War bisher viermal "Rektor des Jahres": Port. Dr. Lambert T. Koch War bisher viermal "Rektor des Jahres": Port. Dr. Lambert T. Koch Foto: Dirk Sengotta

Wuppertal Botschafter Prof. Koch: 'Liebe auf den 2. Blick'

"Es war Liebe auf den zweiten Blick", das gibt Uni-Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch heute gern zu. Denn inzwischen ist seine Beziehung zu Wuppertal sehr innig geworden. Lesen Sie hier den 2. Teil der Serie "Wuppertal Botschafter".

Wuppertal 28.05.2019 - Es hat nicht gleich gefunkt. Es war eher eine Liebe auf den zweiten oder dritten Blick. Doch längst ist aus einer flüchtigen Bekanntschaft tiefe Zuneigung geworden. Prof. Dr. Lambert T. Koch, Rektor der Bergischen Universität, fühlt sich in seiner neuen Heimatstadt Wuppertal längst zuhause. Der Ökonom und seine Ehefrau Carola nehmen engagiert und voller Überzeugung am gesellschaftlichen Leben teil.

Als „Wuppertal-Botschafter“ ist der 53jährige ein gefragter Ideengeber. Sein exzellenter Ruf in der deutschen Hochschul-Landschaft strahlt auch auf die Bergische Universität aus. 2011 - 2014 - 2017 und 2019 wurde er vom Deutschen Hochschulverband zum "Rektor des Jahres" gewählt. 23.000 Studierende haben sich für das Wintersemester 2018/19 eingeschrieben. Rekord!

Wie sehr sich Prof. Dr. Lambert T. Koch mit seiner Wahl-Heimatstadt Wuppertal identifiziert, hat er in Interviews immer wieder hervorgehoben. Hier einige Auszüge.

DS: Sie stammen aus der Nähe von Darmstadt, sind in Würzburg aufgewachsen. Inzwischen sind Sie sogar „Wuppertal - Botschafter“. Wie sehr fühlen Sie sich als Wuppertaler?

Prof. Dr. Lambert T. Koch: „Die Stadt ist mir sehr ans Herz gewachsen. Und ich verwende das Wörtchen „sehr“ bewusst. Vorangegangen ist ein Prozess über nunmehr 15 Jahre. Dabei spielt eine wichtige Rolle, dass auch meine Frau sich in Wuppertal sehr wohl fühlt, dass zwei meiner drei Kinder hier geboren wurden und wir uns mittlerweile das gesamte gesellschaftliche Leben erschlossen haben. Als Familie mit vielen Interessen und Engagements lernt man eine Stadt natürlich ganz anders kennen, als wenn man dort nur seinen Arbeits-platz hat. Bei mir steht dahinter die Grundüberzeugung, dass es viel einfacher ist, ein neues Lebensumfeld schätzen zu lernen, wenn man sich über den dienstlichen Kontext hinaus einbringt – mit seinen Kompetenzen und aller Leidenschaft. Das ist im doppelten Sinne positiv, einmal für einen selbst und dann auch, weil man der neuen Heimatstadt an der einen oder anderen Stelle etwas zurückgeben kann. Ich bin im Übrigen gleich zu Beginn meiner beruflichen Tätigkeit in Wuppertal hierher gezogen, weil ich nicht – wie in früheren Stadien meines Lebens – pendeln wollte. Außerdem wollte ich so ein Vorbild für die Studierenden sein. Ich kann doch nicht sagen: ‚Zieht in diese schöne Stadt‘, wohne aber selbst außerhalb.“

DS: Also war es keine Pflichtübung für Sie, „Wuppertal-Botschafter“ zu werden?

Prof. Dr. Koch: „Nein! Ich mache das aus voller Überzeugung. Natürlich ist Wuppertal eine Stadt, die erst entdeckt werden will. Man muss zunächst ein paar Vorhänge aufziehen. Es gibt mehrere Kulissen mit Tiefenwirkung. Mit der Zeit erkennt man dann immer mehr Feinheiten und Liebenswertes an diesem Ort. Eine solche Wachstumsbeziehung hat durchaus etwas Charmantes. Ja, es gibt diese Hochglanzstädte, in denen sich alles sofort in harmonischer Eleganz präsentiert. Aber das erinnert mich bisweilen an die Models in den Katalogen, die man nach dem Wegblättern schon wieder vergessen hat. Es ist sicher eine ganz besondere Attraktivität an Wuppertal, dass man immer wieder etwas Neues, Zusätzliches, Feinsinniges entdeckt und einem die Stadt so Schritt für Schritt ans Herz wächst.“

DS: Können Sie sich eigentlich noch an Ihren ersten Besuch in Wuppertal erinnern?

