Bei der Vorstellung des Kochbuches "Modern Cooking" auf Ibiza: (v.l.) Kim (,Boutiquen-Besitzerin aus Düsseldorf), Wolfgang Lettner (Chef des Szene-Restaurants "Casa Colonial"), der Essener Unternehmer Dirk Eckrath, Thomas Anders mit Ehefrau Claudia Bei der Vorstellung des Kochbuches "Modern Cooking" auf Ibiza: (v.l.) Kim (,Boutiquen-Besitzerin aus Düsseldorf), Wolfgang Lettner (Chef des Szene-Restaurants "Casa Colonial"), der Essener Unternehmer Dirk Eckrath, Thomas Anders mit Ehefrau Claudia Foto: Casa Colonial

Thomas Anders: Bohlen habe ich nie bekocht...

Ex-„Modern Talking“-Sänger Thomas Anders ist als Autor des Kochbuches „Modern Cooking“ sehr erfolgreich. Wie das Kochen für ihn zur zweiten großen Leidenschaft wurde und vieles mehr  erfahren Sie hier im "Hand aufs Herz"-Interview.

Aus unserer November-Print-Ausgabe - Wuppertal, 12.11.2017 - Thomas Anders (54) war die eine, die dunkelhaarige, Hälfte des Gesangs-Duos „Modern Talking“. Songs wie „You‘re My Heart, You‘re My Soul“, „Cheri, Cheri Lady“ oder „Brother Louie“ summten Pop-Music-Fans auf der ganzen Welt. 120 Millionen (!) verkaufte Tonträger. Doch trotz ihres riesigen Erfolges, richtig dicke Freunde wurden Dieter Bohlen und Thomas Anders eigentlich nie. Aber auch nach zwei Trennungen von seinem „Sanges-Bruder“ Dieter und der Scheidung von seiner jahrelang allgegenwärtigen Ehefrau Nora, blieb Thomas Anders der Erfolg treu. Nicht nur als Sänger, Produzent und Songwriter. Auch als Autor des Kochbuches „Modern Cooking“ landete er jetzt einen echten Hit. Peter Pionke unterhielt sich mit dem sympathischen „Gentleman Of Music“, der zwischen Deutschland und der Mittelmeer-Insel Ibiza hin und her pendelt.

DS: Wann haben Sie eigentlich Ihre Koch-Leidenschaft entdeckt?

Thomas Anders: „Das war ein schleichender Prozess. Ich habe vor 25 Jahren mit dem Kochen angefangen. Das war so die Anfangszeit der Mikrowelle. Wir dachten alle, wir hätten das reinste Wundergerät zu Hause. Aber dann mussten wir feststellen, dass die Speisen zwar schnell heiß wurden, aber alles irgendwie nach Matsche-Pampe schmeckte. Das war reine Nahrungsaufnahme und hatte mit Genuss nichts zu tun.“

DS: Und da haben Sie dann selbst zum Kochlöffel gegriffen?

Thomas Anders: „Ja, ich habe mir gedacht, das muss auch frischer und knackiger gehen. Also fing ich an, selbst herum zu experimentieren, und ich habe dann zum Probieren meiner Kreationen Freunde eingeladen. Die Anfänge waren allerdings noch sehr bescheiden und viel einfacher als die Rezepte, die man jetzt in meinem Kochbuch findet.“

DS: Wie haben Sie es eigentlich im Trubel der „Modern Talking“-Tourneen geschafft, Rezepte zu sammeln?

Thomas Anders: „Dafür habe ich mir immer wieder zwischendurch die Zeit genommen. Ich liebe Kochbücher und habe davon zu Hause mindestens 150 im Regal stehen. Ich sammle außerdem auch Kochzeitschriften. Als ich mit dem Kochen anfing, hatte das Fernsehen ja noch nicht die große Kochleidenschaft entdeckt. Die ging ja mit Alfred Biolek erst richtig los. Es gibt ja heute für jede Geschmacksrichtung eine eigenes Koch-Magazin – und ich kaufe sie fast alle.“

DS: Und dann geht es ab an den Herd?

Thomas Anders: „Klar, ich picke mir dann die Rezepte heraus, die mir gefallen und koche sich nach. Beim dritte Mal brauche ich das Rezept gar nicht mehr als Vorlage, sondern wandele es nach meinem persönlichen Geschmack ab. Daraus wird dann ein eigenes Rezept mit eigenen Geschmacks-Präferenzen.“

DS: In Ihrem Buch gibt es ja keine Rezepte für typische Schnell-Gerichte. Wollten Sie sich bewusst von der Turbo-Küche abheben?

Thomas Anders: „Es gibt schon Rezepte, die aufwendiger sind, aber auch Gerichte, die man schnell zubereiten kann. Wer aber glaubt, in einer Viertelstunde ein komplette Menü zaubern zu können, der braucht erst gar nicht anzufangen. Das geht einfach nicht.“

DS: Also gut essen braucht Weile…?

