Christopher Luhmer (r.) mit „Wanderexperten” Christopher Luhmer (r.) mit „Wanderexperten” Fotos: Judith Kulinna

Auf ‚Schusters Rappen‘ zum Rittergut

Vom ‚Monte Hermann‘ bis zum Rittergut: Der Wuppertaler Rundweg einmal um die Stadt herum hat viel zu bieten. Die erste Etappe hat unser Redaktionsteam gemeistert.

Den Wanderstab mit dem Beutel auf der Schulter, das Lied „Das Wandern ist des Müllers Lust“ auf den Lippen. Saftig grüne Wiesen, ein gurgelnder Bach und dann kreuzt auch noch der Förster im grünen Lodenmantel mit Gamsbart am Hut den Weg. Wander-Idylle in vielen angestaubten Heimatfilmen. Solche „Wandervögel“ sind Relikte aus der Vergangenheit. Was nicht bedeutet, dass Wandern heutzutage völlig out ist. Im Gegenteil! Viele junge Menschen zieht es wieder hinaus in die freie Natur. Das Wandern erlebt gerade eine Renaissance – auch wenn viele junge „Wandergesellen“ keine Lust haben, sich einem Verein anzuschließen, sondern die Natur lieber individuell erkunden. Die STADTZEITUNG hat jetzt Wanderer unterschiedlicher Generationen und Philosophien unter einen Hut gebracht: Heinrich Saßmannhausen, Wanderführer des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV), Christa und Karl-Heinz Weigand, sowie Judith Kulinna und eben ich, der Redakteur Christopher Luhmer. Gemeinsam machten wir uns auf, um den ersten Abschnitt des „Wuppertaler Rundweg“ zu erwandern.

„Der Weg zur Gesundheit ist der Wanderweg“, sagt Heinrich Saßmannshausen und muss selbst dabei schmunzeln. Dem pensionierten Eisenbahner liegt das Wandern im Blut. Ihn bedrückt, dass den Wandervereinen die Mitglieder weglaufen.
Wir starten auf der Roßkamper Höhe. Die Sonne scheint, ein paar Rasenmäher brummen vor sich hin und der Duft von frisch gemähtem Gras und heißem Asphalt liegt in der Luft. Hier beginnt also der Wuppertaler Rundweg.

Das „W“ im Kreis steht für den Wuppertaler Rundweg und führt uns anhand zahlreicher Markierungen an Bäumen und Schildern rund um Wuppertal. Und so gelangen wir auf dem ersten Teil des Weges, vom 1934 gebauten Wasserturm, zunächst in die Wohnsiedlungen in der Ittertaler Straße und „Am Schlüssel“. Die Kleinsiedlungen stammen aus den 50er, 60er und 70er Jahren.

Zwar wundere ich mich noch immer über die Wegführung durch bebautes Gebiet. Aber schon ein paar hundert Meter weiter genießen wir eine traumhafte Aussicht auf Vohwinkel. Auf der anderen Seite des Tals sehen wir den ‚Monte Hermann‘, eine knapp 60 Meter hohe Abraumhalde der Kalksteinbrüche, die von den Anwohnern nach dem Gründer der Kalkwerke Oetelshofen benannt wurde.

Im Tal angekommen geht es weiter über die „Lange Brücke“, die die Vohwinkeler und die Gruitener Straße miteinander verbindet. Wenige Minuten später erreichen wir den Osterholzer Wald und so langsam verstummt der dröhnende Straßenlärm. Heinrich Saßmannshausen weiß hier eine verblüffende Anekdote zu erzählen: „Vor fünf Jahren sind hier auf dieser Wiese über Nacht 30 Obstbäume ausgerissen und gestohlen worden, ohne dass die Anwohner etwas bemerkt haben wollen.“

Wir wandern weiter durch den Wald und bis zur Lichtung am Hahnenfurther Weg. Hier hat in den 70er Jahren ein Hippie-Festival stattgefunden. Wir folgen dem Hahnenfurther Weg weiter und landen auf einem Parkplatz für Wanderer und Naturfreunde. Von hier aus ist die Quarter-Horse-Ranch zu sehen, auf der Weide davor grasen Western-Pferde. Jetzt geht es an der Düssel vorbei Richtung Schöller, ein idyllisches Kleinod. Zu guter Letzt ein echtes Highlight: das alte Rittergut, das aus dem 12. Jahrhundert stammt. Noch ein Kilometer, dann haben wir unser heutiges Ziel erreicht, die Elberfelder Straße in der Hahnenfurth. Fortsetzung folgt.

Eine wunderschöne, abwechslungsreiche Strecke, der einzige kleine Nachteil: Es gibt unterwegs zu wenig schöne Lokale mit Biergarten zum Einkehren.

Text: Christopher Luhmer

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