Das neue Team des Petrus Krankenhauses vl.n.r.: Dr. Edward Kemala, Dr. Markus Hasse (zwei der vier neuen Oberärzte), Chefarzt Prof. Dr. Nicolaus Reifert und Professor Dr. Hubert Heuer (langjähriger Chefarzt in Dortmund) Das neue Team des Petrus Krankenhauses vl.n.r.: Dr. Edward Kemala, Dr. Markus Hasse (zwei der vier neuen Oberärzte), Chefarzt Prof. Dr. Nicolaus Reifert und Professor Dr. Hubert Heuer (langjähriger Chefarzt in Dortmund) Foto: Tim Friesenhagen

Petrus-Krankenhaus: Neue Klinik für Kardiologie holt „Star-Mediziner“

Professor Dr. Reifart gehöre zu den besten drei Europas. Doch Kritiker befürchten für Herzpatienten in Wuppertal eine teure Überversorgung.

Das Barmer Petrus-Krankenhaus hat große Pläne. Nicht nur die Optik, vor allem aber das medizinische Angebot soll sich spürbar ändern. „Wir wollen nicht Kreisklasse, wir wollen Bundesliga!“ Mit diesem eher kämpferischen Vokabular aus der Sportszene eröffnete Geschäftsführer Michael Dohmann im Januar die neue „Klinik für Kardiologie“. Eine wohl nicht ganz zufällige Wortwahl, handelt es sich doch aktuell um die dritte Herzklinik in Wuppertal. Nach Helios und Bethesda in Wuppertal sowie Helios in Schwelm bewerben sich damit in der engeren Region gleich vier stationäre Einrichtungen um die Herzpatienten. Die Krankenkassen standen dem Vorhaben eher kritisch gegenüber. Sie befürchten eine „Überversorgung“, haben aber nach anfänglichen Protesten inzwischen Zurückhaltung signalisiert.

Das Petrus Krankenhaus will indessen mit einer Qualitätsoffensive und einer leitliniengerechten Medizin überzeugen. Chefarzt der neuen Klinik ist Professor Dr. Nicolaus Reifart (66), einer der führenden europäischen Spezialisten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Er wird seit 1993 bis heute ununterbrochen in einem harten und umfangreichen Ranking, der Ärztebestenliste der Zeitschrift „Focus“ geführt. Zuletzt hat er eine der weltweit größten interventionellen Abteilungen für Kardiologie im Frankfurter Raum aufgebaut. Mit Professor Dr. Hubert Heuer steht ihm jetzt in Wuppertal ein versierter Kollege zur Seite. Er war Chefarzt in Dortmund. Dazu kommen vier erfahrene Oberärzte, die eine 24-Stunden Bereitschaft gewährleisten sollen, das chirurgische „Stand-by“ kommt vom Elberfelder Helios-Klinikum und vom Dortmunder St. Johannes-Hospital. Für die Sicherstellung einer funktionierenden ambulanten Versorgung wurden zusätzlich gleich zwei Medizinische Versorgungszentren gegründet, die “MVZ-Medi-Wtal“.

Zufall hat einen Namen, Prof. Gülker

Für Michael Dohmann ist die Neuausrichtung der Klinik Auftrag und Verpflichtung zugleich. Getreu dem Leitsatz des katholischen Trägers, der Stiftung der Cellistinnen zur hl. Maria zu Köln, gelte es dem Anspruch „Der Mensch in guten Händen“ gerecht zu werden. Und dazu gehöre in der heutigen Krankenhauslandschaft unbedingt auch eine kompetente Herzklinik. Professor Dr. Reifart zu gewinnen sieht nicht nur er als Glücksfall. Reifart selbst führt seinen Wechsel eher auf einen Zufall zurück. Dieser Zufall hat einen Namen, nämlich „Professor Hartmut Gülker“. Der ehemalige Chef des Helios Herzzentrums am Arrenberg ist inzwischen als Berater für die Barmer Klinik unterwegs. Gülker konnte seinen medizinischen Weggefährten gewinnen, dessen Chefarztvertrag soeben ausgelaufen war. Gülker: „ Er gehört in seinem Fach zu den drei besten in Europa. Was der kann, können in Europa in dieser Perfektion nur ganz wenige.

