Prof. Dr. Jürgen Hucke Prof. Dr. Jürgen Hucke Foto: Agaplesion Bethesda

Chinesischer Dammbruch hat Folgen für die Weltmedizin

Der chinesische Dammbruch wird Folgen für die Weltmedizin haben - davon ist Prof. Dr. Jürgen Hucke, den wir diesmal in unserer Serie "Spitzenmedizin in Wuppertal" vorstellen, überzeugt. Das Thema „Kinderwunsch“ ist auch in Wuppertal täglich präsent.

Aus unserer Dezember-Print-Ausgabe - Wuppertal, 11.12.218 - Wer in diesen Tagen auf einen Experten der Frauenheilkunde trifft, ist versucht über He Jiankui zu sprechen. Es ist jener chinesische Forscher, der mit gentechnisch verändertem Erbgut in diesen Tagen einen Tabu-Bruch wagte und damit die gefürchtete Schwelle zum „Designer-Baby“ überschritt. Ein bewegendes Thema für Wissenschaftler, Ethiker und Politiker. So auch für den Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Wuppertaler Agaplesion Bethesda Krankenhaus, Prof. Dr. Jürgen Hucke (61). Er sieht hier den Anfang einer Entwicklung, die nicht mehr aufzuhalten sein wird. Der Dammbruch sei vollzogen. Daran ändere auch nicht die Aufregung aus Pekinger Regierungskreisen, die von einer möglichen Gesetzesüberschreitung sprachen und Untersuchungen ankündigten.

Es ist ein Thema, das in Deutschland aus gutem Grunde sehr defensiv behandelt werde und mit dem man sich in konfessionellen Häusern wie dem „Bethesda“ sehr kritisch auseinander setze. Das Thema „Kinderwunsch“ ist hingegen auch hier täglich präsent und findet in ganz verschiedenen Facetten seinen Ausdruck.

Professor Hucke gehört zu den Spitzenmedizinern, die im „Focus Gesundheit“ aufgelistet und im Bereich gynäkologischer Operationen deutschlandweit Auszeichnung findet und nicht ganz von ungefähr Patientinnen aus Nah und Fern anzieht. Bei unserem Interview zeigt er uns das Foto eines kürzlich geborenen Jungen, begleitet von einer begeisterten Danksagung der Mutter: Es war eine Geburt nach einer erfolgreichen Gebärmutter-Operation mit Entfernung von 33 Myomknoten.

Nicht ohne Stolz berichtete der Chefarzt von einer Steigerung der Geburtenzahl in seinem Hause. Hatte man vor einigen Jahren etwa 640 Entbindungen, waren es im abgelaufenem Jahr 1056 Geburten. Ein Anstieg, der viele Ursachen haben dürfte. Da ist der neue Kreißsaal, auf den man lange gewartet habe, da ist aber auch ein funktionierendes Team, das von Prof. Hucke geleitet, ansonsten aber ausschließlich weiblich besetzt und von 12 Ärztinnen geführt wird. Mussten andere Kliniken wie etwa in Düsseldorf-Gerresheim ihre Geburtenstationen wegen Mangel an Hebammen temporär schließen, so gibt es im „Bethesda“ noch einen guten Zulauf. Hebammen, die hier nicht nur das gute Arbeitsklima sondern ganz offensichtlich auch das ihnen eingeräumte Mitspracherecht zu schätzen wissen. Stolz ist Hucke auch, dass es in seinem Hause mit es in seiner Abteilung mit nur 24 Prozent weit weniger Kaiserschnittgeburten als im bundesweiten Trend (33 v.H.) gibt.

Prof. Dr. Jürgen Huckes fachlicher und wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt in den endoskopischen Operationen, wo er national und auch international einen besonderen Ruf genießt. Zu diesem Thema hat er auch ein Lehrbuch veröffentlicht und war zeitweise Präsident der deutschen gynäkologisch-endoskopischen Gesellschaft. Er hat Zusatzqualifikationen für Gynäkologische Onkologie, spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin, Endokrinologie und Reproduktionsmedizin und verfügt mit einer entsprechenden Zertifizierung (MIC III) über den höchstmöglichen Qualitätsnachweis im Bereich der Gynäkologischen Endoskopie.

Zu seinem Fachgebiet gehört auch das „Kooperative Brustzentrum“, das in Wuppertal gemeinsam mit der Frauenklinik des Helios betrieben wird. Bethesda behandelt hier allein mehr als 200 Brustkrebs-Neuerkrankungen im Jahr.

Das Agaplesion Bethesda Krankenhaus ist das Lehrkrankenhaus der RWTH Aachen. Darüber hinaus kommt es auch zur Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Uni, zu der Hucke aufgrund seiner eigenen Ausbildung und als Mitglied der Fakultät noch immer gute Kontakte pflegt.

Ursprünglich stammt der Mediziner, der seinen Wohnsitz auf den südlichen Höhen Wuppertals hat, aus Mönchengladbach. Auch wenn er von der zunehmenden Kommerzialisierung im Fußballsport enttäuscht ist, hegt er dennoch eine Sympathie für den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach und verfolgt mit Interesse die aktuelle Entwicklung des zu diesem Zeitpunkt Tabellenzweiten. Für eine eigene sportliche Betätigung fehle ihm die Zeit, über ausgedehnte Spaziergänge komme er kaum hinaus. Da gebe es auch keinen Raum für ausgedehnte Hobbies.

“Mein Beruf als Arzt übe ich mit Leidenschaft aus, er fordert mich auch zeitlich ganz“, sagt er. Und so verwundert es nicht, wenn er zu seinen Zukunftsplänen sagt, dass er gerne noch fünf Jahre arbeiten wolle. Aber auch für die Zeit danach sieht er noch reichlich Betätigungsfelder in seinem beruflichen Umfeld, wenn auch dann nicht mehr mit der gleichen Intensität wir heute.

Text: Siegfried Jähne

Hofaue 75 | 42103 Wuppertal
| 0202 75 89 03-30
| Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!