Das Rex innen – ein gemütliches Kino Das Rex innen – ein gemütliches Kino Kristina Malis

Das „neue" Rex ist mehr als nur Fassade

Der ehrwürdige Kultur-Tempel ist jetzt wieder ein Kino.

Daniel Bäldle treibt es förmlich die Zornesröte ins Gesicht: „Da eröffnet man mit großem Einsatz und finanziellen Aufwand ein Kino und das, worüber alle reden, ist die Farbe der Fassade", sagt Daniel Bäldle. Der kommissarische Geschäftsführer des wiedereröffneten Rex-Kinos in der Innenstadt von Elberfeld spielt auf die vielen Diskussionen zur Wiederöffnung im Februar an. Damals waren zahlreiche Passanten verwundert, dass das Rubinrot des Kinoeingangs am Kipdorf gegen ein grünliches Grau ausgetauscht wurde. „Dabei ist die Faktenlage eindeutig", sagt Bäldle. „Die erste Auflage der Denkmalschutzbehörde für die Wiedereröffnung des Kinos war: Der Anstrich der Fassade muss dem historischen Kontext seiner Entstehungszeit entsprechen."

Da gilt es einige Jahre zurückzuschauen. Genauer gesagt ins Jahr 1887. Damals wurde das Rex-Theater nämlich unter dem Namen „Salamander" eröffnet. Es ist ein Haus voller Geschichte. Heinz Rühmann und Willy Millowitsch treten hier auf, bevor sie zur Film- und Fernsehlegenden vergangener Zeiten werden. Kurz nachdem sich das Haus nach dem zweiten Weltkrieg in ein Kino verwandelt, schaut Weltstar Gary Cooper zur Deutschlandpremiere des Western-Klassikers „12 Uhr mittags" vorbei. „Bei dieser Vorgeschichte ist es eigentlich schade, dass das neue Kino keine Bühne mehr hat", sagt Martina Steimer.

Sie kennt das Haus wie aus dem Effeff. Über zehn Jahre war der großen Saal das Herzstück ihrer Kleinkunstbühne „Forum Maximum". „Mit seinen 500 Plätzen füllt es perfekt die Lücke zwischen den kleinen Bühnen und großen Sälen wie der Stadthalle", sagt die Kulturmanagerin, die vor einiger Zeit als künstlerische Leiterin zum renommierten Kabarett-Theater „Pantheon" nach Bonn wechselte. Nach dieser anfänglichen Kritik kommt von Steimer dann aber großes Lob für den neuen Kinobetreiber Mustafa El Mesaoudi, der in der Stadt ebenfalls kein Unbekannter ist: Mit seiner Lichtblick-GmbH betreibt er schließlich bereits seit vielen Jahren erfolgreich das Oberbarmer Programmkino „Cinema".

„Es ist großartig, dass hier wieder in die Kultur in Elberfeld investiert wird", sagt Steimer. In der Tat haben sich die neuen Betreiber die Renaissance des Rex einiges kosten lassen: Große bequeme Sessel, die man sonst eher aus Luxus-Kinos in Berlin oder Köln kennt, wurden für das Parkett angeschafft – dadurch passen dort nun fast 200 Zuschauer weniger hinein. Auf dem Balkon hat man dagegen die Originalbestuhlung aus den 50er Jahren erhalten und aufwändig neu gepolstert. Aus dieser Zeit stammen auch die Messingarmaturen der Geländer, die nun – frisch poliert – einen gelungenen Kontrast zum avantgardistischen Chic der neuen Kinobar abgeben.

Auffallend sind auch die neuen Logen mit eingebauten Mini-Kühlschränken.

„Für 55 bis 70 Euro Eintritt pro Loge sind alle Getränke in der Minibar schon inklusive", erklärt Bäldle. Gleichzeitig macht er klar, dass das Kino trotz solcher Spielereien ein einfaches Ziel verfolgt: „Gute Filme zu einem vernünftigen Preis zeigen." Zu der ehemals roten Kinofassade gibt es dann noch eine Aufklärung von Martina Steimer: „Bei mir hat sich die Denkmalschutzbehörde natürlich auch quergestellt", sagt die resolute Frau. „Ich habe mich dann aber so lange gewehrt, bis ich am Ende eine Ausnahmegenehmigung des damaligen Oberbürgermeisters Kremendahl erhalten habe." Vergangene Zeiten. Warten wir ab, wie das neue Rex diese Zeiten mit der Zukunft verbindet.

David Fleschen

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