Geschäftsführer Jörg Föste: Mit dem BHC auf einem guten Weg Geschäftsführer Jörg Föste: Mit dem BHC auf einem guten Weg Foto: BHC 06

BHC bringt echtes Bundesliga-Feeling ins Tal

Die Bergischen Handballer spielen wieder in der stärksten Liga der Welt. Keine Frage, der BHC bringt echtes Bundesliga-Feeling ins Tal zurück. Wir beleuchten die Hintergünde des Aufschwungs.

Aus unserer September-Print-Ausgabe - Wuppertal, 14.09.2018 - Für die Bergischen Handballfreunde ist in diesem Jahr ein Traum in Erfüllung gegangen. Der BHC schaffte nach einjähriger Abwesenheit auf Anhieb den Wiederaufstieg in die erste Bundesliga, der „stärksten Handball-Liga der Welt“. Ein Glücksmoment für die in dieser mit Spitzensport nicht gerade verwöhnten Region.

Ehrgeizig und bescheiden zugleich sind die neu formulierten Ziele: Der Bergische HC will sich als festes Mitglied in der wohl am meisten ausgeglichen besetzten Liga des internationalen Hand- ballsports etablieren, peilt aber als Aufsteiger im ersten Jahr offiziell nur den Klassenerhalt an. Der Etat konnte auf 3,1 Mio.€ gegenüber 2,4 Mio.€ im Vorjahr gesteigert werden. Damit liegen die „Löwen“ allerdings nur im unteren Drittel, weit entfernt von Liga-Krösus THW Kiel (9,5 Mio.). Die übrigen Spitzenklubs kalkulieren im Schnitt durchweg mit rund 5 Mio. €.

Die Hoffnung auf eine bessere und abgesicherte Zukunft ist dennoch nicht ganz unbegründet, falls die Kalkulationen des Managements mittelfristig aufgehen. Zuständig für das operative Geschäft im sportlichen und wirtschaftlichen Bereich ist wieder der 58jährige Jörg Föste, der schon einmal BHC-Geschäftsführer war und dem Verein zuletzt als Beirat zur Seite stand. Philipp Tychy (38) konzentriert sich als Geschäftsführer jetzt auf den Schwerpunktbereich Marketing und Vertrieb.

Insgesamt eine erstaunliche Entwicklung im schon immer Handball begeisterten Bergischen Städtedreieck, wenn man sich an die Entstehungsgeschichte erinnert. Einst dominierten LTV Wuppertal und SG Solingen hier das Geschehen, ehe es nach erhebli- chen Differenzen 2006 zur Neugründung des BHC kam. Bis zum Jahre 2011 hatte es gedauert, bis man die höchste Klasse erstmals erreichte, aber schon in der folgenden Saison wieder verlassen musste.

Nach dem geglückten Wiederaufstieg folgten vier Erstliga-Jahre hintereinander, die auf den Rängen 12 bis 16 endeten. Besonders im dramatischen Abstiegsjahr 2017 entstand rund um die völlig neue Mannschaft eine Euphorie, die man so nicht alle Tage erlebt. Stehende Ovationen begleiteten das Team nach einem sportlichen „Sekundentod“ auf dem Weg in Liga zwei, als die Entscheidung praktisch in der letzten Sekunde gefallen war. Eine Begeisterung, die trägt und anhält.

Jörg Föste will „Die Kraft in uns“ folgerichtig in einer Bergischen Arena bündeln. Um dauerhaft in der Liga konkurrenzfähig bleiben zu können, plant man an der Stadtgrenze von Solingen zu Wuppertal (am Piepersberg) eine neue Halle mit Platz für bis zu 6000 Zuschauer. Eigentlich sollte sie schon in diesem Jahr fertig gestellt sein, doch die Planungen stecken noch in den Kinderschuhen. Immerhin haben Politik und Verwaltungsspitze inzwischen beschlossen, das Projekt nachhaltig zu unterstützen.