Prof. Dr. Koch: „Natürlich. Ich war 1999 zum Bewerbungsgespräch eingeladen und musste einen Probevortrag halten. Unter Professoren wird das salopp ‚Vorsingen‘ genannt. Meine Frau Carola begleitete mich nach Wuppertal. Wir waren beide noch nie hier gewesen. Wir nahmen die Ausfahrt Katernberg und fuhren die schöne Einfallstraße Richtung Elberfeld hinunter. Das Wetter war gut, die Sonne schien, überall schaute das Grün zwischen den Häusern durch und ich dachte mir: ‚Gar nicht so schlecht‘.“

DS: Die Bergische Uni hat in der Außenwirkung eine wesent ich höhere Strahlkraft als die Stadt Wuppertal an sich. Ist das eine Genugtuung für Sie?

Prof. Dr. Koch: „So würde ich das nicht sehen. Die Stadt Wuppertal selbst besitzt durchaus auch eine große Strahlkraft, wenn ich nur die Alleinstellungsmerkmale nenne, die jeder kennt, die Schwebebahn, das Pina-Bausch-Tanztheater, Tony Craggs Skulpturenpark oder das Sinfonie-Orchester. Natürlich freue ich mich, dass die Universität in den letzten Jahren viel an Attraktivität gewonnen hat und ihren Teil zum Imagegewinn beiträgt. Dieser Erfolg ist ganz überwiegend den Menschen zu verdanken, die bei uns arbeiten. Sie vermehren die Reputation unserer Hochschule im In- und Aus- land. Und das mit viel mehr Begeisterung und Wirkung als noch vor Jahren. So hängt die Strahlkraft u.a. mit großartigen internationalen Forschungsprojekten zusammen, an denen wir beteiligt sind. Beispielweise erforschen wir die genauere Herkunft von Kleinstteilchen aus dem Weltraum oder auch die Entstehung von ‚Schwarzen Löchern‘. Aber auch in vielen anderen Bereichen entstehen spannende internationale Kontakte. Es macht einen stolz zu sehen, dass unsere Kompetenzen auf der ganzen Welt gefragt sind.“

DS: Wuppertal – in der Welt geachtet, in Deutschland als Pleitestadt verschrien?

Prof Dr. Koch: „Das Bild, das in Deutschland häufig von Wuppertal vermittelt wird, finde ich vereinfacht gesagt ungerecht. Da kommt bei mir durchaus Emotionalität auf. Natürlich wurde in den vergangenen Jahrzehnten nicht alles richtig gemacht, natürlich gab es einen längeren Stillstand, natürlich ist der Schuldenberg hoch. Doch sind die Zeiten der großen Skandale längst vorbei und es zeigt sich schon seit einigen Jahren eine tolle Aufwärtsentwicklung, die einfach noch nicht ausreichend wahrgenommen wird. Irgendwie klebt das alte Image wie ein Stigma an uns.“

DS: Was macht Wuppertal als Studierendenstadt aus?

Prof. Lambert T. Koch: "Die Rheinische Post hat einmal geschrieben: 'Wuppertal, der Geheimtipp unter den Universitäten in NRW'. Ich glaube, dass wir mittlerweile sogar mehr als ein Geheimtipp sind. Das Gute ist, dass wir trotz der knapp 23.000 Studierenden gefühlt keine Massen-Universität, sondern immer noch eine Universität der persönlichen Begegnung sind. Wir verfügen über ein modernes Fächerspektrum und haben eine hohe Qualität in Lehre, Forschung und Transfer. Außerdem können wir eine wunderbar grüne Umgebung bieten, in der sich sehr gut wohnen lässt. Nicht zuletzt verfügen wir über das bereits erwähnte, breitgefächerte Freizeitangebot."

 

Vita

Prof. Dr. Lambert T. Koch wurde am 23.07.1965 in Hering bei Darmstadt geboren. Seine Jugend („Von der Windel bis zum Abitur“, O-Ton Prof. Dr. Koch) verbrachte der Sohn eines Theologie-Professors in Würzburg.

Nach dem Abitur ging er zwei Jahre lang als Reserve-Offizier zur Bundeswehr. Anschließend studierte er an den Universitäten Mainz und Würzburg Volkswirtschaftslehre. In Würzburg begann er dann seine Promotion, schloss diese an der Uni Jena ab und habilitierte sich dort auch.

Im jungen Alter von 33 Jahren erreichte ihn der Ruf der Bergischen Universität. Hier besetzte der Ökonom einen Lehrstuhl, der sich schwerpunktmäßig mit den Themen Unternehmertum, Gründung und wirtschaftliche Entwicklung beschäftigt. 2005 wurde er Dekan der heutigen Schumpeter School of Business and Economics. Gastprofessuren führten ihn nach Cleveland (USA) sowie regelmäßig nach Klagenfurt (Österreich) und Kosice (Slowakei).

Seit 2008 ist Professor Koch Rektor der Bergischen Universität. Mit seiner Ehefrau Carola, einer Diplomingenieurin im Bereich Bekleidungs-Technik, hat er drei Kinder. Die Hobbies des Wahl-Wuppertalers, dessen Herz gleichermaßen für Bayern München und den Wuppertal SV schlägt, liegen in den Bereichen Musik und Sport.

Neben vielen anderen Auszeichnungen wurde er 2011, 2014, 2017 und 2019 vom Deutschen Hochsculverband zum "Rektor des Jahres" gewählt.

Text: Peter Pionke

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