Dr. Helga Rübsamen-Schaeff Dr. Helga Rübsamen-Schaeff Foto: Aicuris

Start Me Up: Große Zahlen – Großes Risiko

Wuppertal ist innovativ. So wie vor 150 Jahren die Gründerzeit das Bergische Land zur Blüte brachte, sind heute wieder zahlreiche Gründerunternehmen in der Stadt aktiv. Startup heißt das nun, gemeint ist aber dasselbe wie damals: Neue Unternehmen gründen, kreativ sein, Arbeitsplätze schaffen.

Aus unserer September-Print-Ausgabe - Wuppertal, 12.09.2018 - In seiner Rubrik "Start Me Up" stellt der bekennende Wuppertaler und Botschafter seiner Stadt, Markus von Blomberg, regelmäßig Neugründungen vor.

Große Zahlen – Großes Risiko

Nicht immer beginnen Startups in einer Garage. Manchmal entstehen neue Ideen in einem Labor in einem großen Konzern, drohen aber im Gewühl der Sachzwänge, Genehmigungsabläufe und Firmenhierarchien verloren zu gehen. Oder ein Konzern interessiert sich einfach nicht mehr für das Gebiet. So auch in Wuppertal. 

Helga Rübsamen Schaeff ist überzeugte Wuppertal-Botschafterin und wirbt, wo sie kann, für die Vorzüge der Stadt mit der Schwebebahn. Außerdem – und darum geht es hier - ist sie anerkannte Expertin auf dem Gebiet der Erforschung von Viren und Infektionskrankheiten. Und sie war immer überzeugt davon, dass es gelingen kann, bahnbrechende Entwicklungen auf ihrem Gebiet zum Erfolg zu führen.

Nur, der berühmte Wuppertaler Konzern, bei dem sie beschäftigt war, hatte beschlossen, gerade diesen Forschungsbereich aufzugeben.

Genau da setzt nun Unternehmertum an und die Geburtsstunde eines Startups. Helga Rübsamen-Schaeff hatte die perfekte Idee, aber ein kleines Problem: für die Umsetzung brauchte sie nicht weniger als 20 Millionen Euro. Jedes Jahr! Und das auf einem Forschungsfeld, wo Misserfolg und Durchbruch nah beieinander liegen. Selbst wenn dann wissenschaftlich vielversprechende Ergebnisse erzielt werden, ist der Weg noch weit.

Helga Rübsamen-Schaeff weiss es nur zu genau: „Zwischen einem Erfolg im Labor und einem zugelassenen Medikament liegen Welten!“

Wer Startups begleitet, merkt rasch, dass die Idee nur ein Teil des Erfolgs ist, ein wichtiger zwar, aber doch nicht alles. Vielmehr macht das Startup-Team, seine innere Motivation, seine Überzeugungskraft und sein Mut, auch bei widrigen Entwicklungen immer wieder nach Lösungen zu suchen, den eigentlichen Unterschied aus.

Helga Rübsamen-Schaeff machte sich an die Arbeit. Die Herauslösung einer Mannschaft aus dem Konzern, die Neugründung und vor allem die Finanzierung des Weges ins Ungewisse forderten ihr alles ab. „Ich musste eine Vision entwickeln, an sie glauben, dafür arbeiten und auch kämpfen. Es war die schwierigste Zeit in meinem beruflichen Leben, aber ich hatte auch tolle Mitarbeiter, die diesen Weg mit mir gingen.“

Wissen brachte sie ohne Zweifel mit: promoviert bereits mit 24 Jahren, Harvard-Studien, wertvolle Forscherjahre und Leitungsfunktionen, all dies empfahl sie als fachliche Expertin. Aber letztlich war es dann doch die persönliche Überzeugungskraft, der Unternehmergeist, ihre unkompliziert geradlinige Art, ihr Charakter eben, der dazu führte, dass sie Geldgeber fand, die ein derartig riskantes Abenteuer zu begleiten bereit waren.

Heute steht fest: die Investoren werden ihre Bereitschaft, Millionen in ein Experiment zu stecken, nicht bereut haben. Die Zulassung eines ersten Medikamentes in den USA, in Europa und anderen Ländern sowie Perspektiven für weitere Durchbrüche gegen Infektionskrankheiten sind Lohn für eine Arbeit, die Helga Rübsamen Schaeff mittlerweile als Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats geniessen kann.

Wer nun denkt, dass mit dem Erfolg auch gleich eine neue Frau Zuckerberg oder Gates oder Jobs geboren wurde, der muss leider enttäuscht werden. Große Investitionen gleich zu Beginn einer Geschäftsidee bieten den Gründern eben nicht die Chance, zunächst in ihrer Garage mit kleinem Geld große Unternehmenswerte zu schaffen.

Für Helga Rübsamen-Schaeff ist die große Yacht im Mittelmeer aber nie ein spannendes Ziel gewesen. Viel wichtiger ist ihr „Spaß an meinem Beruf, daran, Dinge zu gestalten. Ich bin immer meinen Neigungen gefolgt, war aber auch immer bereit, hart zu arbeiten und ungewöhnliche Wege zu gehen.“

Zugleich bleibt der Stolz auf das Erreichte. Ohne ihre Hartnäckigkeit und ihren festen Glauben an den Erfolg ihres Unternehmens hätte die Professorin der Biochemie und Wuppertal-Botschafterin niemals so viel Geld für ihre Idee einsammeln können.

Das Unternehmen wäre schlicht nicht entstanden.

Ihr Markus von Blomberg

 

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