Befallene Buchsbäume in einer Parkanlage in Gent (Belgien) Befallene Buchsbäume in einer Parkanlage in Gent (Belgien) Foto: Siegfried Jähne

Nimmersatte Raupe vernichtet Buchsbäume

Viele Gartenfreunde sind fassungslos. Eine nimmersatte Raupe vernichtete ihre Buchsbäume.

Aus unserer Oktober-Print-Ausgabe - Wuppertal, 09.10.2018 - Gartenfreude können es nicht fassen. Der heiße Sommer hat Schäden an ihren Buchsbäumen angerichtet, auf die viele nicht vorbereitet waren. Buchsbäume sind gerade wegen ihres dichten, immergrünen Blattwerks so beliebt und oft auch mit viel Liebe gestaltet.

Man denke nicht zuletzt an die vielen kleinen Vorgärten oder gar an elegante, oft kunstvoll mit Figuren hergerichteter Schlossgärten, die mit Buchsbäumen geformt wurde. Eine aus Asien eingewanderte nimmersatte Raupe hat den Bestand der Buchsbäume nahezu vernichtet und breitet sich ungestört aus.

Die Raupen des Buchsbaumzünslers - so heißt der Schädling - sind leuchtend grün und hungrig: Auf Buchsbäume, in deren dichten Blätterwerk die nimmersatte Raupe gut versteckt ist. Denn die Raupen, deren Eier der Falter ausschließlich an der Unterseite von Buchsbaumblättern ablegt, frisst sich vom Stamm im Inneren des Strauchs nach außen.

Unentdeckt konnte sich der Buchsbaumzünsler so vermehren und verbreiten. Bis zu fünf Zentimeter lang wird die gelbgrün bis dunkelgrün sowie schwarz und weiß gestreifte Raupe des ostasiatischen Kleinschmetterlings mit dem lateinischen Namen Cydalima perspectalis.

Natürliche Feinde hat der „Buchsbaumzünsler“ nicht. Nicht nur, weil sie den einheimischen Tieren fremd sind, sondern weil sie ihnen auch nicht schmecken: Im Gegenteil: "Der Buchsbaum ist giftig, deshalb wollen die Vögel nicht an die Raupen. Meisen wird es richtig schlecht, wenn sie die Raupen fressen“, sagt ein Fachmann. Experten sehen der Invasion ratlos zu. "Wir sind nicht in der Lage, die Massenverbreitung zu unterbinden", resignieren sie.

Vor zwölf Jahren hatte man diese Erscheinung zum ersten Male erlebt. Seitdem frisst sich der Buchsbaumzünsler durch Deutschland. Hier fühlt er sich wohl, kommt er doch aus ähnlichen klimatischen Verhältnissen. Ursprünglich stammt er aus Ostasien – aus Japan, China und Korea.

Eingeschleppt wurde er vermutlich über den Pflanzenhandel. Die ersten Raupen fielen rund um die Rheinhäfen Kehl und Weil am Rhein auf. Von dort eroberten die Schädlinge die gesamte Rheinebene und schwärmten immer weiter aus.

Auch in Österreich, der Schweiz, Frankreich und in den Niederlanden hat der Buchsbaumzünsler eine neue Heimat gefunden. Wo die Raupe zubeißt, sind die Schäden gewaltig. Er fällt nur den Buchsbaum an, den aber schonungslos: Zuerst werden die Blätter abgenagt, dann die Rinde bis aufs Holz. Alle Pflanzenteile oberhalb der angefallenen Stelle sterben ab. "Der Buchsbaumzünsler fällt wie eine Naturgewalt über den Buchsbaum her“. Weil sich die Raupen vom Bauminneren nach außen fressen, lässt sich ein Befall erst spät erkennen.

Sie kommen als weißen Falter mit schwarzen Saum und erreichen eine Flügelspannweite zwischen vier und fünf Zentimetern, sind rund 2,5 Zentimeter lang und sitzen auf der Unterseite von Blättern. Ihre Eier legen sie gezielt auf Buchsbäumen ab. Der Falter selbst lebt nur etwa acht Tage.

Doch etwa alle zwei Monate schlüpft eine neue Generation. Pro Jahr können so bis zu vier Generationen von Buchsbaumzünslern heranwachsen, deshalb konnte sich der Schädling hier innerhalb weniger Jahre so schnell vermehren. Die Buchsbäume haben immer viel mehr Larven als man sieht und Laien sehen sie immer zu spät.

Deshalb bleibt der Buchsbaumzünsler uns wohl erhalten, sofern der Buchsbaum demnächst überhaupt noch eine Chance hat. Immer mehr Gartenfreunde entscheiden sich gegen diesen eigentlich so beliebte Pflanze. Eine Option sind Eiben und kleinblättriger Ilex. Sie können als Ersatz für Buchs gepflanzt werden, so der Rat der Gärtner.

Text: Felix Rothermund

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