Dr. Mathias Hesseling bei einer Laparoskopie Dr. Mathias Hesseling bei einer Laparoskopie Foto: privat

„Wer die Verzweiflung bei Kinderlosigkeit erlebt"

Im 4. Teil unserer Serie "Spitzenmedizin in Wuppertal" stellen wir Dr. Mathias Hesseling, Facharzt für Frauenheilkunde, vor: „Wer die Verzweiflung bei Kinderlosigkeit erlebt, kommt zu anderen Ergebnissen…“

Aus unserer Juni-Print-Ausgabe - Wuppertal, 08.06.2018 - Er wurde vom Nachrichtenmagazin Focus in der Ärzteliste 2018 genannt. Zusammen mit Prof. Dr. Jürgen Hucke ist Dr. Mathias Hesseling damit der einzige Frauenarzt aus dem gesamten Bergischen Land, dem diese Auszeichnung widerfuhr. Damit zählen die beiden „Medizinmänner“ aus dem hiesigen Bethesda Agaplesion Krankenhaus fraglos zu den bundesweiten Top-Medizinern.

Allein in Wuppertal gibt es 60 Frauenärzte, die große Mehrheit in den Foren mit guten Bewertungen. Was aber macht den Unterschied aus? Dr. Matthias Hesseling: „Zuerst gilt festzuhalten, dass „Focus-Magazin“ den Fokus auf den Bereich der gynäkologischen Operationen legte, womit der Kreis der Akteure schon von vorne herein eingegrenzt war“. Dennoch bleibt die Frage nach dem ganz Besonderen, was das Fachmagazin hier zu der herausragenden Bewertung kommen ließ.

Auch hier zeigt sich Dr. Hesseling eher bescheiden. Er drehe gar nicht am großen gynäkologischen Rad, sondern beschränke sich auf ganz wenige Teilbereiche seiner Sparte. Doch genau hierin liegt ganz offenbar eines seiner Erfolgsgeheimnisse. Er nennt die endoskopischen Operationen (auch Schlüsselloch oder auch Knopflochchirurgie genannt), die er gemeinsam mit Dr. Rainer Max Heinz im Jahr bis zu 700 mal durchführe, was sich in ihrem Berufsleben auf satte 40.000 Operationen summiert.

Hier wird der operative Zugang durch 5 bis 10 mm kleine Löcher vorgenommen. Meist geht es in seiner medizinischen Praxis, die sich „Zentrum für minimal-invasive und ambulante Gynäkologie“ ( ZAG) nennt, um Behandlung von Unterbauchbeschwerden, Therapie der Endometriose (Gebärmutterschleimhautgewebe), Zysten, Myomen- (gutartige Tumore) oder Gebärmutterentfernungen. Die Spezialisierung und die Mengen sind sicher wichtige Kriterien. Doch dass allein dürfte kaum reichen, um bundesweites Aufsehen zu erregen.

Erst auf unsere bohrenden Nachfragen nennt Dr. Hesseling weitere Details seiner Arbeit. So tritt er vor Fachkollegen bei Kongressen als Referent auf und bietet zusätzlich Kollegen in Workshops Einblicke in seine Arbeit. Hieraus resultieren bundesweite Empfehlungen, so dass sich bei ihm Patienten aus ganz Deutschland einfinden. Auf diese Weise kommt er auch in Kontakt mit seltenen Krankheitsbildern. Als Beispiel nannte er uns die Tuberkulose in der Bauchhöhle, die bei uns erst durch die Zuwanderung wieder in Erscheinung getreten ist und nur schwer zu diagnostizieren sei.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Diagnostizierung bei Kinderlosigkeit, die multifaktorielle Ursachen haben kann. Fertilitäts-Zentren (Kinderwunsch-Zentren) aus ganz Deutschland schicken ihm Patienten. Dabei geht es häufig um die Abklärung der Frage, ob ein Eileiterverschluss vorliegt sowie deren Operations-und Erfolgschancen. Schon in dieser Phase kann vielen Patientinnen geholfen werden, auch weil die Ursachen für Kinderlosigkeit zu 50 Prozent beim Mann lägen, so Dr. Hesseling. Nicht selten ist die künstliche Befruchtung dann ein Thema, nicht dagegen die in Deutschland aus ethischen Gründen verbotene Eizellspende.

Meist läuft den Frauen die Zeit davon, das Zeitfenster für Interventionen wird schnell immer kleiner. Dr. Matthias Hesseling, Vater einer inzwischen 24jährigen Tochter namens Felicitas, kann sich in die Thematik nur zu gut hineinversetzen. „Ich kann die ethische Diskussion in Deutschland wohl verstehen, doch wer die Verzweiflung der Frauen sieht, kommt zu einem anderen Ergebnis. Kinderlosigkeit setzt hier mächtige Antriebskräfte in Bewegung. Oft wird zwangsläufig der Weg ins benachbarte Ausland gesucht. Wenn Eizellen zum Verkauf angeboten werden, wird dieses Thema dann allerdings auch ein kommerzielles.“

Dr. Hesseling ist Wuppertaler. Er studierte Medizin in Münster und hatte schon früh Kontakt zum Lehrkrankenhaus Bethesda Wuppertal, in dem er auch seine erste Anstellung fand und wo er 1989 bereits Oberarzt war, ehe er als Nachfolger von Dr. Stockhausen Chefarzt im Barmer St. Petrus Krankenhaus wurde. Als die Gynäkologie an Helios verkauft wurde, kehrte er vor zwei Jahren zu seinen Ursprüngen zurück und folgte mit Dr. Heitz und seinem Team 2016 dem Ruf von Professor Hucke ins Elberfelder Bethesda.

Privat widmet er sich leidenschaftlich der Fotografie und nicht zuletzt seinem Oldtimer aus dem Jahre 1987, mit dem er inzwischen 400.000 km gefahren ist.

Text: Siegfried Jähne

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