Autodesigner Erich Bitter mit der bekannten Wuppertaler Unternehmerin Barbara Neusel-Munkenbeck Autodesigner Erich Bitter mit der bekannten Wuppertaler Unternehmerin Barbara Neusel-Munkenbeck Foto: privat

Autodesigner Bitter gibt auch mit 85 noch Vollgas

Autodesigner Erich Bitter gibt auch mit 85 Jahren immer noch Vollgas! Viele Promis fahren auf seine umgestylten Opel-Karossen ab.

Aus unserer Oktober-Print-Ausgabe - Wuppertal, 10.10.2018 - Er führt buchstäblich ein bewegtes Leben auf der Überholspur und gibt auch mit 85 Jahren immer noch Vollgas. Erich Bitter, ein Gentleman und bergischer Tausendsassa. Der gebürtige Schwelmer war Rad-Profi und Automobilrennfahrer. Aber auch als Skifahrer und Dressurreiter bewies er Talent und schließlich erreichter er bei über 30 Marathonläufen das Ziel.

Heute ist er immer noch ein erfolgreicher Unternehmer und sehr gefragter Autodesigner. Und auch privat legte Erich Bitter einige Boxenstopps ein. Mit Gisela, Ehefrau Nummer vier, ist er jetzt am Ziel angekommen. Beide genießen ihr gemeinsames Glück in vollen Zügen.

Sein Vater besaß mehrere Fahrrad-Geschäfte. Irgendwann saß Erich selbst auf dem Sattel und trat noch als Amateur so erfolgreich in die Pedale, dass er die Schule nach der Mittleren Reife verließ, um Rad-Profi zu werden. Mit 21 Jahren war er der jüngste deutsche Berufsradrennfahrer. Als „Wasserträger“ verhalf er deutschen Radstars wie Hennes Junkermann und Klaus Bugdahl zu Siegen.

Das reichte dem ehrgeizigen Erich auf Dauer aber nicht: „Ich musste immer dafür sorgen, dass der Hennes genug zu trinken hatte. Notfalls musste ich ihm sogar meine eigene Wasserflasche geben. 1958 habe ich dann wegen eines Herzschadens meine Rad-Karriere beendet. Ich muss ehrlicherweise auch zugeben, dass es für ganz vorne nicht gereicht hat.“

Erich Bitter vertauschte den Fahrrad-Lenker mit dem Auto-Lenkrad und setzte in Zukunft auf PS. Er fuhr von 1959 bis 1968 sehr erfolgreich Automobil-Rundstrecken- und Langstreckenrennen. Er saß u.a. hinter dem Gaspedal von Saab, Volvo, Porsche, Ferrari, Jaguar, Lamborghini, Mercedes, Opel und Abarth.

1965 raste er mit seinem Abarth bei der deutschen Rundstreckenmeisterschaft sogar auf Platz drei. Das war die Sonnenseite seiner Karriere als Autorennfahrer. Aber Erich Bitter benötigte bei drei schweren Unfällen auch die volle Unterstützung seines Schutzengels.

Sein dritter Crash war besonders dramatisch. Beim 1.000-km-Rennen 1969 auf dem Nürburgring prallte auf der berüchtigten Nordschleife im Streckenabschnitt am Brünnchen in die Leitplanken und wurde von dort mit seinem Renner mehrere Meter hoch gegen einen Baum geschleudert. Sein Flitzer fing sofort Feuer. Erich Bitter überlebte den Unfall. Aber verstand das als Wink des Schicksals und wollte sein Glück nicht weiter herausfordern. Schluss mit dem Rennsport!

Schnelle Autos mit vielen Pferdestärke blieben aber weiterhin seine große Leidenschaft. Sein neuer Auto-Job war aber wesentlich ungefährlicher, aber mindestens genauso spektakulär. Erich Bitter gab fortan Vollgas als Autodesigner. Promis wie die Ski-Stars Rosi Mittermaier, Christian Neureuther oder Bernhard Russi und Sänger Howard Carpendale („Hello Again“) fahren auf seine gestylten und frisierten Karrossen ab.

Auch die Wuppertaler Beerdigungs-Unternehmerin Barbara Neusel-Munkenbeck und Ehemann Friedrich gönnten sich ein Auto aus der Bitter-Schmiede - einen umgestylten Bitter-Mokka. Rund 1.500 liebevoll designte ‚Bitters‘ hat er inzwischen ausgeliefert. Teilweise ließ er seine „Rohlinge“ sogar aus Australien anliefern.

Der geniale Autobauer und Freund der Familie Porsche gestaltet fast ausschließlich Autos aus dem Hause Opel um - eigentlich ja nicht die ganz große Traummarke der Auto-Liebhaber. Erich Bitter erklärt das so: „Ich habe mit Opel einen ganz tollen Deal abgeschlossen. Ich darf jedes Modell so umgestalten, wie ich es möchte. Das wäre bei keiner anderen Automarke möglich. So konnte ich auch mein Erfolgs-Modell Bitter-Insignia gestalten.“

In der Autobranche genießt der Erich Bitter einen exzellenten Ruf. 2013 wurde er von „Autobild“ bei der Wahl „Das goldene Klassik-Lenkrad“ in der Kategorie „Person des Jahres“ nominiert.

Vor wenigen Wochen feierte er mit vielen Freunden, seiner Gisela und seinen drei Töchtern den 85. Geburtstag im Schwelmer Hotel Fritz am Brunnen. Besonders freute sich Erich Bitter über die Glückwünsche und das Kompliment von Howard Carpendale. Der quicklebendige Schwelmer stolz: „Howie hat zu mir gesagt: ‚Ich habe immer gedacht, ich wäre älter als Du, aber das ist ja gar nicht der Fall. Da hast Du Dich aber gut gehalten.“

Erich Bitter denkt nicht im Traum daran, jetzt wegen seines Alters einen oder zwei Gänge zurück zu schalten oder sogar auf die Bremse zu treten. Er steht noch regelmäßig als Tüftler in seiner Werkstatt oder reist als gefragter Experte durch die Weltgeschichte. So ist er auch Berater des Elektro-Auto-Entwicklers „e.GO“ in Aachen.

Unterstützung erhält er jetzt nicht nur von Ehefrau Gisela, die ihm als Managerin den Rücken frei hält, sondern auch von seinem Neffen Marcus Bitter, der das neue Bitter-Autohaus in Metzingen führen wird, das im Mai 2019 eröffnet wird.

Erich Bitter hat noch jede Menge Pläne, denn sein Motto lautet: „Wenn man keine Pläne mehr hat, ist man alt.“ Sein Hobby, die Malerei, kommt inzwischen viel zu kurz. Aber auch so ist das Leben des liebenswürdigen Teufelskerls Erich Bitter beileibe bunt genug…

Text: Peter Pionke

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