Bis dahin werden sich die Handballer in ihren angestammten Hallen, der Wuppertaler Uni und der Solinger Klingenhalle, die aktuell „erstligatauglich“ gemacht wurden bzw. werden und ihrem Fassungsvermögen für rund 3000 Zuschauer arrangieren müssen. Als Ausweg für die ganz großen Spiele wird man in dieser Saison in den „ISS Dome“ nach Düsseldorf ausweichen, wo die übliche Kapazität 8.500 Plätze beträgt. In dieser Halle sind die Top-Spiele gegen die Rhein-Neckar-Löwen und den THW Kiel an den Donnerstagen des 01. bzw.15. Novembers bereits fest eingeplant.

Der Zuschauerschnitt in der Handball-Bundesliga liegt bei 4.884 Besuchern pro Spiel, Kiel hat rund 10.000 Besucher, die Rhein-Neckar-Löwen 8.500. Zahlen, die im Bergischen trotz kostenlosem Bus-Shuttle für Fans derzeit nicht erreichbar sind. Der Erlös aus Tickets lag beim BHC zuletzt aber ohnedies lediglich bei 15.2 v.H der Gesamteinnahmen. Der größte Batzen stammt aus Sponsoring und Werbung. Da ist noch viel Luft nach oben.

Zur Steigerung der Einnahmen tragen auch die höheren Fernsehgelder bei, die für Spiele im Handball-Oberhaus gezahlt werden. Der Etat könnte noch höher ausfallen, wenn sich die Erwartungen bezüglich der Einnahmen im DHB-Pokal erfüllen. Hier bescherte das Los für das Achtelfinale die Rhein-Neckar Löwen, was die Bergischen vor eine gigantische sportliche Herausforderung stellt.

„Fest steht, dass wir den Pokalfight im Bergischen Land - also in der Klingen- oder der Unihalle austragen werden“, sagt Geschäftsführer Jörg Föste. Der Vorverkauf für die Partie, die am 16. oder 17. Oktober ausgetragen wird, ist bereits angelaufen. „Wir werden für dieses ganz beson- dere Spiel die Preise senken“, kündigt Föste an. Schon für 10 Euro werden Tickets erhältlich sein. Die teuerste Karte kostet 25 Euro. „Wir wollen die Kiste rappelvoll haben.“
Auch wenn in erster Linie der Klassenerhalt angestrebt wird, so traut man der Mannschaft von Trainer Sebastian Hinze durchaus mehr zu, sollte sie von Verletzungspech diesmal verschont bleiben. Der Löwen-Kader ist in dieser Spielzeit mit 22 Akteuren so groß wie noch nie.

Bis auf den aus gesundheitlichen Gründen ausgeschiedenen Jan Artmann ist die Aufstiegsmann- schaft komplett zusammengeblieben und hat sich mit sechs Spielern punktuell verstärkt. Der spanische Kreisläufer Rafael Baena Gonzales (35) von den Rhein-Neckar Löwen ist der wohl prominenteste Neuzugang. Zu den ältesten Spieler gehören mit dem Isländer Arnor Thor Gun- narsson der Torjäger und der 2,03 m große slowenische Abwehr-Recke Caba Szücs (beide 31).

Der mit 128 kg schwerste Akteur ist der 2,02 m große Tscheche Leos Petrovsky und der mit 19 Jahren jüngste Spieler Yannick Fraatz, Sohn des früheren Nationalspielers Jochen Fraatz. Das Durchschnittsalter des Teams liegt bei 27.5 Jahren durchaus noch in der Norm. Der THW Kiel hat eines von 26,15 Jahren. Die „Eulen Ludwighafen“ stellen mit einem Schritt von 25 Jahren das jüngste Bundeliga-Team.

Zwei Siege, zwei Niederlagen (4:4 Punkte) lautet die vielversprechende Bilanz nach den ersten vier Spieltagen.

In diesem Monat kann man den BHC zu Heimspielen am 16. September gegen Lemgo und am 30. September gegen Bietigheim jeweils in der Klingenhalle erleben, ehe der Auftakt in der Wuppertaler Uni-Halle am 11.Oktober gegen den SC DHfK Leipzig steigt.

Text: Siegfried Jähne

Foto: BHC 06

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