Junior Uni-Gründer Dr. Ernst-Andreas Ziegler Junior Uni-Gründer Dr. Ernst-Andreas Ziegler Foto: Thomas Sänger

Junior Uni-Chef Ziegler: Kein Kind wird dumm geboren

Die Junior Uni, eine Europa weit einmalige Einrichtung für junge Forscher, besteht seit fast 10 Jahren. Grund genug, mit Junior Uni-Chef Ernst-Andreas Ziegler eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Aus unserer Mai-Print-Ausgabe - Wuppertal, 12.05.2018 - Prof. Dr. h.c. Ernst-Andreas Ziegler ist der Vater der Junior Uni. Sein „Wunderkind“, das nach anfänglicher Zurückhaltung mittlerweile von nahezu allen Wuppertalern geliebt wird, ist jetzt fast zehn Jahre alt und auf einem sehr guten Weg. Ziegler legt großen Wert darauf, dass der Erfolg des Unternehmens Junior Uni auf Teamwork basiert. Der deutschlandweit einmalige außerschulische Lernort, der bislang auf keinerlei öffentliche Förderung bauen kann, sieht sich der Unabhängigkeit verpflichtet. Stattdessen ist das „Kind“ Junior Uni aber mit großzügiger Unterstützung vieler Wuppertaler Unternehmen als Paten aufgewachsen.

Das weitverbreitete Vorurteil mancher Menschen, der Lernerfolg junger Menschen hänge allein von ihrem angeborenen Genen ab, kann der Gründer widerlegen: „Kein Mensch wird dumm geboren. Jedes Kind ist neugierig und wissensdurstig. Man muss es nur fördern und ohne Druck fordern. Dazu bedarf es Vorbilder. Die lehren bei uns!" Der Geldbeutel der Eltern spielt jedenfalls bei der Vergabe der Kursplätze nicht die geringste Rolle. Peter Pionke unterhielt sich mit Ernst-Andreas Ziegler.

DS: Sie benötigen jährlich rund 1,4 Millionen Euro an Spendengeldern, um den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten. Wie schwer fällt Ihnen die ständige ‚Bittstellerei‘?

Ernst-Andreas Ziegler: „Für mich selbst hätte ich große Hemmungen, jemanden um finanzielle Hilfe zu bitten. Doch Geld für dieses Bildungsprojekt zu sammeln, das es noch nirgendwo gegeben hat und das überaus wichtig für junge Menschen ist - damit hatte und habe ich keine Probleme. Außerdem traf ich beim Geldsammeln auf sehr aufgeschlossene und gemeinwohlorientierte Gesprächspartner. Sehr ermutigend war die Unterstützung unseres wichtigsten Kooperationspartners, der Bergischen Universität, ihres Rektors Prof. Koch und vieler Professorinnen und Professoren.

DS: Als ‚Fundraiser‘ macht Ihnen trotzdem so schnell keiner etwas vor…

Ernst-Andreas Ziegler: „Mag sein. Doch für den Beruf des Fundraisers, also des professionellen Geldsammlers, bin ich nicht geboren. Es gab aber eine Geschichte am Rande: Ein Bergisches Unternehmen, das ich mehrfach und schließlich erfolgreich um Mitfinanzierung gebeten hatte, hat mich anschließend für den Direktvertrieb engagieren wollen. Ich hätte diese Aufgabe niemals meistern können. Ich kann eben nur für die Junior Uni begeistern oder für Wuppertal und das Bergische Land.“

DS: Die Junior Uni ist ein Erfolgs-Projekt. Wie groß ist die Gefahr, dass sich in der Öffentlichkeit der Eindruck breit macht, sie sei jetzt ein Selbstläufer und sie benötige keine weitere Hilfe?

Ernst-Andreas Ziegler: „Wir kämpfen gegen diesen Eindruck. Er vermittelt ein völlig falsches Bild. Die Junior Uni erfordert ein nie endendes Werben um finanzielle private Geldgeber. Das kostet Kraft, doch es lässt uns nie bequem werden. Dies wird sich auch dann nicht ändern, falls sich die Politik entschließen sollte, uns künftig mit Teilbeträgen zu fördern. Wir sind offen für Kooperation, doch wir werden niemals unsere Unabhängigkeit von Politik und Verwaltung aufgeben. Diejenigen Unternehmen, Stiftungen und Einzelpersonen, die uns seit langem fördern, kennen unsere Situation genau. Sie gehen mit Herzblut unseren Weg mit. Als von der Bürgerschaft getragene Einrichtung wird die Junior Uni noch in 20 Jahren existieren.

