Döppersberg

Dieser Winter verlief für die Bauarbeiten am Döppersberg äußerst günstig. „Wir sind im Zeitplan, die Baukosten liegen im vorkalkulierten Rahmen“, so der für das Projekt zuständige Sprecher der Stadt Thomas Eiting.

Ungeachtet dessen scheiden sich an dieser Baustelle immer noch die Geister. Die Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes, herausragendes Projekt der Stadt und Region, wird vor der diesjährigen Oberbürgermeisterwahl zu einem politischen Zankapfel.

Der Ärger der Bürger sowie des Einzelhandels zum Thema Kosten, Gestaltung, Verkehrslenkung und Kommunikation ist unüberhörbar und verspricht einen vom Wahlkampf bestimmten überaus heißen Sommer. Jüngstes Beispiel sind Äußerungen innerhalb der SPD-Spitze, die trotz der bestehenden Kooperation mit der CDU die Verantwortung für das „Kommunikationsdesaster“ angeblich nicht übernehmen will. Der Döppersberg wird aber auch mit Sicherheit eines der Themen der Initiative Wuppertal 3.0 sein, einer Plattform für überparteiliche Bürgerideen. 

Dabei ist die städtebauliche und funktionale Aufwertung des gesamten Bahnhofsareals mit Anbindung an die Innenstadt ein Anliegen aller Beteiligten. Die bisher vom Verkehr dominierten Flächen sollen sich mit einem Aufwand von 140 Mio. Euro von einer ‘Schmuddelecke‘ zu einem belebten, beliebten und lebenswerten Viertel entwickeln, so die Planungen der Stadt. Einer Stadt die schon heute auf einem Schuldenberg von rund zwei Milliarden Euro sitzt. „Man kann sich dieses Bauvorhaben gar nicht leisten“, meint Andrea Defeld vom Bund der Steuerzahler und kritisierte in ihrem Schwarzbuch außerdem nicht eingerechnete Kosten. „Wir arbeiten an einer Minimallösung“ konterte Stadtsprecherin Martina Eckermann und fügt hinzu, dass man sich städtebaulich nicht total abhängen lassen dürfe.

Die Anmietung des Billiganbieters Primark bleibt der große Zankapfel

Klärungsbedarf gibt es wahrlich genug. Allein die Höhe der Baukosten sehen Leute in den Bürgerforen als „Mogelpackung“. Unternehmer Heinz Schmersal: „Die Fachwelt glaubt längst nicht mehr an die von der Stadt genannten 140 Mio. Euro Gesamtkosten, die werden deutlich überschritten.“ Lebhafte Proteste gibt es auch gegen die Ansiedlung der Billig-Modekette Primark, die nicht wenige als völlig ungeeignetes Aushängeschild für eine Stadt mit einer Textilindustriegeschichte wie Wuppertal sehen. An dieser Stelle fühlen sich die Verantwortlichen bei der Stadt zu Unrecht angegriffen. Klar ist nämlich, dass es zur Realisierung dieses Zukunftsprojektes eines Investors bedurfte. Deshalb hatte der Stadtrat in seiner Sondersitzung am 10. Februar diesen Jahres den Verkauf des Grundstückes am Döppersberg an den irischen Investor Signature Capital mit dem Ziel beschlossen, dort ein Geschäftshaus zu errichten.

Thomas Eiting: „Die Stadt kann Einzelhandel zulassen oder nicht, aber selbstverständlich können wir nicht entscheiden, welche Marke sich in Wuppertal niederlassen darf. Eine solche Entscheidung würde jedes Gericht sofort wieder kippen.“ Bis 2018 soll das Bauvorhaben nach dem Zeitplan abgeschlossen sein. In Kürze wird der Investor mit den Arbeiten an dem umstrittenen Geschäftshaus beginnen, welches entgegen der Ursprungsplanung auf Kosten eines Vorplatzes deutlich näher an die Publikumsströme rücken wird. Bleibt zu hoffen, dass ein Schmuckstück entsteht, mit dem dann doch alle leben können. Denn eines wird niemand bestreiten: So wie es war, konnte es nicht bleiben!

Max Jäger

 

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