Der Mann, der in seinem Leben rund 16.000 operative Eingriffe am Herzen geleistet hat,
war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Zudem waren alle drei Kinder seiner Patchworkfamilie inzwischen aus dem Haus. „Menschen in meinem Alter sind heute durchaus noch leistungsfähig“, sagte er lächelnd. So will er sich auch in Wuppertal nicht mit der Zuschauerposition begnügen, sondern immer noch eigenhändig operierten. Der schlanke, sportliche „Mittsechziger“ war einst aktiver Leistungssportler im Rudern und hält sich auch heute noch viermal pro Woche fit, mit seinem Rudergerät im Keller seines Mettmanner Domizils, dem Fahrrad, beim Laufen und mit seinem deutschen Schäferhund, namens „Rex“. Eine Präventionsmaßnahme, die er auch seinen Patienten gerne als Empfehlung mitgibt, ebenso wie den Rat, auf Risikofaktoren, wie Nikotin oder falsche und zu üppige Ernährung zu verzichten.

Alternative zum Bypass

Was aber macht den Herzspezialisten so berühmt? Was kann er, was andere nicht können? „Mein Steckenpferd ist der chronische Totalverschluss“, sagte er uns. Es geht um die Öffnung (Rekanalisation) langjährig verschlossener Herzkranzgefäße (chronic total occlusion, CTO genannt), denen wegen des Härtegrades der Stenose (Verengung) mit herkömmlichen Dilatationen nicht beizukommen ist. Ein Verfahren, dass er von japanischen Ärzten lernte, die dies als Alternative zum Bypass entwickelt haben (Anm. der Redaktion: Die Japaner lehnen oft aus religiösen Gründen Brustkorböffnungen ab). Wo andere Verfahren versagen und der Patient seine Beschwerden gewöhnlich als altersbedingt hinnimmt, kann mit CTO sehr oft noch wirksam geholfen werden, so Prof. Reifart. Der von den Krankenkassen befürchteten Mengenausweitung tritt er offensiv entgegen: „Eines unserer wichtigsten Ziele ist die leitliniengerechte Diagnostik. Das gläserne Labor, die Transparenz unseres Handelns ist jederzeit gegeben!“ Vorgesehen ist zudem eine entsprechende wissenschaftliche Begleitstudie. Professor Gülker setzt noch einen drauf: „So werden künftig zum Nutzen der Patienten unnötige Eingriffe konsequent vermieden.“

Auch Helios rüstet auf

Das Ganze ist für das Petrus-Krankenhaus zumindest am Anfang eher ein Zuschussgeschäft. „Wir werden drei bis vier Jahre brauchen, ehe die schwarze Null kommt“, prognostiziert Michael Dohmann. Er verweist indes darauf, dass sein konfessionelles, katholisches Haus keine Kapitalgesellschaft, sondern eine gemeinnützige Einrichtung ist. „Jeder Cent, der bei uns erwirtschaftet wird, fließt in Medizin und Pflege zurück!“ Den Wandel im Gesundheitswesen zur Gesundheitswirtschaft reflektiert auch Professor Reifart, wenn er feststellt, dass man von der ärztlichen Klinikleitung inzwischen allerorts zur kaufmännischen gewechselt ist. So wird man in Wuppertal dann auch einen spannenden Wettbewerb erleben. Vom Mitbewerber Helios ist schon zu erfahren, dass er in den nächsten Jahren die Verlagerung seines Elberfelder Herzzentrums nur exakt 1500 Meter Luftlinie entfernt nach Barmen geplant hat und hierfür 100 Mio. € in die Hand nehmen will.

 

Text : Siegfried Jähne

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