Agim Budo von der Sportpark-Gruppe Agim Budo von der Sportpark-Gruppe Foto: Sportpark

Fitness: Balsam für Körper und Seele

Lockruf an das Freiheitsgefühl - Balsam für Körper und Seele.  Fitness-Branche boomt - doch nicht alle werden überleben.

Aus unserer März-Print-Ausgabe - Wuppertal, 10.03.2018 - Im Umkreis von nur einem Kilometer befinden sich in der Elberfelder City gleich elf Fitness-Studios. Was einerseits fraglos eine erfreuliche Belebung der Innenstadt ist, bedeutet für die Betreiber selbst eher einen knochenharten Konkurrenz-Kampf.

„Komm rein. Sei Du selbst. Mach Dein Ding - Dein Körper - unsere Mission“, so der auf das Freiheitsgefühl der Menschen anspielende Lockruf eines Studios namens „EasyFitnessClub“ an der Allee-Straße im benachbarten Remscheid, das seine, durchaus hochwertigen, Leistungen zuletzt schon für einen monatlichen Preis von netto 17,95 € anbot.

Freundlicher und innovativer kann man eine Offerte wohl kaum ausdrücken. Schenkt man den Worten von Studiobetreiber Daniel Stummeier Glauben, gibt es den Verdrängungswettbewerb allerorts - und man ziele hier nicht unbedingt auf die umkämpfte Wuppertaler Szene ab.

Stummeier: „Die Erreichbarkeit ist ein wichtiges Kriterium, eine längere Anfahrtszeit als 15 Minuten wird von den Nutzern kaum akzeptiert.“ Die Branche macht bundesweit inzwischen Umsätze von über fünf Milliarden Euro. Im Schnitt entfallen damit jährlich rund 600.000 Euro auf jedes Studio. In Wuppertal gibt es inzwischen rund 40 „Mucki-Buden“, die in einem harten Wettbewerb stehen.

Trainer- und Gerätequalität

Dabei geht es um Trainer- und Gerätequalität, um Ambiente und Saunen, im Zweifel sogar um medizinische Betreuung. Nicht zu unterschätzen sind Service, Parkplätze und auch Öffnungszeiten sind die Auswahlkriterien für den Verbraucher. Und nicht zuletzt ist der Monats-Mitglieds-Beitrag entscheidend, der bei der Vielfalt der verschiedenen Fitnessstudios variiert.

Die Regel ist das Fitness-Studio im klassischen Stil mit vielen Geräten und Gruppenkursen, wo das „Abo“ zwischen 30 und 50 Euro im Monat kostet und sich dann nach Definition der Branche schon im Premiumbereich befindet. Aber es gibt eben auch sehr günstige Studios, meistens von überregional aufgestellte Ketten, die teils mit Sonderangeboten, wie einem monatlichen Abo-Preis von um die 20 Euro, locken.

Dazu gehört Marktführer McFit, der sogar schon Kampf-Angebote hatte, die unter 10 Euro monatlich lagen. Die Mitgliedschaft in einem Luxusstudio mit Wellnessbereich kann dagegen im Monat bis zu 100 Euro und mehr kosten.

Aber, so Fitness-Experten, für dieses Segment fehlt in Wuppertal das Klientel. „Wichtig ist nicht nur der Preis, sondern auch die Qualität eines Studios, kontert Thomas Mitsarakis vom Elberfelder Sportforum (Label „Wir sind Sport“), das seit 40 Jahren auf dem Markt ist und von dem heutigen Judo-Präsidenten Peter Frese gegründet wurde. Zusammen mit der Sportpark-Group, Rainbow-Park und Fitness Eggermann zählt man ihn zu den etablierten, eigentümergeführten Platzhirschen.

Bewegung steigert die Lebenserwartung im Schnitt bis zu drei Jahren, sagen Experten. Bewegung kann aber auch Balsam für Körper und Seele sein. Der Sport verlagert sich immer mehr vom organisierten Sport in den Vereinen weg in die Fitness-Studios. Hier geht es indessen um ganz andere sportliche Ambitionen. Hier geht es vielfach um eine Art „Lifestyle“, also neben den gesundheitlichen Aspekten auch um Körper- und Selbstwertgefühl.

Zehn Millionen Menschen in Deutschland sind inzwischen bei einem der 7.500 Fitness-Studios angemeldet. Auf Wuppertal bezogen, dürften das etwa 40.000 Personen sein. Ein Drittel von ihnen ist über 50 Jahre, einige sogar über 80 Jahre alt, wie glaubhaft versichert wird.

 „Crossfit“ boomt

Was liegt im Trend? Für junge Leute ist es „Crossfit“ und kommt aus den USA, wo es boomt und zu einer regelrechten Bewegung geworden ist. Es ist eine Fitness-Trainingsmethode, die ursprünglich von Elite-Militäreinheiten erfunden und praktiziert wurde.

Das Training ist meist kurz, dafür aber sehr intensiv. Hier geht es weniger um Geräte, sondern um Training, das primär auf das eigene Körpergewicht ausgerichtet ist. Eine Mischung aus Turnen, Gewichtheben und Kondition. „Wir trainieren gemeinsam in kleinen Gruppen und motivieren uns altersunabhängig in familiärer Atmosphäre zu persönlichen Höchstleistungen“, so Thomas Mitsarakis über sein „Crossforum“ am Hofkamp.

In anderen Studios nennt man das Ganze, aus urheberrechtlichen Gründen, schlicht
„funktionales Training“, wie der erfahrene Studioleiter Agim Budo (51) vom größten Wuppertaler Anbieter, der „Sport-Park-Group“, zu berichten weiss. Er legt für seine Firma den Focus auch auf das Publikum, das sich in den vier, mit besonderem Ambiente eingerichteten, Studios wohlfühlen soll und hat mit einer speziellen „App“ für seine Kunden modernste Technik anzubieten.

Der „Sport-Park“ will noch in diesem Jahr in Wuppertal sein fünftes Standbein eröffnen, und zwar im Industrie-Kulturdenkmal, dem „Wuppertaler Gaskessel“ in Heckinghausen. Investor Thomas Drescher und Partner sind dann auf der gesamten Talachse vertreten und versprechen sich damit auch eine spürbare Belebung für den Wuppertaler Osten. Ganz klar, der Fitness-Markt ist in Bewegung. Aber längst nicht alle Studios werden überleben.

Text: Siegfried Jähne

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