Thomas: Anders: „Mein Kochbuch ist ein Genießer-Kochbuch. Es geht nicht darum, wie krieg ich schnell etwas gekocht, um satt zu werden. Für mich ist wichtig, dass mir das Kochen an sich schon Freude bereitet und ein Genuss ist. Auch wenn ich einen Hamburger selbst zubereite, mit einem leckeren Brötchen, mit gutem Hackfleisch etc., dann hat das mit Fastfood nichts mehr zu tun.“

DS: Und wenn es doch einmal schnell gehen muß?

Thomas Anders: „Dann empfehle ich mein Hähnchen-Saltimbocca. Einfach eine Hähnchenbrust aufschneiden, so dass daraus zwei Teile in Schnitzelform werden. Dann auf jedes der beiden Fleischstücke jeweils eine Scheibe Parmaschinken und ein Salbeiblatt legen und in der Pfanne aufbraten. Das schmeckt köstlich und dauert höchstens zehn Minuten.“

DS: Wie oft stehen Sie denn im Alltag am Kochtopf?

Thomas Anders: „Ich bin ja sehr viel unterwegs. Wenn ich einmal drei oder vier Tage am Stück zu Hause bin, dann koche ich mindestens zweimal. Ich brauche dafür Zeit. Die nehme ich mir auf jeden Fall immer, wenn ich auf Ibiza, meiner zweiten Heimat, bin. Da binde ich mir die Kochschürze ganz sicher um.“

DS: Inwieweit haben Sie eigentlich im Laufe der Jahre Ihre persönlichen Essgewohnheiten verändert?

Thomas Anders: „Ich experimentiere mehr, dadurch werden andere Geschmacksknospen sensibilisiert. Das ist die geschmackliche Seite. Den anderen Schwerpunkt lege ich auf die Wertigkeit des Essens. Ich achte jetzt mehr als früher darauf, dass ich qualitativ hervorragendes Fleisch kaufe. Ich sorge außerdem dafür, dass bei uns Bio-Gemüse auf den Tisch kommt. Bei den Zutaten schaue ich genau hin, dass diese nicht mit Geschmacksverstärkern und Konservierungsstoffen vollgepumpt sind. Das Essen muss knackig und möglichst gesund sein.“

DS: Steht bei der Auswahl Ihrer Rezepte das Thema Genuss im Mittelpunkt oder eher der allgegenwärtige Aspekt Gesundheit?

Thomas Anders: „Mit Sicherheit der Genuss. Ich wollte zum Beispiel kein Low Carb-Kochbuch herausbringen. Bei der Konzeption des Buches haben wir darüber diskutiert, ob wir bei jedem Gericht auch die Kalorienmenge angeben sollten. Wir haben uns dann aber dagegen entschieden. Es darf einfach nicht sein, dass mir beim Lesen eines Rezeptes das Wasser im Mund zusammen läuft, ich es dann aber nicht nachkoche, weil es mehr Kalorien hat, als mir liebt ist.“

DS: Also gibt es Ihre Rezepte nicht auf Rezept?

Thomas Anders (lacht): „Höchstens als Genuss-Rezept...“

DS: Stehlen Sie als erfolgreicher Gesangs-Star jetzt mit Ihrem Kochbuch nicht den vielen Promi- und Fernseh-Köchen so ein wenig die Show?

Thomas Anders: „Ich stelle ja für die Gourmet- und TV-Köche nicht wirklich eine Konkurrenz dar. Ich bin einfach ein lebensbejahender Genuss-Mensch und besitze neben meinem Beruf als Musiker nun einmal eine Leidenschaft für das Kochen. Wäre ich jetzt ambitionierter Hobby-Gärtner, hätte ich vermutlich ein Buch über meinen Garten geschrieben, auch ohne Botanikern ernsthaft Konkurrenz zu machen.“

DS: Würde Sie eigentlich eine eigene Koch-Sendung reizen?

Thomas Anders: „Das kann ich so pauschal nicht sagen. Wir haben das schon einmal grob angedacht. Aber das Konzept müsste stimmig sein und auch in meinen Lebensplan hineinpassen. Ich möchte auf keinen Fall meine Musik vernachlässigen, um mich als prominentes Gesicht in der Küche zu etablieren.“

DS: An was „köcheln“ Sie im Moment musikalisch?

Thomas Anders: „Mein erstes deutschsprachiges Album „Pures Leben“, das im Frühjahr erschienen ist, läuft nach wie vor sehr gut. Folglich sind wir bereits in der Planung für das zweite Album, das im September 2018 auf den Markt kommen wird. Ich bin jetzt schon ab und zu im Studio, um neue Songs einzusingen. Die Studio-Arbeit wird ab Januar richtig Fahrt aufnehmen.“

DS: Modern Cooking ist ja so etwas wie ein Solo-Projekt von Ihnen. Wird es da auch einen Nachfolger geben?

