Ein SB-Center der Stadtsparkasse Wuppertal auf Lichtscheid Ein SB-Center der Stadtsparkasse Wuppertal auf Lichtscheid Foto: Paul Coon

Geldautomat: Ein Stück Freiheit wurde 50

Der Geldautomat - ein Stück Freiheit - wurde 50 Jahre alt. Sparkassen-Chef Gunther Wölfges sieht ein emotionales Verhältnis zum Bargeld. Trend geht dennoch zum bargeldlosen Zahlungsverkehr.

Aus unserer Juli-Print-Ausgabe - Wuppertal, 11.07.2018 - In Deutschland geht die Zahl der Geldautomaten zurück. Waren es 2015 noch 61.000 Maschinen, gibt es nach Angaben der Kreditwirtschaft derer heute nur noch 58.400. Die Frage ist, ob diese Technologie also schon bald der Vergangenheit angehören könnte, zumal ja Tendenzen zur Abschaffung des Bargeldes zu verzeichnen sind.

1967 wurde der weltweit erste Geldausgabeautomat (ATM, Automated Teller Machine) in London installiert. In Deutschland wurde er vor genau 50 Jahren zum ersten Mal aufgestellt. Es war noch ein Monster, eine seltsame Maschine, die wie ein Tresor aussah. Erfunden haben soll ihn der Schotte John Sheppard-Barron, weil ihm seine Bank im Frühjahr 1965 vor seiner Nase die Tür zugeschlagen habe. Mit dem Geldautomaten ging eine Revolution im Bankwesen einher, die das Leben der Menschen veränderte. Bargeld verfügbar rund um die Uhr - fürwahr ein Stück Freiheit.

Anfangs hatte man noch den Verdacht, dass Geldautomaten vor allem von denen genutzt wurden, denen der persönliche Kontakt zum Bankmitarbeiter irgendwie peinlich sei, Glücksspieler etwa oder Prostituierte. Doch der Siegeszug der „GAA“, wie er in deutschen Fachkreisen genannt wird, war nicht aufzuhalten. Störfeuer kam indessen durch das globale Verbrechen sowie den dreisten Sprengungen der Automaten. Bis zu 25.000 € Kosten im Jahr verursachen sie, ohne dass direkte Einnahmen gegenüber stehen.

Eine Umfrage bei Wuppertaler Geldinstituten belegt indessen, dass für die Geldautomaten in Wuppertal durchaus noch eine positive Zukunft gesehen wird. So hat die Sparkasse Wuppertal ihre Zahl zuletzt sogar noch von 95 auf 97 erhöht. Sie sieht hier die Chance, mehr Zeit für die persönliche Beratung zu gewinnen.

Christina Hellwig von der Volksbank im Bergischen Land: „Für uns hat der Geldautomat nicht nur eine wichtige, sondern sogar eine zunehmende Bedeutung, da er nicht nur für die Auszahlung, sondern von Geschäftskunden auch für die Einzahlung von Geld genutzt wird.“

Sparkassen-Chef Günter Wölfges bestätigte das emotionale Verhältnis seiner Kunden zum Bargeld. „Deswegen werde der Geldautomat nicht so schnell an Bedeutung verlieren“, sagte er. Die Bargeld-Akzeptanz der Deutschen ist heute noch sehr hoch. Zugleich sieht man aber auch die wachsende Beliebtheit der Kartenzahlungen, wozu die Kontaktlos-Technologie und die Möglichkeit in immer mehr Supermärkten, Tankstellen und Läden zu bezahlen, beitrügen, so die Sparkasse.

Tatsächlich beobachtet der Einzelhandel die vermehrte Zahlung mit EC-Karten und hat hier bereits höhere Umsätze als mit Bargeld. Der einfache Zahlungsverkehr wird indes heute zu einem hohen Teil online oder mobil abgewickelt. Auch das Bezahlen mit dem Smartphone ist stark im Trend. Doch so schnell wird das Bargeld aus unserem Alltag nicht verschwinden, meint auch die Deutsche Bank: „Bargeld hat nämlich einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Smartphone: Keinen Akku, der leer werden kann!“

Zum Sicherheitsmerkmal der EC-Karte ist der Chip geworden und wird den Magnetstreifen in der nächsten Generation komplett ersetzen. Neue biometrische Technologien, wie zum Beispiel Fingerabdruck- oder Gesichtserkennung, um die Identität nachzuweisen, sind indessen in diesem Segment noch nicht geplant.

„Im Moment sind solche Technologien bei den Geldautomaten in Deutschland noch Zukunftsmusik. Wir stehen neuen Technologien aber grundsätzlich offen gegenüber“, sagen die angesprochenen Geldinstitute einhellig.

Für die Kreditkarte selbst hat das Unternehmen Mastercard ab April 2019 übrigens die Nutzung von Biometrie-Lösungen angekündigt, so dass hier neue Entwicklungen durchaus vorgezeichnet sein dürften.

Text: Siegfried Jähne

 

 

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