Epilog von "IchundIch" im Riedelgarten Epilog von "IchundIch" im Riedelgarten Foto: Siegfried Jähne

'IchundIch' - Tugenden und Sünden vereint

Schauspielpremiere zum 150. Geburtstag der Wuppertaler Dichterin und Autorin Else Lasker-Schüler: „IchundIch“ - Tugenden und Sünden vereint. Eine Premiere der besonderen Art.

Wuppertal, 08.07.2019 - „IchundIch“, ein Drama von Else-Lasker-Schüler, entstanden in den Jahren 1940/41, fesselte das Publikum der Wuppertaler Bühnen so sehr, dass sich in den Riedel-Hallen zwei Stunden lang keine Hand regte, ehe es dann doch noch zu einem überwältigenden Schluss-Applaus kam.

Ein mehr als verdienter Beifall, für ein bravouröses Ensemble, das die mehr als schwierigen politischen Themen eindrucksvoll auf die Bühne brachte.

Ein »cross-over« verschiedener Künste Schauspiel, Tanz, Film und Gesang. Dabei hatte es geschlagene 20 Minuten gedauert, bis das erste Wort, dann aber aus den zahlreich aufgebauten TV-Bildschirmen, erklang. Dafür wirkte an der Uellendahler Straße in Elberfeld ein ungewöhnliches Bühnenbild auf das Publikum – rund 500 Gummistiefel aufgereiht am Rande einer großräumigen, sandigen Bühnenfläche.

Else Lasker-Schüler hat in diesem Jahr 150. Jubiläum. Wuppertal feiert seine große und weltberühmte Lyrikerin mit einem Theater-Festival! Das Schauspiel Wuppertal hat für diesen Anlass die Umsetzung ihres Theaterstücks ›IchundIch‹ als spartenübergreifende Rauminstallation in internationaler künstlerischer Kooperation unter der Leitung der israelischen Regisseurin Dedi Baron auf den Spielplan gesetzt.

Ergänzt wurde die Produktion durch ein Autorenprojekt von Studierenden der Universität Tel Aviv sowie der Universität der Künste Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. John von Düffel. Das Bühnengeschehen wird ergänzt durch Videoarbeiten von Yoav Cohen und Thomas Dickmeis sowie Musik von Frank Schwiklewski.

›IchundIch‹ wurde nicht nur in Jerusalem geschrieben, es spielt auch dort. Erst im letzten Jahr wurde das Stück ins Hebräische übersetzt. Die Dichterin zeigt in ihrer Überschreibung von Goethes ›Faust‹, wie die feinsinnige deutsche Kultur und Literatur von Nazihorden überrollt und gekapert wird.

Faust und Mephisto diskutieren in sechs Akten den Widerstreit von Gut und Böse, ausdrücklich ohne die Romanfigur „Gretchen“. “ Natürlich spielt der „Arier Gott“, namens Adolf Hitler, eine überragende Rolle. Aber auch von Schirach, Göbbels, Hess und Göring treten im „Höllenpalast“ auf.

Die Nazis werden schlussendlich allesamt zum Teufel gejagt: Also, sie sterben in zischender, brodelnder, qualmender Lava. Nach getaner Arbeit – alle Besucher sind gestorben – deutet Mephisto als väterlicher Freund dem staunenden Doktor Faust das Wunder seiner Unsterblichkeit via geteiltes Ich - durch das wiederum Entfalten des „IchundIch“.

Faust fügt schließlich eine dritte Deutung des Werktitels hinzu. Demnach repräsentiert wohl er die Tugenden und sein Widerpart die Sünden: „Uns beide – stillvereint im Leibe: IchundIch“.

Eingestreute Bilder aktueller Despoten und Demagogen sollen verdeutlichen, dass das Werk der 1869 in Elberfeld geborenen und 1945 im Alter von 76 Jahren in Jerusalem verstorbenen Else Lasker-Schüler nichts von seiner Schärfe und Aktualität eingebüßt haben.

Die Rollen sind besetzt mit Thomas Braus, Leonor Clary, Douglas Letheren, Pascal Merighi, Julia Reznik, Konstantin Rickert, Kenji Takagi und Julia Wolff. Das Theaterfestival um die theatralische Tragödie von Else Lasker-Schüler ist noch bis Samstag (13.07.) 13. Juli täglich jeweils 19 Uhr in den Riedel-Hallen zu sehen. (sj)

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