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HELIOS gründet Zentrum für asbestbedingte Erkrankungen

Mehrere Fachabteilungen des HELIOS Universitätsklinikums Wuppertal – Universität Witten/Herdecke haben sich zusammengeschlossen, um ein Kompetenzzentrum für Erkrankungen zu schaffen, die von Asbest verursacht werden.

Wuppertal, 10. August 2017. Das damit neu gegründete unabhängige Zentrum für asbestbedingte Lungen- und Rippenfellerkrankungen ist in seiner Form einzigartig in Deutschland. Beteiligt sind die beiden Fachabteilungen des Bergischen Lungenzentrums – sowohl die Thoraxchirurgie als auch die Pneumologie – sowie die Onkologie und die Pathologie. „Ein Anlaufpunkt wie wir ihn jetzt geschaffen haben, fehlt bislang deutschlandweit“, sagt Priv.-Doz. Dr. med. Servet Bölükbas. Der Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie beschäftigt sich seit Jahren wissenschaftlich mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Asbest. Zudem ist er einer der Autoren einer neuen europäischen Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung vom asbestbedingten Rippenfellkrebs, der durch Asbest verursacht werden kann.

Über große Erfahrung auf dem Feld asbestbezogener Erkrankungen verfügt auch Prof. Dr. med. Kurt Rasche. Der Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin war lange Jahre in der Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinik Bergmannsheil Bochum mit dem Thema befasst, betreut auch in Wuppertal viele betroffene Patienten und wird oftmals als Gutachter herangezogen, wenn es um asbestbedingte Erkrankungen geht.

Dr. Bölükbas über die Auswirkungen von Asbest: „Gesundheitliche Folgen stellen sich meist erst nach 20 bis 40 Jahren ein. Den Betroffenen fällt es deshalb schwer, einen Zusammenhang zwischen der vorliegenden Erkrankung und dem Kontakt zu Asbest herzustellen.“ Umso wichtiger sei ein exakter Nachweis, der über die Analyse von Gewebeproben aus Lungen- und Rippenfellgewebe erbracht werden kann. „Hierfür wird eine hochspezialisierte Pathologie benötigt, die wir hier am Standort Wuppertal zur Verfügung haben“, sagt Dr. Bölükbas. Zu den am häufigsten betroffenen Berufsgruppen zählen Dachdecker, Fassadensanierer und Gießerei-Beschäftigte, die über die Hitzeschutzanzüge oftmals in Kontakt mit Asbest kamen. Es gibt allerdings eine hohe Dunkelziffer: „Viele wissen gar nicht, dass sie mit Asbest zu tun gehabt haben“, sagt Dr. Bölükbas.


Bei ersten Anzeichen einer Lungenerkrankung und einem beruflichen Bezug zu Asbest ist eine Abklärung von besonderer Bedeutung. „Es ist sehr wichtig, dass wir die Betroffenen sehr schnell nach dem Eintreten von ersten Symptomen sehen“, sagt Prof. Dr. Rasche. „Dann haben wir sehr gute Behandlungsmöglichkeiten.“ In den allermeisten Fällen mache sich eine asbestbezogene Lungenerkrankung über die knapper werdende Luft bemerkbar. „Dies ist ein Symptom, das mit vielen Krankheitsbildern in Verbindung steht“, so Prof. Rasche. „Deshalb müssen wir so genau hinschauen.“

Die Thoraxchirurgie in Wuppertal ist spezialisiert auf die lungen-erhaltende operative Behandlung vom Rippenfellkrebs und genießt hier weltweiten Ruf. Bis vor gut fünf Jahren war eine komplette Entfernung der Lunge bei Rippenfellkrebs das gängige Verfahren. Gemeinsam mit Dr. Joseph S. Friedberg (University of Maryland, Baltimore), Prof. Loic Lang-Lazdunski (London Bridge Hospital) und Prof. Raja M. Flores (Mount Sinai, New York) gehört Dr. Bölükbas zu den vier Lungenspezialisten weltweit, die das lungen-erhaltende Verfahren früh propagiert, den Erfolg mit Studien belegt und die Therapie angeboten haben.


Warum ist Asbest so gefährlich?
Asbest ist eine mineralische Naturfaser, die bis in die 80er Jahre hinein im Baubereich aber auch im Schiffsbau oder bei der Herstellung von Autoreifen verwendet wurde. Erst 1993 wurden Produktion und Verwendung von Asbest in Deutschland verboten obwohl die Asbestfaser seit den 70er Jahren als krebserregend eingestuft war. Die Asbestfasern setzen sich, wenn sie eingeatmet werden, im Lungengewebe fest und können dort aufgrund ihrer Länge nicht wie andere Schadstoffe eingekapselt werden. Die Fasern wandern durch das Lungengewebe, bis sie schließlich das Rippenfell erreichen und sich dort ansiedeln. Hier entfalten sie ihre verheerende Wirkung.

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