Dr. Matthias Sandmann Dr. Matthias Sandmann Foto: Petrus-Krankenhaus

Tumor-Medikamente sind viel teurer als Gold

In unserer Serie "Spitzenmedizin in Wuppertal" stellen wir diesmal Dr. Matthias Sandmann vor, u.a. Experte in Sachen Onkologie und HIV: Tumor-Medikamente sind heute viel teurer als Gold.

Aus unserer August-Print-Ausgabe - Wuppertal, 08.08.2018 - Sein Name ist polizeibekannt. Dr. Matthias Sandmann ist seit 2001 Chefarzt für Innere Medizin im Wuppertaler Petrus-Krankenhaus. Seine Fachbereiche sind die Hämatologie und Onkologie. Er ist allerdings auch Experte für den „Humanes Immundefizienz-Virus“, besser bekannt als HIV. Das bedeutet übersetzt: Menschliches Abwehrschwäche-Virus. HIV schädigt die körpereigenen Abwehrkräfte, also das Immunsystem. Aber nicht nur jede Polizistin und jeder Polizist hat seine Adresse. Der Grund sind Dr. Sandmanns langjährige Erfahrungen im Umgang mit dieser Erkrankung.

Er steht als Soforthelfer zur Verfügung und kann post-prophylaktisch Hilfe leisten, wenn der Verdacht auf Kontakt mit dem Virus besteht, und das insbesondere auch bei der polizeilichen Arbeit. Der 54-jährige Mediziner ist in seinem Hause der dienstälteste Chefarzt. Den größten zeitlichen Anteil an seiner Arbeit nimmt die Onkologie und Hämatologie ein, wo er sich in der Nachfolge von Professor Siegfried Öhl sieht, seinem früh verstorbenen Vorgänger, der als einer der Pioniere in der Onkologie galt.

Mit der Antikörper-Therapie den Tumor angreifen

Wie groß die Entwicklungssprünge in der Medizin insgesamt, vor allem aber in der Onkologie, inzwischen sind, wurde für Dr. Sandmann nicht zuletzt beim internationalen Medizinkongress in Chicago deutlich, wo nicht weniger als 4.500 neue Studien vorgestellt wurden. Er spricht von bahnbrechenden Behandlungsmöglichkeiten in der Tumortherapie und meint die auf die Stärkung des Immunsystems abzielenden Therapien: „Wir können heute mit künstlich hergestellten Antikörpern die Tumorzellen direkt angreifen und damit die klassische Chemotherapie teilweise überflüssig machen“, erklärt Dr. Sandmann.

Mit der „Antikörper-Therapie“, die als Infusion möglich ist, habe man sowohl beim Lungenkrebs, als auch beim schwarzen Hautkrebs und beim Nieren- oder Blasenkarzinom große Erfolge. Man spricht hier von der Aufhebung der Immuntoleranz durch Substanzen, die als „Checkpoint-Inhibitoren“ bezeichnet werden, wo mit zielgerichteten Medikamenten Krebszellen vom Immunsystem angegriffen werden und absterben.

Allein beim Bauchspeicheldrüsenkrebs hat man bisher den Schlüssel und damit den Zugang zum Immunsystem noch nicht finden können. Für die Therapieentscheidung gerade beim Lungenkrebs sind genetische Untersuchungen heute unverzichtbar. Hier besteht eine enge Zusammenarbeit mit Institut für Pathologie der Universität Köln, das mit seinem Genom-Projekt zu den größten Zentren der Welt zählt.

Obwohl Tumor-Medikamente bei freier Preisgestaltung der Hersteller und der Progression heute „teurer sind als Gold“, sind sie in Deutschland, anders als in den USA, für jedermann zugänglich. In den USA ist eine Eigenbeteiligung bis zu 30 Prozent nicht unüblich, was bei den hohen Therapiekosten schnell eine fünf-oder sogar sechsstellige Summe ausmachen kann. Das deutsche soziale System erlaubt dagegen altersunabhängige Behandlungen und fragt alleine nach einer Lebensverlängerung bei gleichzeitiger Erhaltung der Lebensqualität.

Große Fortschritte bei der HIV-Therapie

War die HIV-Diagnose vor dreißig Jahren noch so etwas wie ein Todesurteil, hat sie heute ihre Schrecken verloren. Die Erfolge in der HIV-Therapie sind inzwischen so überwältigend, dass das Virus bei adäquater Behandlung nicht mehr nachgewiesen werden kann. Eine einzige Tablette pro Tag reicht hierfür aus. Mehr noch: Inzwischen gibt es eine „Prä-Infektionsprophylaxe“, die das Ansteckungsrisiko um 80 bis 90 Prozent absinken lässt. Die Kosten hierfür liegen bei 600 € jährlich, müssen allerdings vom Patienten selber getragen werden.

Bei der Prä-Expositionsprophylaxe, kurz PrEP, nehmen gesunde Menschen prophylaktisch ein Medikament ein, das eine Ansteckung mit HIV verhindert. Laut einer Studie der Erasmus-Universität in Rotterdam könnte die PrEP in Deutschland bis zum Jahr 2030 rund 9.000 HIV-Infektionen verhindern.Trotz des enormen medizinischen Fortschrittes kommt es in Deutschland nämlich nach wie vor zu unverändert hohen Neuinfektionen, die bei jährlich 3.100 liegen.

Ungeachtet dessen habe sich der gesellschaftliche Umgang mit HIV verbessert. „Ich empfehle mehr Offenheit“, sagt Dr. Sandmann und rät Patienten, das private Umfeld über die Erkrankung zu informieren. „Praktisch immer erfahren die Betroffenen Hilfestellung und keine Ablehnung“, so seine Erfahrungen.

Sandmann selbst engagiert sich mit Erfolg in der Nachwuchsausbildung seines Lehrkrankenhauses. Seine beiden erwachsenen Söhne eifern ihm indes nicht nach, sie studieren Informatik. Er selbst taucht gerne ab, allerdings nur beim Tauchsport und fährt gerne Ski.

Hohe Qualität bestätigt

Das Onkologische Zentrum bündelt die Qualität aller onkologisch tätigen Kliniken des Petrus-Krankenhauses. Kernstück sind die regelmäßig stattfindenden Tumorkonferenzen, in denen Fachärzte unterschiedlicher Bereiche ihre neuen Patientenfälle besprechen. Zusätzlich finden wöchentliche Besprechungen zwischen den Disziplinen Strahlentherapie und Hämatologie/ Onkologie statt. Das Zentrum nimmt an zahlreichen Therapiestudien teil, so dass die Patienten Zugang zu modernsten Behandlungsmethoden haben. Die hohe fachliche Qualität wurde nun auch extern bestätigt: Das Zentrum ist in diesem Jahr von der Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. (DGHO) erfolgreich zertifiziert worden.

Text: Siegfried Jähne

 

 

 

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