Dipl.-Psychologin Barbara Knoblauch Dipl.-Psychologin Barbara Knoblauch Foto: Dirk Sengotta

Hilfe, mein Kind lügt...


Hilfe, mein Kind lügt: „Mama, das war ich nicht...“ - Wie sollten Eltern damit umgehen? Dipl.-Psychologin Barbara Knoblauch gibt gestressten und verunsicherten Müttern nd Väter wertvolle Tipps.

Wuppertal, 11.06.2019 - "Es fehlen schon wieder fünf Euro im Portemonnaie, die Tafel Schokolade aus dem Schrank ist nicht mehr da, das teure Glas liegt zerdeppert im Mülleimer und niemand ist es bei Nachfragen gewesen. Ihr Kind beteuert, „Mama das war ich nicht!“ Eltern sind meist hoch betroffen, wenn ihre Kinder lügen.

Sie fragen sich, was sie falsch gemacht haben. Sie sind meist traurig und wütend, weil sie ihren Kindern doch versucht haben, den hohen Stellenwert von Ehrlichkeit klar zu machen, fühlen sich betrogen und enttäuscht.

Häufig fallen ihnen eigene Kindheitserlebnisse und die Reaktionen ihrer Bezugspersonen ein: „Du darfst nicht lügen“, das steht schon in der Bibel. Neben Stehlen ist kaum ein Thema so hoch mit Betroffenheit und Emotionen besetzt.

Dabei wird im Alltag der Erwachsenen ständig gelogen, jeder lügt zig Mal am Tag: Lügen um Unzulänglichkeiten zu vertuschen, falsche Versprechen, um seine Ruhe zu erhalten, Lügen um jemanden zu schonen, weil die Wahrheit vermeintlich zu schrecklich ist, Lügen, um keinen Komplikationen und Stress ausgesetzt zu werden.

Es gibt viele Arten von Lügen. Und es wäre schrecklich, wenn nicht gelogen, immer nur die Wahrheit unverblümt ausgesprochen würde. Nur Autisten sprechen stets aus, was sie denken und zahlen den hohen Preis der sozialen Isolation dafür.

Die Fähigkeit zu lügen ist stark an die Entwicklung der Intelligenz gekoppelt. Ein Kleinkind nach Spracherwerb befindet sich in der magischen Phase, kann Fantasie und Realität nicht auseinanderhalten.

Zudem dreht sich die ganze Welt um das Kind. Es kann sich noch nicht in andere Menschen hineinversetzen. Das Kind kann auch nicht zwischen lebendigen und nicht lebenden Objekten unterscheiden.

Es erzählt beispielsweise, dass der Stein böse war und hinter dem Kind hergeflogen ist. Viele der Kinder haben Fantasiegefährten, mit denen sie sprechen und die für sie durchaus real sind, auch wenn die Anderen sie nicht sehen können.

Kinder in diesem Alter können sehr wohl erste Lügen erkennen, z.B., dass der Kasper schwindelt, wenn er sagt, er habe den Kuchen der Großmutter nicht gegessen. Sie können aber noch nicht bei sich selbst sicher zwischen Realität und Fantasie unterscheiden.

Kinder machen z.T. zur Realität, was sie sich wünschen. „So ist der Keks dann einfach in den Mund hineingeflogen.“ Die Tochter einer Freundin haute sich mit vier Jahren auf die Hand und schimpfte „du böse, böse Hand“ mit ihr, wobei hier die Koketterie im Spiel mit der Wahrheit schon zu erkennen ist.

Egozentrik und magisches Denken verschwinden allmählich. Mit ca. fünf Jahren können Kinder die Fantasie von der Wirklichkeit sicher unterscheiden und fangen an, bewusst zu flunkern.

Wer lügt, muss auch eine Vorstellung von der Wahrheit haben. Mit Einschulung hat sich das Kind deutlich kognitiv entwickelt, das logische Denkvermögen wächst. Es weiß, wie sich sein Gegenüber fühlt, kann sich hineinversetzen.

Ab diesem Zeitpunkt kann man von ganz bewusstem, eindeutigem Lügen sprechen. Es gibt kaum Eltern, die das Thema unberührt lässt, die nicht an eigene Erfahrungen denken.
Was tun, wenn ihr Kind lügt? Was sind die Gründe? Versuchen Sie herauszubekommen, warum ihr Kind lügt.

Hier ein paar Beispiele:
Hat das Kind Angst vor Strafe? Hat es zum Beispiel eine schlechte Note geschrieben und will diese vor Ihnen verbergen? Überprüfen Sie sich selbst, sind Sie zu streng oder zu traurig, üben Sie zu viel Druck aus, hat das Kind Angst, Ihren Anforderungen nicht gerecht zu werden?

Überlegen Sie mit dem Kind, ob es machbar ist eine bessere Note zu schreiben, ob das Kind auch nicht überfordert ist, was man dafür tun kann, dass das Üben bei Faulenzerei kontrolliert wird, dass das Kind belohnt wird, wenn es eine schlechte Note zugibt.

Will Ihr Kind etwas vertuschen? Hat es Geld aus dem Portemonnaie genommen und kann es nicht zugeben? Erhält das Kind zu wenig Taschengeld? Es wird überlegt, wie das Kind Taschengeld dazu verdienen kann. Die Geld- börse bleibt mit Absprache offen liegen, das Geld wird kontrolliert und das Kind belohnt, wenn es dem Impuls widerstanden hat zuzugreifen.

Lügt es aus Bequemlichkeit? Hat es zum Beispiel trotz Versicherung die Zähne nicht geputzt? Das Zähneputzen wird über einen Zeitraum wieder kontrolliert, und das Kind kann dann zeigen, dass es groß genug ist, die Verantwortung wieder zu übernehmen.

Das sind nur einige Beispiele, wobei Maßnahmen und Konsequenzen individuell je nach Alter und Situation abgestimmt werden müssen.

Natürlich müssen Sie handeln, aber bleiben Sie ruhig. Gelogen wird überall, auf der ganzen Welt, in allen Zeiten und auch in Ihrer Familie.

In einem Klima des Vertrauens und der Gelassenheit wird am wenigsten gelogen. Bleiben die Probleme, wenden Sie sich an eine psychologische Beratungsstelle, wo man mit Ihnen die Probleme angehen wird.

www.bke.de Hier finden Sie ein Verzeichnis aller anerkannten Beratungsstellen mit einer Suchfunktion - Gertrud Ennulat: Wenn Kinder lügen

Ihre Barbara Knoblauch

Dipl. Psych./Psychotherapeutin

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