Bei der Premiere: (v.l.) Ulrich Matthes, Barbara Auer und Jochen Rausch Bei der Premiere: (v.l.) Ulrich Matthes, Barbara Auer und Jochen Rausch Foto: WDR

Jochen Rausch: TV-Erfolg spornt ihn zu neuen Taten an

Jochen Rausch - sein großer TV-Erfolg spornt ihn zu neuen kreativen Taten an. Der erfolgreiche 1LIVE-Chef liefert demnächst auch ein neues Musik-Album ab.

Aus unserer April-Print-Ausgabe - Wuppertal, 12.04.2018 - Kreativität hat einen Namen: Jochen Rausch! Der Wuppertaler ist Programm-direktor von 1LIVE, WDR 2, WDR 4, Musiker und erfolgreicher Buchautor. Sein Roman „Krieg“ wurde verfilmt und inzwischen unter dem Titel „Fremder Feind“ in der beliebten ARD-Reihe "FilmMittwoch im Ersten" ausgestrahlt.

Der Film zeigt mehr als eindrucksvoll, wie ein einziger Schicksalsschlag das Leben von zwei Menschen völlig aus den Angeln heben kann. Klar könnte sich so etwas auch völlig unbemerkt in einer Hinterhof-Wohnung in Barmen oder Elberfeld abspielen. Aber dass dieses Drama in der romantischen Winterlandschaft der Alpen-Bergwelt, die so etwas wie Frieden, Freiheit, Entschleunigung symbolisiert, seinen dramaturgischen Höhepunkt erfährt, sorgt für zusätzliche Emotionen und lässt die Zuschauer immer wieder den Atem anhalten.

Eine spannende, tiefgründige Story, von herausragenden Schauspielern (Ulrich Matthes, Barbara Auer, Lili Epply u.a.) und einem hervorragenden Regisseur Rick Ostermann exzellent in Szene gesetzt.

4,24 Millionen Zuschauer sahen sich das nervenaufreibende Drama an. Ein toller Erfolg. Doch für Jochen Rausch kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Er arbeitet bereits am nächsten Projekt. Und auch als Musiker lässt er wieder einmal etwas von sich hören. Peter Pionke unterhielt sich mit dem bergischen Multitalent.

DS: „Krieg“ alias „Fremder Feind“ war ein beeindruckender Fernsehen-Film, der viele Betrachter in meinem Bekanntenkreis emotional ergriffen hat, ist das eine rein fiktive Handlung oder gibt es da eine reale Vorlage?

Jochen Rausch: „Die Geschichte ist fiktiv, aber letztlich doch real. In jedem Krieg sterben Söhne und Kinder oder werden traumatisiert. Für die Angehörigen ist danach oft nichts mehr wie vorher. Für mich war ein zweiter Aspekt, dass wir alle uns kaum dafür interessieren, was deutsche Soldaten im Ausland machen. Wir gucken uns das, wenn überhaupt, aus sicherer Entfernung in der Tagesschau an. In Afghanistan sind übrigens bisher 57 deutsche Soldaten gefallen.“

DS: Hat die Dramatik, die in diesem Film zum Teil auf die Spitze getrieben wurden, Sie nicht selbst überrascht?

Jochen Rausch: „Das ist in der Vorlage des Buches ja schon angelegt. Es ist eine Art doppelter Krieg, der Krieg des Sohnes in Afghanistan und der Krieg seines Vaters mit sich selbst und einem Unbekannten. Ulrich Matthes hat das phantastisch gespielt, beklemmend realistisch, sehr einfühlsam.“

DS: Die Schauspieler waren exzellent. Haben Sie Ihre Figuren so wieder gefunden, so wie Sie diese in Ihrer Phantasie entwickelt haben?

Jochen Rausch: „Ja genau so war es. Es ist ja sehr ungewöhnlich, dass ein Schauspieler in fast jeder Szene eines Films zu sehen ist wie Ulrich Matthes in Fremder Feind/Krieg. Mir hat auch sehr gut Lili Epply in der Rolle der Freundin des toten Soldaten gefallen.“

DS: Viele hat Ihr Film emotional völlig mitgenommen. Sie stellen sich jetzt die Frage: Wie kann ein so sympathischer, lebensbejahender, humorvoller Typ eine solch nervenzerfetzende, brutale Story schreiben?

Jochen Rausch: „Ich denke, dass wir den Abgründen näher sind als wir glauben. Eines jeden Toleranz ist zu Ende, wenn die eigenen Kinder angegriffen, verletzt oder gar getötet werden. Der Mensch ist leider nicht so zivilisiert, wie wir uns gerne sehen. Sonst würden wir aus Kriegen lernen und uns nicht von Generation zu Generation immer wieder aufs Neue die Köpfe einschlagen.“

DS: Einen Roman zu schreiben, ist die eine Sache. Dass dieser Roman dann auch verfilmt wird und damit einem Millionen-Publikum zugänglich gemacht wird, ist eine ganz andere Sache. Wie sehr stolz macht Sie das?

Jochen Rausch: „Wenn man schreibt oder Filme macht, dann will man auch, dass das gelesen und gesehen wird. Es steckt sehr viel Arbeit darin, an den Punkt zu kommen, dass die eigenen Sachen wahrgenommen werden. Das ist auch eine Bestätigung und Ansporn, weiterzumachen.“

DS: Sie sind mittlerweile ein erfahrener und sehr erfolgreicher Autor! Fällt es Ihnen eigentlich leichter, eine dramatische Story mit schrillen, schwierigen Charakteren zu schreiben als eine lockere, witzige Komödie?

Jochen Rausch: „Die Leute zum Lachen zu bringen, ist das Schwierigste überhaupt. Ich habe allergrößten Respekt vor Autoren, die das können. Bei meinem letzten Buch Im Taxi gibt es einige sehr komische Geschichten und ich muss zugeben, dass es mir bei den Lesungen großen Spaß gemacht, wenn die Leute gelacht haben. Daran bin ich ja eigentlich bei meinen Büchern nicht gewöhnt.“

DS: Werden wir denn irgenwann einmal eine Komödie von Ihnen zu lesen oder zu sehen bekommen?

Jochen Rausch: „Ich habe so was im Kopf, aber man darf sich auch nicht verzetteln. Eine gute Band versucht ja auch, ihren Stil zu entwickeln, man wechselt aber eigentlich nicht von Heavy Metal zu Softpop.“

DS: Hast Sie möglicherweise durch die Verfilmung Ihres Romans jetzt Blut geleckt und schreiben gerade an der nächsten fernseh-tauglichen Story?

Jochen Rausch: „Ich schreibe gerade mit Rick Ostermann, dem Regisseur von Fremder Feind/Krieg, an einem Drehbuch. Keine Ahnung, ob das was wird, aber wir sind fleißig.“

DS: Woran arbeiten Sie denn sonst gerade?

Jochen Rausch: „Neben der Arbeit am Drehbuch habe ich mit meiner Band Stahlnetz Musik gemacht. Wir, mein Kumpan Detlev Cremer und ich finden, nach 36 Jahren könnten wir mal langsam die zweite Platte vorlegen.“

DS: Haben Sie so etwas wie einen Lieblings-Film?

Jochen Rausch: „Das war im letzten Jahr eindeutig ‚Three Billboards outside Ebbing, Missouri‘. All time favourite sind ‚Fargo‘ und ‚No country for old men‘. Fremder Feind ist übrigens noch bis Mitte Mai kostenlos in der ARD-Mediathek zu sehen.“ www.jochenrausch.com

Text: Peter Pionke

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