Christiane ten Eicken mit Söhnchen Moritz und Familienhund Christiane ten Eicken mit Söhnchen Moritz und Familienhund Foto: Benedikt Bergenthal

Ab wann ist man eine „olle Mutter“?

Ab wann ist man eine „olle Mutter“? Die Wuppertaler Projektmanagerin Christiane ten Eicken bekam mit 44 Jahren ihr erstes Kind. Wie reagierte ihr Umfeld?

Aus unserer August-Print-Ausgabe - Wuppertal, 11.08.2017 - Ende Juni hat Caroline Beil, Moderatorin und Schauspielerin, ihr zweites Kind zur Welt gebracht. Ein gesundes Mädchen. Klingt zunächst unspektakulär und völlig normal. Dennoch ist sie seit Bekanntwerden ihrer Schwangerschaft, und auch noch seit der Geburt ihrer Tochter, ein Dauerthema in der Öffentlichkeit. Warum ist das so? Zum Einen bietet die Tatsache, dass der Vater 16 Jahre jünger ist als sie, immer wieder Anlass für Kritik und Aufregung – erstaunlich, dass daran heutzutage noch Anstoß genommen wird – zum Anderen ist Caroline Beil 50 Jahre alt, als sie ihre Tochter zur Welt bringt. Auch darüber wird kontrovers diskutiert.

In der Medizin gehört die Schwangerschaft jeder Frau, die mit 35 Jahren ihr erstes Kind bekommt, zu einer Risikoschwangerschaft. Was nicht bedeutet, dass automatisch Komplikationen entstehen müssen. Jedoch werden diese Frauen meist intensiver ärztlich betreut, um Risiken im Vorfeld zu vermeiden. Letztlich ist der Verlauf einer ‚Risikoschwangerschaft‘ jedoch oft genauso unkompliziert, wie bei einer deutlichen jüngeren Frau. Was macht das Thema dennoch so brisant? Niemand echauffiert sich, wenn ein Mann mit über 50 Vater wird. Warum also werden Frauen über 40 oft umgangssprachlich als „olle Mütter“ bezeichnet?

Ich treffe zu diesem Thema Christiane ten Eicken. Sie ist selbständig in den Bereichen Projektmanagement und Presse in Wuppertal tätig, arbeitet als Redakteurin und hat ihr erstes Kind mit 44 Jahren bekommen – Moritz. Er ist jetzt ein Jahr alt, ein sehr süßes, ausgeglichenes und offensichtlich zufriedenes Kind.

Christiane ten Eicken ist eine Frau, die einen sofort in ihren Bann zieht – ausgesprochen strahlend, aufgeschlossen und lebensbejahend. Von daher wundert es auch nicht, dass sie frei von der Leber über sich und ihre Schwangerschaftsgeschichte erzählt und dabei mit so manchem Vorurteil aufräumt.

Sie erzählt, dass sich das Thema Kinder in ihrem Leben einfach nicht ergeben hat, bis sie knapp 40 war. Dann passten auf einmal alle Umstände, jedoch war es dann ihre Ärztin, die ihr sagte, jetzt sei kein Denken mehr daran. Christiane ten Eicken ließ sich jedoch nicht entmutigen, behielt ihre positive Lebenseinstellung bei und dachte sich „was passieren soll, passiert“.

Dass die guten Voraussetzungen für eine später Schwangerschaft dennoch gegeben waren, beweist auch die Tatsache, dass sowohl ihre Mutter als auch ihre Großmutter noch mit 40 Kinder bekommen haben – eine Tradition, die sich in dieser Familie offensichtlich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. Und dann ‚passierte‘ Moritz – „ein Überraschungskind“, wie Christiane ten Eicken ihren Sohn liebevoll betitelt. Ihre Schwangerschaft ist so unkompliziert verlaufen, dass sie darüber kaum etwas zu berichten hat „Drei Tage vor der Entbindung habe ich noch den Rasen gemäht“, erzählt sie – und man glaubt es ihr sofort.

Ich spreche Christiane ten Eicken auf die Geschichte von Caroline Beil an und frage sie, ob sie ähnliche Erfahrungen gemacht hat? Von ihr kommt ein ganz klares „Nein“ als Antwort. Bisher haben sich alle ausnahmslos mit ihr gefreut und ihr das Glück in Form von Moritz von Herzen gegönnt. Kann sie sich denn vorstellen, noch ein zweites Kind zu bekommen? „Nein, man soll das Schicksal nicht herausfordern. Wir haben mit Moritz so viel Glück gehabt und er macht uns vollständig. Dafür sind wir dankbar.“

Christiane ten Eicken erzählt mir, dass, wenn sie es sich hätte aussuchen können, sie sicherlich ein paar Jahre früher Mama geworden wäre. Aber das Leben geht oft andere Wege. Man solle Alles auf sich zukommen lassen, dann würde es sich schon genau so fügen, wie es richtig sei, und dann ergänzt sie noch „Je älter man wird, desto gesetteter und entspannter ist man, und das überträgt sich dann auch auf das Kind“.

Ab wann gilt denn eine Frau für Christiane ten Eicken als „olle Mutter“ (sie selbst nimmt diesen Begriff übrigens immer wieder mit einem Augenzwinkern in den Mund)? „Ach.. vielleicht, wenn eine fünf davor steht..“ - aber man merkt ihr an, dass sie generell nicht gerne in Schubladen denkt.

Bei Facebook ist sie sehr aktiv und teilt mit ihren Freunden gerne die Erlebnisse von und mit Moritz – wird sie auch auf dieser Plattform nie mit negativen Äußerungen konfrontiert? „Nein, auch dort nicht. Jeder Tag mit Moritz ist ein Abenteuer, und ich poste Dinge aus einem Impuls heraus. Jeden Tag passieren auf der ganzen Welt so viel schlimme Dinge, da möchte ich meinen kleine Beitrag dazu leisten, etwas schönes zu thematisieren und die Welt an dem Glück, das mir und meinem Partner widerfahren ist, teilhaben lassen.“

In das Gespräch platzt unverhofft die Oma von Moritz – Christiane ten Eickens Mutter - eine herzliche und extrem rüstige Frau von 85 Jahren. Und dann kommen sie doch, die etwas leiseren Töne, die das Wunder von Moritz nicht schmälern, aber ein wenig zum Nachdenken anregen. Oma ten Eicken erzählt, wie fit sie noch ist, und dass sie turnen geht und ihren Enkel über alles liebt – aber dass sie auch manchmal Angst hat, wenn sie ihn z.B. eine Treppe hochträgt. Angst, diesen Situationen rein körperlich nicht mehr gewachsen zu sein. Sie versuche sich, speziell für Moritz, noch fitter als ohnehin schon zu halten, aber irgendwann stoße man eben auch an seine Grenzen.

So kommt mir zum Schluß des Interviews der Gedanke, dass vielleicht nicht die „ollen Mütter“ das Problem sind, sondern die „ollen Großeltern“ - die mit dieser Rolle einfach deutlich später konfrontiert werden, als Omas und Opas, die erst Mitte sechzig sind, wenn das erste Enkelkind zur Welt kommt...

Text: Nina Reinhardt

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