Thomas Anders: „Das wird die Zukunft zeigen. Tatsache ist, dass sich mein Kochbuch so gut verkauft, dass mein Verlag bereits die zweite Auflage produziert hat, was mich natürlich sehr freut. In einem halben Jahr sehen wir dann weiter. (lacht)

DS: Hand aufs Herz, haben Sie eigentlich schon einmal Dieter Bohlen bekocht?

Thomas Anders (schmunzelt): „Nee! Wir haben uns ja auch nie gegenseitig privat eingeladen, sondern immer nur in Restaurants getroffen. Und da bin dann nicht zum kochen in die Küche gegangen. Das habe ich dann doch lieber dem Chefkoch überlassen.“

DS: Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu Ihrem früheren Duo-Partner?

Thomas Anders: „Ja, wir haben regelmäßig Kontakt. Das hängt einfach damit zusammen, dass unser Unternehmen „Modern Talking“ weiter besteht. Wir verkaufen ja auch heute noch viele Alben. Deshalb müssen wir auch immer wieder strategische und kaufmännische Entscheidungen treffen.“

DS: Und wenn Sie Dieter Bohlen bitten würde, in seine „DSDS“-Jury einzutreten?

Thomas Anders: „Das wäre wohl keine gute Idee. Ich möchte ja auch nicht, dass sich der Fokus zu sehr auf uns richtet und von den eigentlichen Protagonisten ablenkt. Das kann ja nicht Sinn und Zweck dieser Show sein.“

DS: Was macht für Sie den Reiz der Insel Ibiza aus, wo Sie ja zum Teil leben?

Thomas Anders: „Man sagt ja von Ibiza, entweder liebt die Insel einen oder sie spuckt einen wieder aus. Für mich bedeutet Ibiza: Einfach ankommen und sich sofort wohlfühlen. Ich muss mich nicht umstellen. Die Insel vermittelt diese gewisse Leichtigkeit und ist unkonventionell. Jeder lässt jeden leben. Ich bin schnell da, finde dort tolle Restaurants und kann - abgesehen von Juli und August - in einsamen Buchten nach Herzenslust Sonne tanken. Ibiza ist für mich ein ganz besonderer Platz auf dieser Welt.“

DS: Vielen Dank für das spannende, interessante Gespräch

www.tretorri.de
www.thomas-anders.com

 

Vita

Thomas Anders wurde am 01. März 1963 als Bernd Weidung in Mörz, einem Stadtteil von Münstermaifeld (Kreis Mayen-Koblenz), geboren. Schon als Grundschüler nahm er Klavierunterricht. Er gewann einen Nachwuchswettbewerb und präsentierte danach bei über 300 Auftritten Kinderlieder und Schlager. Seinen ersten Plattenvertrag unterschrieb er noch vor seinem Abitur (1982). 1981 hatte er mit seinem Song „Du weinst um ihn“ (Produzent Daniel David) in der Michael-Schanze-TV-Show „Hätten Sie heut‘ Zeit für mich“ seinen ersten Fernseh-Auftritt.

An der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz studierte Bernd Weidung, alias Thomas Anders, fünf Semester Germanistik, Publizistik und Musikwissenschaften.

1983 traf er dann zum ersten Mal auf Dieter Bohlen. Dieser produzierte drei seiner Titel, u.a. „Endstation Sehnsucht“. Der große Durchbruch gelang aber erst 1985, als Bohlen und Anders das Duo „Modern Talking“ aus der Taufe hoben und den Song „You‘re My Heart, You‘re My Soul“ veröffentlichten.

1985 heiratete Thomas Anders Nora Balling. Seine Goldkette mit dem Schriftzug „Nora“ manifestierte fortan seine enge, emotionale Bindung zu seiner Frau. Ende 1987 lösten sich „Modern Talking“ zum ersten Mal auf. 1998 dann die Wiedervereinigung des Pop-Duos. Das Comeback-Album „Back For Good“ war wieder ein großer Erfolg und erreichte in fast 20 Ländern Platz eins. 2003 dann der endgültige Schluss-Akkord.

Die „Modern Talking“- und seine Solo-Erfolge zusammengerechnet, kommt Thomas Anders auf über 125 Mio. verkaufte Tonträger! Im Frühjahr 2017 brachte er mit „Pures Leben“ sein erstes deutschsprachiges Album auf den Markt. Thomas Anders wurde 1999 von Nora Balling geschieden und ist seit dem Jahr 2000 glücklich mit Claudia Hess verheiratet. Gemeinsam haben sie einen Sohn: Alexander (geb. 2002). Anders ist u.a. Schirmherr des „Kinderschutzbundes“ seiner Heimatstadt Koblenz. Seine zweite Heimat: Die Mittelmeerinsel Ibiza.

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