bestimmt noch in ihr steckt, er sieht nicht die strahlenden Augen und das bezaubernde Lächeln. Er sieht Falten und Furchen und deswegen wird er ihr eine Frisur verpassen, die ihrem Alter angemessen scheint.

Sie werden eher im Einkaufszentrum von einem Esel gebissen, als daß Sie als 50plusser/in von Hipster einen Schnitt bekommen, der Sie jünger, attraktiver und interessanter macht.
Ich spreche hier aus Erfahrung. Nach einem Friseurbesuch in Hamburg vor 10 Jahren war ich kurz versucht, mir ein Seniorenticket zu ergaunern – die Chancen standen nie so gut. Nichts gegen den Friseur.

Er war nett, begabt und… blutjung. Seitdem müssen alle Scherenhände, die ich an meinen Kopf lasse, zumindest schon mal ein Faxgerät bedient haben und wissen, was eine Wählscheibe ist. Und seitdem läufts. Top-Friseure meiner Generation sehen in mir eine – immer noch – attraktive Frau und genau das versuchen sie mit Schnitt und Farbe zu unterstreichen.

Das funktioniert allerdings nur, wenn Sie Ihr eigenes Potential erkennen. Wenn auch Sie das junge Mädchen oder den coolen Kerl von einst im Spiegel erblicken. Geben Sie sich nicht zufrieden mit irgendeinem Haarschnitt, den Ihnen ein gleichgültiger Friseur auf den Kopf schnibbelt. Ihr Haar entscheidet mit, was das Gesicht hergibt und wie andere Sie sehen. Und es lohnt sich. Denn tief drinnen werden wir ja nicht alt. Und wenn außen und innen im Gleichklang sind, dann macht das Leben gleich nochmal so viel Spaß!

Ihre Milena Preradovic

 

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