Auch Hunde werden immer wieder Opfer von Tierquälern Auch Hunde werden immer wieder Opfer von Tierquälern Foto: Monika Asmus

Warum können Menschen nur so grausam sein?

Warum können Menschen so grausam zu Tieren sein? Die Tierärztin Dr. vet Marita Langewische befasst sich diesmal in ihrer Kolumne mit dem Thema Tierquälerei.

Wuppertal, 20.07.2019 - Heute muss ich Sie leider mit einem sehr ernsten Thema konfrontieren. In Anbetracht der stetig zunehmenden Fälle von Tiermisshandlungen, möchte ich diese Kolumne einigen möglichen Ursachen widmen.

Wer die Presse aufmerksam verfolgt, wird bemerkt haben, dass die Mitteilungen zu ausgelegten Giftködern oder mit Fremdkörpern gespickten Leckerlis stark zugenommen haben. 

Die Zahl „sadistischer“ Handlungen und/oder absichtlicher Verletzungen an Tieren hört damit aber bei weitem nicht auf. Es gab mehrere Fälle in der Presse: Eine Katze wurde mit Kabelbindern und Schnüren zusammengebunden vorgefunden, eine kleines Kätzchen wurde mit Klebstoff übergossen, und die Beine wurden hinter dem Kopf festgeklebt, zwei andere Kätzchen wurden mit Farbe bemalt, und ein Riesenschnauzer wurde in der Öffentlichkeit erhängt aufgefunden.

Erst neulich konnte mein Mann nur durch einen beherzten Sprung auf die Fahrbahn verhindern, dass die Nachbarskatze von einer unverantwortlichen Autofahrerin in einer 30er Zone absichtlich mit Vollgas überfahren wurde. Menschen, die absichtlich Gas geben, um ein Tier zu überfahren und zu töten? Wieso?

Vielleicht erinnern Sie sich auch an die Vorfälle am Niederrhein, bei denen in 2013 mehrere Igel bei lebendigem Leib angezündet wurden, oder gleichwohl die Vorfälle mit Großtieren, wie Pferden, Schafen und Ziegen, die gepfählt wurden. Ein junges Mädchen im Alter von 19 Jahren konnte letztendlich am Niederrhein für die Pfählungen und Tötungen mehrerer Pferde verantwortlich gemacht werden.

In China zum Beispiel werden kleine Wasserschildkröten lebendig als Schlüsselanhänger in Plastikbeutel eingeschweißt, um „hipp“ und besonders zu sein. Der Perversität der Menschen sind offenbar keine Grenzen mehr gesetzt.

Mit weiteren Details möchte ich Sie gar nicht konfrontieren, denn selbst mir als Tierärztin stockt das Blut in den Adern bei den Schilderungen und den Bildern, die ich dazu momentan täglich sehe.

Zunächst einmal sind die oben genannten tierquälerischen Handlungen mutmaßlich durch dritte Personen durchgeführt worden, also durch Menschen, die nicht Besitzer oder Halter der Tiere waren.

Warum tut der Mensch so etwas? Diskutiert werden solche Handlungen vielfältig, z. B. zur Befriedigung des eigenen Frustes. Auch versuchen manche Menschen, sich selbst zu erhöhen, indem sie scheinbar unterlegene Kreaturen erniedrigen.

Der Hintergrund ist auf jeden Fall sehr ernst zu nehmen: Die Professorin Eleonora Gullone des psychologischen Instituts der Monash Universität in Melbourne, Australien, hat beschrieben, dass Menschen, die Gewaltverbrechen an Menschen begehen, oftmals vorher oder zeitgleich durch tierquälerische Akte aufgefallen sind.

Das FBI in den USA verfolgt seit Beginn dieses Jahres aus denselben Überlegungen Tierquälereien als Kapitalverbrechen. Der Staatsanwalt von Baltimore County, USA, führte dazu in der Zeitung „The Baltimore Sun“ aus, beim Missbrauch von Tieren habe der Täter die totale Kontrolle über das Tier.

Wenn man so etwas in einer grausamen und bösartigen Weise mit Tieren mache, dann sei es wahrscheinlich, dass man es auch bei Menschen mache, die sich nicht wehren können, z. B. Kinder und Menschen mit Gebrechen. Solchen Menschen fehle jegliche Empathie.

Es wird sehr spannend zu beobachten sein, ob sich diese Überlegungen bestätigen, und falls ja, welche Konsequenzen dann auch außerhalb der USA daraus gezogen werden.
Ich möchte Ihnen abschließend gerne einige Ratschläge geben, wie Sie Ihren Liebling vor Übergriffen durch andere schützen können: Nehmen Sie die Warnungen in den Medien über ausgebrachte Giftköder ernst.

Lassen Sie Ihre Hunde in Gebieten, die Sie nicht kennen oder einsehen können, angeleint. Haben Sie beobachtet, dass Ihr Tier etwas geschluckt hat, oder zeigt Ihr Tier nach einem Spaziergang auffällige Verhaltensänderungen oder Vergiftungssymptome, konsultieren Sie bitte im Zweifelsfall ihren Tierarzt.

Führen Sie zum Training der Hunde oder ggf. beim Spaziergang immer eigene Leckerlis mit. Es mag auch hilfreich sein, Ihre Tiere vor dem Verlassen des Hauses zu füttern. Wenn Sie den Verdacht auf tierquälerische Aktivitäten haben, verständigen Sie bitte das zuständige Veterinäramt und die Polizei.

Passen Sie gut auf sich und Ihre geliebten Tiere auf!

Ihre
Dr. med. vet. Marita Langewische

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