Thomas Braus gefiel als Dorfrichter Thomas Braus gefiel als Dorfrichter Foto: Benedikt Bergenthal

Intendant Braus gefiel als Dorfrichter Adam

Schauspiel-Premiere im Opernhaus - Intendant Braus gefiel als Dorfrichter Ada. Ein Krug ging zu Bruch- und damit droht auch die Ehre von Martha Rull und ihrer Tochter Eve ein Riss zu bekommen.

Wuppertal, 08.09.2018 - Das Lustspiel von Heinrich Kleist „Der zerbrochne Krug“, hatte am Freitag (07.09.) in der Inszenierung von Marcus Lobbes im Wuppertaler Opernhaus eine sehr gelungene Premiere.

Viel Beifall erntet die recht moderne Wuppertaler Inszenierung, in der Gerichtsrat Walter (gespielt von Jonas Gruber) als Moderator und Showmaster eines öffentlichen Lokaltermins sehr gekonnt auftrat. In der Hauptrolle gefiel einmal mehr Intendant Thomas Braus, der dem Dorfrichter Adam eine besondere Note verlieh. Als Dorfrichter Adam muss er über eine Tat zu Gericht sitzen, die er selbst begangen hat.

Gerichtsschreiber Licht (Konstantin Rickert), der Richter Adam morgens beim Verbinden frischer Wunden überrascht, ahnte schon, dass hier nicht wie behauptet, ein Straucheln, sondern eher ein erotisches Abenteuer im Spiel gewesen sein konnte. Protagonistin Eve (Lena Vogt) und Mutter Marthe Rull (Philippine Pachl) stritten ein solches immer ab.

Mutter Roll beschuldigte vielmehr Ruprecht (Alexander Peiler), den Verlobten ihrer Tochter Eve, am vorherigen Abend den Krug in ihrem Haus zerstört zu haben. Ruprecht von Alexander Peiler erfrischend dargeboten, versichert hingegen, dass ein Fremder ins Haus eingebrochen sei und dieses fluchtartig durch ein Fenster verlassen habe, wobei er den Krug vom Fensterbrett gestoßen habe.

Der für die Dramaturgie verantwortlichen Barbara Noth ist zuzustimmen, wenn sie feststellt, dass das Bühnensetting die Spiel- und Tatorte in die Sichtbarkeit und damit der Anschaulichkeit der musikalischen, lautmalerischen und gestischen Vers-Sprache Heinrichs von Kleist rückt. Das Physische, der Körper in all seinen Funktionen und seiner Verwundbarkeit, der im „Zerbrochnen Krug“ gerade auch als Konterpart der aufklärenden Vernunft zum Gegenstand der Reflexion wird, strauchelt hier ganz wortwörtlich im Slapstick zwischen Kanonenofen, Weinspalier und Dorfplatz.

Die kurzweilige Aufführung von nur 90 Minuten Dauer ohne Pause entspricht dem Zeitgeist, der teilweise zu vermerkende Verlust von thematischer Tiefe scheint daher hinnehmbar.

Text: Siegfried Jähne

 

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