PD Dr. Carla Jung PD Dr. Carla Jung Foto: Agaplesion-Bethesda-Krankenhaus

Schädeloperationen: Das Blut fließt nicht mehr in Strömen

Unsere Serie "Spitzenmedizin in Wuppertal": Wandel in der Neurochirurgie – bei der modernen Schädeloperation fließt das Blut nicht mehr in Strömen. Dr. Carla Jung übernahm das Ruder als Chefärztin der Neurochirurgie im Agaplesion-Bethesda-Krakenhaus. 

Aus unserer September-Print-Ausgabe - Wuppertal, 13.09.2018 - Wer an Neurochirurgie denkt, denkt nicht selten zunächst an spektakuläre Schädelöffnungen. So fanden Forscher anhand von Skelettfunden heraus, dass unsere Vorfahren schon vor 5000 Jahren in der Steinzeit derartige Eingriffe vorgenommen haben. Aus der Antike stammen Beschreibungen von Hippokrates Arbeit am Schädel. Entsprechend sind Vorstellungen von der Neurochirurgie weit verbreitet, die mit der heutigen Realität kaum noch in Einklang stehen.

In Wuppertal dominierte dieses Fachgebiet in den letzten Jahren Prof. Dr. Bertram Kaden, der Anfang des Jahres nach 22 Jahren in den Ruhestand ging. Zur Nachfolgerin wurde jetzt vom Agaplesion Bethesda Krankenhaus mit Privatdozentin Dr. Carla Jung (46) eine Frau auf den Chefarztsessel berufen. Ihre Vita verspricht, dass auch in Zukunft „Spitzenmedizin in Wuppertal“ garantiert ist.

„Wir haben es uns nicht leicht gemacht, eine würdige Nachfolge für die anspruchsvolle Aufgabe zu finden. Umso stolzer sind wir, dass es uns gelungen ist, eine exzellente Neurochirurgin zu gewinnen und das Team wieder zu komplettieren“, freut sich Georg Schmidt, Geschäftsführer des Agaplesion Bethesda Krankenhaus Wuppertal.

Priv. Doz. Dr. med. Carla Jung (46) absolvierte nach Studium und Promotion an der Universität Heidelberg ihre Facharztweiterbildung an den Universitätskliniken Leipzig und Frankfurt am Main. Zwei Jahre forschte sie an den National Institutes of Health in Bethesda, USA. 2007 wechselte sie an die Universitätsklinik Heidelberg. Die letzten Jahre war sie dort als geschäftsführende Oberärztin tätig und konnte sich mit allen denkbaren Fällen vertraut machen. Die Uni-Klinik Heidelberg besitzt eine der größten neurochirurgischen Abteilung deutschlandweit.

Die klinische und wissenschaftliche Tätigkeit wurde hier in den letzten Jahren unter Leitung des in Schwelm geborenen Professors Andreas Unterberg stark ausgebaut.

Aus ihrem Umfeld kamen dann auch für Dr. Carla Jung die „Verstärker“, die sie bewogen haben, sich in Wuppertal zu bewerben. Eine Stadt im Grünen, deren guter Ruf nach ihren Worten nicht zuletzt auch durch das hiesige Von der Heydt Museum bis an den Neckar gedrungen sei und sie an die eigene Heimat erinnere. „Ich brauche Wohlfühlfaktoren und die habe ich hier gefunden“, sagt sie. Ein Zusammenhang mit ihrem Forschungsaufenthalt in Bethesda/USA mit der Namensgleichheit ihres heutigen neuen Arbeitgebers ist indirekt gegeben. Beide beziehen sich bei der Namensfindung auf eine Jerusalemer Zisterne, der heilende Kräfte zugesprochen wurden. Der Name Bethesda wird im Bibellexikon mit „Haus der Barmherzigkeit“ übersetzt.

