Eine der alten Bibeln, die im Bibelmuseum ausgestellt sind. Eine der alten Bibeln, die im Bibelmuseum ausgestellt sind. Foto: Monika Asmus

Gottes Wort in 1.450 Sprachen

Gottes Wort in 1.450 Sprachen! Das Wuppertaler Bibelmuseum beherbergt wahre Schätze der Buchdrucker-Kunst.

Wuppertal, 02.08.2019 - Wie groß ist die kleinste Bibel der Welt? Wie schreibt man mit einer Gänsefeder? Und warum bekamen die Mönche im Scriptorium, in der klösterlichen Schreibstube, in der sakrale Texte dupliziert wurden, schlechte Augen?

Diese und andere Fragen werden im Bibelmuseum Wuppertal in der Bendahler Straße beantwortet. Museumsleiter Stefan Drüecke führt uns durch die ‚heiligen‘ Räume des Hauses. Wer das Museum betritt, der sieht als Erstes eine nachgebaute Druckerpresse. „Für größere Kindergruppen bieten wir Aktivitäten wie Buchdruck oder ‚Schreiben wie im Mittelalter‘ an. Dabei zeigen wir, wie man mit einem Schilfrohr oder mit einer Gänsefeder schreiben kann“, erklärt Stefan Drüecke.

Ein christlicher Hintergrund sei bei einem Bibelmuseum natürlich vorhanden, aber die Geschichte des Schreibens und Druckens nehme ebenfalls einen großen Platz ein. Die Exponate vor Ort präsentieren sich vielfältig.

In einem Raum sehen Besucher die bekannte Elberfelder Bibel oder Ausgaben, die für die Mission in Sumatra gedacht waren. Auch eine Bibel in Platt ist Teil der umfangreichen Sammlung. In einem weiteren Raum stehen Bibeln in 1.450 verschiedenen Sprachen.

Eine wahre Attraktion des Hauses ist die kleinste Bibel der Welt. „Im geschlossenen Zustand ist das Buch gerade 2 x 4 Zentimeter groß. Es wurde im 19. Jahrhundert für eine englische Baronin hergestellt und in geringer Stückzahl vervielfältigt“, verrät Stefan Drüecke.

Der Museumsleiter zeigt Ausstellungsstücke in Keilschrift, kleine Tontafeln, in die Schriftzeichen eingeritzt wurden. „Diese hier beschreibt den Transport von Käse und Suppe. Daneben befindet sich eine Art Supermarktbeschriftung, die den Wert des Korns anzeigt“, erklärt er mit einem Augenzwinkern.

Eine jüdische Thora findet sich hier ebenso wie ein Raum, in dem Nachbildungen und Originale mittelalterlicher Bibeln zu finden sind.

Diese waren der Schatz eines jeden Klosters. Rund 400 Schafshäute, also eine ganze Herde, wurden zur Herstellung eines Codex benötigt. Der Hersteller des Buches war nicht nur Schreiber, sondern auch Zeichner. So war die Initiale, also der erste Buchstabe, ein schön verziertes Kunstwerk. Die Schrift war sehr klein und erforderte eine ruhige Hand.

„Ein Mönch konnte in seinem Leben drei Bibeln schreiben, danach waren die Augen zu sehr geschädigt“, weiß Stefan Drüecke zu berichten. Auch die Bedeutung des Buchdrucks für die Zeit der Reformation kommt im Museum nicht zu kurz. Kleine und große Besucher haben zudem die Möglichkeit, ein originales Beduinenzelt sowie die Rekonstruktion einer Ausgrabungsstätte in der ersten Etage zu sehen.

Das Museum hat an Freitagen zwischen 14 und 18 Uhr geöffnet. Da das Museum von einem gemeinnützigen Verein und rund acht Mitarbeitern geführt wird, sollten sich Interessierte für weitere Termine zuvor telefonisch anmelden. Auch Führungen sind auf Nachfrage möglich. Mehr Informationen unter: www.bibelmuseum.de

Text: Mirja Dahlmann

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