Bärbel Holl bei der Arbeit Bärbel Holl bei der Arbeit Foto: privat

Schädlingsbekämpferin Bärbel Holl kämpft gegen Vorurteile

Die Wupertalerin Bärbel Holl kämpft gegen Vorurteile bei der Schädlingsbekämpfung: „Vorsichtig sollten die Leute dann sein, wenn man mich nicht kennt.“

Aus unserer August-Print-Ausgabe - Wuppertal, 09.08.2018 - Wenn es ernst wird, will sie kaum einer kennen. Dabei ist sie ausgesprochen sympathisch und eloquent. Bärbel Holl (63) von Beruf Schädligsbekämpferin betreibt seit 20 Jahren die Firma „besto Hygienica“ mit Sitz am Barmer Loh, eines von 911 deutschen Unternehmen dieser Art. Im günstigsten Fall wurde sie schon augenzwinkernd mit „meine Kammersängerin“ vorgestellt.

Bärbel Holl hat ihren eigenen Weg gegen die Vorurteile gefunden. Sie dreht den Spieß um und betrachtet die Sache von einer anderen Seite: „Vorsichtig sollten die Leute sein, wenn man mich nicht kennt und nennt als Beispiel lächelnd die Inhaber von Gastronomiebetrieben. In diesen Fällen hat sie in erster Linie Ratten und Mäuse im Sinn. Aber auch sonst dürfte ihre Bekanntschaft eher zum Vorteil, denn zum Nachteil gereichen. Denkt man z.B. nur an jenen 50jährigen Herner Mitbürger, der in diesen Tagen nach einem Wespenangriff in seiner Kleingartenanlage verstarb, wird deutlich, was gemeint ist.

Die Angst, als unsauber zu gelten

Wie bei allen Tabu-Themen ist Wissen ist die beste Waffe gegen Vorurteile. Das weiß auch Bärbel Holl, eine ehemalige Werbeleiterin, die nach einer IHK-Ausbildung zur staatlich geprüften Schädlingsbekämpferin als Leiterin ihres Berufsverbandes auch Standespolitik macht und den Verein zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung angehört. Sie weiß, dass es die Angst ist, die die Menschen begleitet.

Die Angst gilt der Gefahr, als unsauber zu gelten, sobald sie oder einer ihrer Kollegen auftauchen. Dabei geht es um vorbeugenden Gesundheitsschutz, bei die Aufklärung hier mehr denn je Not tut. Ruhe bewahren, Problem erkannt, Problem gelöst, so die Devise. Visuelle Kontrollen gehören in der Praxis ebenso wie endoskopische Untersuchungen zum Standardhandwerk.

Wer in ein Wespennest sticht oder sich mit im Handel erhältlichen Sprühmittel zu helfen versuche, begebe sich in akute Lebensgefahr, wie nicht zuletzt das genannte Herner Beispiel gezeigt habe. Um die 1000 Wespen können auf Angriff übergehen. Im Ernstfall bedarf es einer entsprechenden Schutzausrüstung, um das Problem zu lösen, wobei bis zu 1000 € teure Umsiedlung oder Vernichtung nur die letzten Alternativen sein sollten.

Soweit brauche es indessen häufig gar nicht zu kommen, denn viele Wespenarten (Haus-Feldwespe) sind im Gegensatz zur „angriffslustigen deutschen Wespe“ eher harmloser Natur, mit denen man gefahrlos leben kann. Der Fachmann kann oft schon nach einer telefonischen Beschreibung Rat erteilen und die Situation entspannen. Dennoch gibt es Gartenbesitzer, die Bienen, Hummeln und Wespen umbringen, was verboten ist.

Nicht weniger schwierig stellt sich in der Praxis die Bekämpfung von Ratten dar, die aufgrund ihres Nagetriebes (Zähne wachsen ständig nach und müssen so gekürzt werden) massive Material- und Vorratsschädlinge sind. Ein Großteil der Tiere lebt im Kanal, aber die Beköderung dort gestaltet sich mittlerweile als kompliziert, da die vorgeschriebenen Köder nicht mit Wasser in Berührung kommen dürfen.

Für die gesamte Vorgehensweise in der Nagerbekämpfung gelten seit 2014 strenge Vorschriften: die RMMs (Risikominderungsmaßnahmen). Zu glauben, man könne die Nager ausrotten, sei nicht nur deshalb eine Illusion.

Bärbel Holl weiß: Wird nur eine Ratte vernichtet, erhöhen die anderen ihre Geburtenrate von üblicherweise fünf bis sechs auf 15 bis 18 Geburten. Ratten erlebten den Menschen nicht als Feind, so dass sie immer häufiger in dessen Lebensraum eindrängen. Gewarnt seien alle, die mit Vogelfutter umgehen, Ratten sind nämlich vom Ursprung her Körnerfresser und lieben dieses Futter besonders.

Skrupellose Geschäftemacher

Zu unterscheiden in der Schädlingsbekämpfung zwischen Gesundheits- und Vorratsschutz, Holz- und Bautenschutz sowie dem Pflanzenschutz. Bärbel Holl tritt für ein seriöses Berufsbild ein. Sie sieht, wie die Angst und Unwissenheit die Menschen nicht selten in die Arme skrupelloser Geschäftemacher treiben können und empfiehlt eine Beratung beim Fachmann. Die Preise sind moderater als viele denken; sie liegen je nach Einzelfall nur in der Nähe von 150 Euro.

Ein ganz anderes Thema sind ungebetene, oft lästige, aber unter Naturschutz oder Artenschutz stehende Gäste, wie Fledermäuse, Wiesel, Siebenschläfer und Waschbären, Marder oder dem Maulwurf, wenn sie Haus und Hof Besuche abstatten. Hier kann der Schädlingsbekämpfer in vielen Fällen beratend zur Seite stehen (z.B. Abwehrbleche gegen Waschbären und Marder am Fallrohr).

Ansonsten hilft es auch, sich beim Bund für Naturschutz (BUND) oder bei der Jagdbehörde zu erkundigen. Wer z.B. Fledermäuse oder Hornissen fängt, verletzt oder tötet, kann mit einem Bußgeld bis zu 50.000 Euro belegt werden, bei Mardern können es immerhin noch 5.000 Euro Buße sein.

Bei all diesen Themen geht es für Bärbel Holl um den völlig berechtigten Tier- und Artenschutz. Deshalb liegt ihr viel an einer veränderten öffentlichen Wahrnehmung ihres Berufsbildes. Ein Beruf, der seit 2004 ein Ausbildungsberuf mit männlicher Domäne geworden ist. Die Frauenquote liegt bei 2 v.H., eine Quote, die Bärbel Holl gerne nach oben korrigieren möchte. 

Text: Siegfried Jähne

 

Vita Bärbel Holl

Geboren 1955 in Wuppertal, aufgewachsen im Stadtteil Sudberg.
Ausbildung als Werbekauffrau. Ausbildung zur IHK geprüften Schädlingsbekämpferin. Als 1.Vorsitzende des Vereins zur Förderung ökologische Schädlingsbekämpfung e.V. (Berufsverband) macht sie auch Standespolitk ( wie Gesprächskreis Biozide im Umweltbundesamt in Berlin, Arbeitskreis Gefahrstoffe, Fachausschuss Rodentizidresistenz u.s.w.) und ist als Dozentin in der Ausbildung zum SBK an der DEULA Rheinland tätig. Ebenso ist sie seit über 20 Jahren Vorsitzende des Prüfungsausschusses bei der IHK Krefeld sowie Inhaberin der Firma Holl & Stockhausen GmbH.

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