Mobbing nach der Operation Grafik: Benedikt Bergenthal

Mobbing nach der Operation

In seiner tierschen Kolumne "Paulchen zeigt Krallen" setzt sich unserer Redaktions-Kater mit dem Thema Krankheit und Vorsorge auseinander.

Aus unserer Juli-Print-Ausgabe - Wuppertal, 23.07.2018 - Nichts ist wichtiger als gutes Fressen und die Gesundheit. Das weiss ich sogar schon als junger vierjähriger Kater und vierbeiniger Kolumnist. Als Frauchen und Herrchen auf Norderney waren, hat Sohnemann Juli beim Streicheln einen Knubbel an meinem rechten Ohr ertastet.

Kaum war Frauchen zurück, hatte ich keine ruhige Minute mehr. Immer wieder schaute sie sich mein Ohr an und fühlte die Verdickung an meinem Lauscher regelmässig ab. Sie hat dann von einem möglichen Tumor geredet, mir wurde so langsam Angst und Bange. Eine OP hatte ich ja schon hinter mir. Da ging es auch um zwei Knubbel. Aber die waren nicht bösartig, sondern hätten höchstens für noch mehr Leben bei uns in der Bude sorgen können. 

Diesmal war es etwas ganz Anderes, etwas Ernstes, das spürte ich bis in die letzten Fellhaare. Ich kenne ja Frauchens Medizinerjargon inzwichen auch ganz gut. Sie telefonierten mit einer anderen Katzen-Mama, fragte einen befreundeten Tierarzt um Rat, recherchierte stundenlang mit ihrem iPad im Internet.

Und unser besorgtes Herrchen fragte immer wieder, ob es denn etwas Schlimmes sein könnte? Frauchen wirkte sehr besorgt. Und es kam noch schlimmer. Plötzlich fand ich mich in der engen Transport-Box wieder. Da half kein Strampeln und kein Miauen. Die Tierärztin schaute sich den Knubbel an meinem rechten Ohr an und meinte dann nachdenklich: "Der Sache gehen wir morgen um 10 Uhr auf den Grund."

Und denkt Euch: Ich arme Sau bekam 12 lange Stunden kein Futter. Dann ging es wieder ab in die Kiste und hinein ins rote Medimobil. Vor lauter Protest habe ich die ganze Zeit lang gejault. Und dann hat mir die Tierärztin eine Spritze in den Katzen-Popo gejagt. Und das alles ohne Frühstück. Schließlich bekam ich eine Knock-Out-Spritze und ich bin entschlummert. 

Als ich wieder wach wurde, herrschte um mich herum fast Party-Stimmung. Alle haben sich gefreut, dass der Knubbel kein bösartiger Tumor, sondern nur aus nach innen gewachsenen Fellhaaren bestand. Völlig harmlos!

Dennoch bekam ich einen Plastikkragen verpasst. Ich guckte regelrecht in die Röhre, konnte mich nicht orientieren und wurde von den Katzenmädels pausenlos gemobbt. Wie Hans-guck-in-die-Luft bin ich durch die Gegend gelaufen, habe wie ein "Alki" torkelnd jede Wand touschiert.

Bis Frauchen schließlich Mitleid bekam. Sie hatte immer noch die Befürchtung, ich wäre so blöd und würde mir die genähte Wunde selbst wieder aufkratzen. Sie unternahm noch einen letzten Versuch und schnitt in die erste Baby-Mütze ihres heute 19 Jahre alten Sohnes Löcher für meine Ohren hinein und setzte mir das Teil auf den Schädel. Mann, sah ich da bescheuert aus! Aber die Menschen halten uns Katzen wohl für ganz schön bekloppt. Aber keine 20 Sekunden später hing mir die Mütze wie ein Schlabberlatz vor der Brust.

Es folgte eine kleine Moralpredigt meines Frauchens, aber Baby-Mütze und Plastikkragen war ich von da an los. Eines habe ich jedenfalls aus der ganzen Sache für mein Kater-Leben gelernt: Man kann nicht früh genug zu Arzt gehen. Schreibt Euch das hinter die Ohren.

Bis bald

Euer Paulchen

 

 

 

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