Landschildkröte "Herr Pauli" Landschildkröte "Herr Pauli" Foto: Johannes Rothenhagen

Wuppertal im Winterschlaf… Teil 2

Hier kommt die Fortsetzung unserer Reihe "Winterschlaf".

Die Landschildkröte "Herr Pauli" wird den Winter in der Praxis von Dr. Martin Müschenich in Mettmann verbringen.  Die einzige Voraussetzung, die eine Schildkröte erfüllen muss, um bei Dr. Müschenich überwintern zu dürfen: Sie muss parasitenfrei sein. Hierzu muss sechs Wochen vor der Winterstarre eine Kotuntersuchung und bei positivem Ergebnis eine Wurmkur durchgeführt werden. Denn da während der Winterstarre keine Verdauungsvorgänge mehr stattfinden, ist auch keine Entsorgung der Stoffwechselschlacken über Leber und Nieren möglich. Ist die Schildkröte also von Parasiten befallen, kann sie während der Winterruhe die Stoffwechselprodukte der Würmer nicht ausscheiden und behält sie im eigenen Organismus. In freier Wildbahn ist die Parasitenbelastung nicht so hoch wie im Gehege oder Terrarium, da die Schildkröte in Freiheit von einem Ort zum nächsten wandern kann und selten Kontakt zum eigenen Kot hat. 

Nach etwa drei Monaten werden die rund 30 Tiere, die Dr. Müschenich beherbergt, langsam wieder geweckt, in dem sie nach und nach in wärmere Umgebungen verlagert werden. Nur selten kommt es vor, dass eine Schildkröte von selber wach wird und Dr. Müschenich dem Herrchen am Telefon mitteilt: "Ihr Tier ist erwacht, kommen Sie es bitte nächste Woche abholen", wie es bei meiner Schildkröte Herrn Pauli im letzten Jahr der Fall war. 

In Doktor Münschenichs Praxis sind Schildkröten gut aufgehoben. Bei einer Überwinterung im hauseigenen Garten, ist das nicht immer der Fall. "Bei unseren Wintern, sind die Tiere oft starken Temperaturschwankungen ausgesetzt, was dazu führt, dass sie immer wieder wach werden und das raubt ihnen Energie, die sie durch fehlendes Futter nicht wieder rein holen können. Außerdem kann es vorkommen, dass die eingebuddelten Tiere während der Winterruhe von Ratten oder Madern angefressen werden." Im Frühjahr kommen deshalb oft Halter zu ihm, deren Tieren zum Beispiel die Vorderbeine angeknabbert wurden. Zu einer Überwinterung im Karton rät er hingegen nur, wenn man einen kalten Keller hat. "In modernen Häusern sind die Keller oft zu warm." Lässt man die Schildkröte im Kühlschrank überwintern, so muss darauf geachtet werden, dass ab und zu die Türe aufgemacht wird, um die Luftzirkulation anzukurbeln. Außerdem muss auf eine angemessene, durchgehende Temperatur von 4 bis 6 Grad und eine ausreichende Luftfeuchtigkeit geachtet werden. Wichtig ist auch, das Tie in einer luftdurchlässigen Box unterzubringen, in der es auch die Möglichkeit hat, sich ein wenig einzubuddeln. 

Fest steht, dass einer Schildkröte die Winterstarre gewährt werden sollte, wenn sie körperlich fit ist, denn sie "gehört zum normalen Lebenswandel der Schildkröte". Außerdem sei die jährliche Ruhephase Voraussetzung für eine normale Entwicklung von Spermien.  Neben Schildkröten fallen auch Fische, Frösche, Eidechsen und Insekten in Winterstarre. Wir haben in Wuppertals Wäldern aber auch richtige Winterschläfer. Der Igel, zum Beispiel, frisst sich ein  Fettpolster an und geht dann fünf bis sechs Monate schlafen. Anders als bei Reptilien hängt diese Schlafbereitschaft vor allem mit dem ab Herbst eintretenden Nahrungsmangel zusammen. Ohne Energielieferanten wie Käfer und andere Kleintiere kann der Igel seine nötige Körperwärme nicht aufrecht erhalten. Aber auch die verringerte Helligkeit, sinkende Temperatur und hormonelle Umstellungen beeinflussen den Igel. Mit einem Tiefschlaf ist der Winterschlaf des Igels aber nicht vergleichbar. Kurze Unterbrechungen sind nicht ungewöhnlich, gerade dann, wenn die Außentemperatur über längere Zeit auf über 10 Grad ansteigt. Das Aufwachen zehrt an seinen Kräften und ist insofern riskant, als er im Winter oft kein Futter findet, um den Aufwand wieder auszugleichen. 

Das Eichhörnchen geht strategisch clever vor. Anders als "Herr Pauli" oder unser Igel, hält es keine Winterstarre und schläft auch nicht, es ruht. Während der Winterruhe bleibt seine Körpertemperatur konstant, lediglich der Herzschlag verlangsamt sich. Wer nicht schläft, muss fressen. Und deswegen beginnt das Eichhörnchen bereits im Sommer, sich zahlreiche Verstecke mit Nahrungsvorräten einzurichten. Bis zu zwei Stunden am Tag verbringt das flauschige Tierchen damit, seine Nüsse auszugraben, die es dank seiner guten Nase wiederfindet. Da immer aber auch welche vergessen werden, trägt das Eichhörnchen auf diese Weise zur Verbreitung verschiedener Baumarten bei. 

Während ich mich für drei bis vier Monate von "Herrn Pauli" verabschieden muss, haben andere Tierbesitzer auch im Winter etwas von ihren Lieblingen. Diese bereiten sich dann durch einen Haarwechsel auf die kalte Jahreszeit vor. Manche Hunde werden von ihren Herrchen in richtige Modeikonen verwandelt und der Gehweg zum Laufsteg. Herr Doktor Müschenich: "ein Mäntelchen ist eigentlich nur nötig, wenn es draußen ungewöhnlich kalt oder der Hund krank ist." Um seinen Vierbeinen den Weg durch den Winter zu erleichtern, der oft von Streusalz und ähnlichem gesäumt ist und die Pfötchen schädigt, rät der Doktor dazu, die Pfoten nach dem Spaziergang zu waschen und Rissen mit Vaseline vorzubeugen.

Text: Saskia Stiefeling

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