In den USA sind in Bethesda (Maryland) führende medizinische Einrichtungen angesiedelt, insbesondere die wichtigste amerikanische Behörde für biomedizinische Forschung, die National Institutes of Health sowie das Walter Reed Militärkrankenhaus, in dem nicht nur US Militärangehörige sondern auch die US Präsidenten medizinisch betreut werden.

In der Neurochirurgie des Agaplesion Bethesda Krankenhauses werden Patienten behandelt, die an Erkrankungen oder Verletzungen im Bereich des Gehirns, des Rückenmarks, der Wirbelsäule oder der peripheren Nerven leiden. Das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten hat sich in den letzten Jahrzehnten bahnbrechend verändert. Früher waren körperliche Ausfälle und Sterblichkeit nach Operationen sehr hoch. Heutzutage kann viel präziser und schonender durch zielgenaue und minimalinvasive Zugänge an Gehirn und Wirbelsäule operiert werden. Moderne Techniken wie Mikrochirurgie, Neuronavigation, intraoperative Bildgebung, Fluoreszenzgestützte Verfahren, Endoskopie und elektrophysiologisches intraoperatives Monitoring helfen dabei neurochirurgische Operationen sicherer zu machen.

„Neurochirurgie hat nichts abschreckendes, martialisches mehr, da fließt wider allen Vorurteilen kaum noch Blut. Neurochirurgie hat vielmehr faszinierende und ästhetische Seiten. Ein unrupturiertes Hirnarterienaneurysma kann z.B. wie eine Perle aussehen. Es geht bei neurochirurgischen Operationen um Gewebedarstellung, und bedachtes Vorgehen, mit dem obersten Ziel Funktionen zu erhalten und Lebensqualität zu verbessern“, sagt die neue Chefärztin im Wuppertaler Agaplesion Bethesda Krankenhaus.

Ihre Spezialgebiete liegen in der Behandlung von Gehirn- und Wirbelsäulentumoren, der Schädelbasischirurgie einschließlich der knöcherne Augenhöhle (Orbita), der Therapie von Hirngefäßerkrankungen sowie der chirurgischen Versorgung bzw. Korrektur von Schäden der Wirbelsäule. „Ich möchte vor allen Dingen eine patientenorientierte, individuell angepasste neurochirurgische Behandlung auf höchstem Niveau und nach bestem Qualitätsstandard durchführen und sehe viele Schnittstellen mit den anderen Fachgebieten des Hauses sowie des angrenzenden Facharztzentrums und benachbarter Kliniken“, erläutert sie ihre Ziele. „Ich freue mich sehr auf meine neue Tätigkeit. Sie bedeutet für mich vor allem Nähe zu Menschen.“

Durch die Nähe zum Menschen fand die dem katholischen Glauben angehörende Medizinerin auch zu ihrem heutigen Beruf. „Ich war als Studentin bereits in der Pflege tätig und fand über meine Tätigkeit auf den neurochirurgischen Stationen den Zugang zu meiner heutigen Profession“, sagt sie uns. Sie präferiert beruflich wie privat die „kurzen Wege“ und damit auch die Nähe zum Geschehen. Auch ein Grund, warum sie ihr neues privates Domizil in der Nähe der Elberfelder Hainstraße gesucht hat. „Als Arzt muss man notfalls schnell zur Verfügung stehen“, so ihre Grundauffassung.

In der knapp bemessen Freizeit kann man sie gelegentlich auf einem der benachbarten Golfplätze finden, wo sie einen Ausgleich sucht, mangels Zeit aber noch nicht über die Platzreife hinausgekommen ist. Gefragt nach ihrer Botschaft an unsere Leser sagt sie: „Ich freue mich, wenn ich mit meinem Team das Vertrauen der Bürger gewinnen kann, die sich nicht scheuen sollen, sich bei Bedarf eine Beratung oder Zweitmeinung einzuholen.“ Dass sie ihre Medizin auch gut erklären kann, hat sie zuletzt als Expertin in der Apotheken Umschau unter Beweis stellen können.

Text: Siegfried Jähne

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