Milena Preradovic Milena Preradovic Foto: Hauschild

Milena Preradovic: 'Alter, Du bist raus'

Milena Preradovic hat über viele Jahre TV-Geschichte geschrieben. Jetzt liefert sie Geschichten, die das Leben schreibt - in ihrer Kolumne "Milenas 50 plus".

Wuppertal, 15.03.2019 - Milena Preradovic (56) ist der Prototyp einer Powerfrau. Über Jahre war die wortgewandte und schlagfertige Gelsenkirchenerin eines der bekanntesten Fernsehgesichter Deutschlands.

Unter anderem kennt man sie als Aushängeschild der bunten, informativen Show „Punkt 12“ (RTL). Mit ihrer lockeren Art revolutionierte sie die bis dahin beschaulichen, angestaubten Mittagsmagazine im deutschen Fernsehen.

In ihrer Kolumne „Milenas 50 plus“ setzt sie sich humorvoll mit dem Thema Älterwerden auseinander. Nicht wenige werden sich in Milenas Geschichten und Beobachtungen wiederfinden.

Alter, Du bist raus!

„Jimmy Carter? Der von den Back Street Boys?“ Man muss den 39. Präsidenten der USA nicht kennen, außer man arbeitet in einer Nachrichtenredaktion.

Der fragende Kollege war ein Hüpfer, ein ganz junger Hüpfer. Ich hatte nichts mit der Nachrichtenredaktion zu tun, aber ich hatte sie gut im Blick.

Alle Redakteure waren jung und ziemlich unerfahren. Kein altgedienter Handwerker weit und breit, von dem Kids lernen konnten. Alle wegrationalisiert. Und natürlich wurde auch keiner mehr eingestellt. Weil kaum jemand Menschen über 50 einstellt.

Und warum? Weil viele Arbeitgeber ein Pauschalurteil über Ältere fällen: Sie sind zu teuer, nicht motiviert, wenig belastbar und hängen dank Kündigungsschutz wie Kletten im Unternehmen. Aber geht es wirklich ohne erfahrene Mitarbeiter?

Bei den Kiddie-News ackerte niemand mehr, der den Kalten Krieg noch miterlebt hatte. Genauso tiefgründig und fundiert war die Berichterstattung. Für mich Dilettanten-News! Klar kannste googeln - aber wer seinen Beitrag auf Wikipedia-Wissen baut, der spielt nicht mal Kreisliga.

Apropos Fußball. Käme irgendjemand in Deutschland auf die Idee, Jupp Heynckes (73) wegen seines Alters zu dissen? Den Mann, der die Bayern im Rentenalter zum Triple führte und letztes Jahr auf Knien angefleht wurde, weiterzumachen?

Nur ein Ausnahmetrainer? Quatsch, ein kluger alter Mann, der Respekt eingefordert und bekommen hat. Mit seiner Erfahrung im internationalen Geschäft hat Jupp über die Drama-Kings des Rekordmeisters nicht mal gegähnt. Und er hat mehr Pep in die Bayerly-Hills-Clique gebracht als Guardiola. Oder Niko Kovac, den ich nach jeder quälenden Presskonferenz nur noch in den Arm nehmen möchte.

Natürlich gibt es auch Nullnummern unter den 50plussern – wie in jeder anderen Altersklasse auch. Deshalb ist es so wichtig, sich den einzelnen Menschen anzuschauen, nicht die Gruppe.

Kein Personalchef käme auf die Idee, einen Bewerber nur deshalb einzustellen, weil er 35 ist. Aber er lehnt einen anderen ab, nur weil er 55 ist.

Die Oldies werden meist nicht mal eingeladen…. Ganz schön doof, arrogant und natürlich zutiefst ungerecht.

Und gleichzeitig klagen die Personaler, daß sie keine fähigen Bewerber bekommen…. Tja Freunde, gibt halt inzwischen mehr Alte und weniger Junge. Und das ist der Trend. Einfach mal Zeitung lesen.

Klar, selbst die besten 50plusser können nicht jeden Tag vier Überstunden leisten – müssen sie auch gar nicht. Sie schaffen ihre Arbeit auch in acht. Und wenn das nicht reicht, dann stimmt was nicht beim Arbeitgeber.

Und was tun die Jobcenter?

Eine Journalisten-Freundin 50plus wollte die Monate bis zu ihrer Selbständigkeit mit Arbeitslosengeld überbrücken. Fand die Dame vom Job-Center super. „Für Sie haben wir eh nichts“, lautete die freundliche, aber lapidare Antwort.

Ich behaupte: das grenzt an Arbeitsverweigerung.

Jobcenter sollten mit Blick auf die demografische Entwicklung eigene Abteilungen für Best Ager aufbauen, und zwar ernsthaft – mit ausgebildeten motivierten Vermittlern, die gezielt mit ihren Kunden nach Stärken und Talenten suchen – vielleicht kann der arbeitslose Schweißer ja ganz toll mit Kindern?

Wo ist Erfahrung gefragt? Wie kann sich ein älterer Arbeitssuchender selbständig machen? Hat er Empathie? Talent zum Schreiben? Zum Reden? Kann er Trauerredner? Oder Fremdenführer?

Echte Hilfe zur Selbsthilfe ist gefragt, nicht müdes Verwalten von Statistiken. Und wenn die Oldies spüren, dass sich die Gesellschaft wirklich um sie bemüht, dann wird das ungeahnte Kräfte freisetzen.

Wer die Alten abhängt, der darf sich nicht wundern, wenn sie den populistischen Rattenfängern auf den Leim gehen. Die heucheln zumindest Interesse.

Es ist ein gefährliches Spiel, das Arbeitgeber, Politik und Verwaltung da spielen. Fitte Menschen im besten Alter driften in die Depression ab – und das kann sich die stabilste Demokratie auf Dauer nicht leisten.

Das einzige was hilft, ist umdenken, flexibel werden. Und das sollten die Jungen doch können!

Herzlichst
Ihre
Milena Preradovic

 

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