Drei Schauspieler und das Szenenbild von „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm/Nach der Ruhe vor dem Sturm“ Drei Schauspieler und das Szenenbild von „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm/Nach der Ruhe vor dem Sturm“ Foto: Wuppertaler Bühnen / Uwe Schinkel

Theater-Premiere: Wie spielt man Hitler heute?

Am Wochenende fand Premiere des Stückes „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm/Nach der Ruhe vor dem Sturm“ im Theater am Engelsgarten statt. Dabei stelte sich die Frage: Wie spielt man Hitler heute?

Wuppertal, 16.09.2018 - Premiere im Wuppertaler Schauspiel. Hier wurde das Stück „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm/Nach der Ruhe vor dem Sturm“ von Theresia Walser aufgeführt. Eine beißende Vorstellung mit Wortwitz und rasanten Dialogen, welche sich mit Darstellungsweisen Hitlers auf den Brettern der Welt auseinandersetzt.

Drei Schauspieler warten auf einen Talkshow-Auftritt. Sie sollen von ihren Erfahrungen als Hitler- oder Goebbels-Darsteller berichten. Doch bevor überhaupt ihr stürmischer Disput beginnen kann, geraten sie mit ihren ganz unterschiedlichen Positionen zur Schauspielkunst aneinander.

Zwei von ihnen haben bereits „den Hitler“ gespielt, einer leider nur Goebbels. Der Eitelste des Trios ist der Großschauspieler Franz Prächtel, gespielt von Miko Greza, ein Prachtkerl alter Schule mit Platzhirsch-Gehabe, der niemals „unter“ einem Regisseur gearbeitet hat, sondern Regiekünstlern die Chance gab, mit ihm zusammen zu reüssieren. So behauptet er es zumindest.

So gerät er natürlich sofort in Konflikt mit dem zweiten Hitler-Darsteller Peter Söst (gespielt von Stefan Walz), der seinen Hitler „nicht als Menschen“ gespielt hat sowie mit dem jungen Göbbels Darsteller Ulli Lerch (Martin Petschan). Die Frage ist, ob man Hitler gar als Menschen spielen kann oder sich ihn sich in eisiger Kälte vom Leib hält? Ist es gut, anschließend gleich einen KZ-Häftling zu spielen? Und könnte bitte endlich jemand dem Großmimen Franz Prächtel sein Hahnenwasser bringen?!

"Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm" ist eine vergnügliche Satire zwischen „Der Untergang“ und „Er ist wieder da“. Mit dem 2018 uraufgeführten Stück „Nach der Ruhe vor dem Sturm“ bekommt der Abend am Schauspiel Wuppertal eine zusätzliche Umdrehung. Ein Feuerwerk brillanter Dialoge, zuweilen auch schwere Kost, wenn die unterschiedlichen Positionen auf verschiedenen Ebenen zum Ausdruck kommen. Das Stück unter der Regie von Kristin Trosits dargeboten, lebt von den großartigen schauspielerischen Darbietungen, die das Wuppertaler Premierenpublikum am Ende mit viel Beifall honorierte.

„Ein bisschen Ruhe…“ feierte zuletzt schon in glänzende Theatererfolge in Mannheim und Dortmund. Die Vorlage zu dem Stück lieferte Theresia Walser, Tochter von Martin Walser, Autorin von Theaterstücken, die als Gegenentwurf zum gängigen Bühnen-Realismus gedacht sind und deren ungewöhnliche, poetische Sprachkunst von der Kritik einhellig gelobt wird. Sie ist inzwischen eine der produktivsten und meist gespielten Dramatikerinnen unseres Landes.

Text: Siegfried Jähne

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