DS: Was ist schwerer, eine solche Einrichtung aufzubauen oder sie zu erhalten?

Ernst-Andreas Ziegler: „Mut zur Zukunft verlangt beides. Wir hatten und haben ein hochkompetentes und leidenschaftlich engagiertes Team. Das gilt für meine grandiosen Kolleginnen in der Geschäftsleitung, also für meine Mitgeschäftsführerin Dr. Ina Krumsiek, unsere Prokuristin Dr. Ariane Staab und für alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und das gilt für unsere Gesellschafter, unsere Beiratsmitglieder, den Vorstand unseres Fördervereins und natürlich für sämtliche Dozentinnen und Dozenten. Jeder ist mit Leidenschaft dabei, hat Anteil am Erfolg der Junior Uni und arbeitet daran, dass wir die Qualität unserer Kurse ständig verbessern.

DS: Wie sehr sind Sie mit der politischen Unterstützung auf lokaler und regionaler Ebene zufrieden?

Ernst-Andreas Ziegler: „Anfangs war diese Unterstützung euphorisch, dann zweitweise wegen unterschiedlicher Ansichten zu unseren Neubauplänen problematisch, doch seit etwa sieben Jahren ist sie wieder exzellent. Besser geht es nicht! Die einstigen zwischenzeitlichen Verstimmungen sind Schnee von gestern. Alle Beteiligten, auch aus der Politik, schauen nach vorn.“

DS: Wie sehr sind Sie mit der politischen Unterstützung auf überregionaler Ebene zufrieden?

Ernst-Andreas Ziegler: „NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, einer unserer Schirmherrn, ist begeistert vom Konzept der Junior Uni. Er wird klären, ob wir künftig teilweise unterstützt werden können. Diese Perspektive haben wir uns mit vielen hart erarbeitet. Zum Beispiel mit Wissenschaftlern der Bergischen Universität und Lehrerinnen und Lehrern aller Schulformen bei der Entwicklung neuer Lehr- und Lernformen, die dem gesamten Bildungssystem in Deutschland zu Gute kommen können. Der nachhaltige Lernerfolg für unsere Studierenden ist ebenfalls wissenschaftlich nachgewiesen. Und unser pädagogisches Konzept, das auf Vorgaben von Prof. Mönter, der einst Drehbücher für die Löwenzahn-Fernsehserie schrieb, und seiner schulerfahrenen Frau Hildegard aufbaute und immer wieder verbessert wird, interessieret Bildungsexperten nicht nur aus Deutschland.

DS: Sie sind gelernter Journalist. Haben Sie sich persönlich - oder Ihr beruflicher Blick - durch den Aufbau und den Betrieb der Junior Uni verändert?

Ernst-Andreas Ziegler: „Ganz sicher. Ich bin nach wie vor mit ganzem Herzen Journalist, doch zusätzlich bin ich leidenschaftlicher Unternehmer geworden.

DS: Wenn Sie - was die Junior Uni angeht - die Uhr noch einmal zurückdrehen könnten, was würden Sie aus heutiger Sicht anders machen?

Ernst-Andreas Ziegler: „Wahrscheinlich nichts. Ich hatte unfassbares Glück. Von der ersten Stunde unterstützten uns viele der Besten aus der Wirtschaft, aus dem Sparkassen- und Bankenbereich und der Wissenschaft. Und alle, die an der Junior Uni arbeiten, sind erste Klasse. Die Junior Uni ist also ein Gemeinschaftswerk. Aber natürlich bin ich dankbar und stolz auf meinen Anteil, doch allein wäre ich chancenlos gewesen. Wir haben in diesen knapp zehn Jahren über 60.000 Kursplätze vergeben und 35.000 Plätze auf Wartelisten nicht abarbeiten können. Aktuell haben wir 3.300 Plätze in diesem Semester und 2.300 Bewerber auf der Warteliste. Das packt man nicht allein.“

DS: Wie gut sehen Sie denn die Junior Uni für die Zukunft aufgestellt?

Ernst-Andreas Ziegler: „Die Weichen auf der Leitungsebene sind gestellt. Selbst wenn mir etwas passieren sollte, geht es weiter. Doch solange ich kann, bleibe ich an Bord.“

DS: Wie ist es generell um die Zukunftschancen der jungen Menschen bestellt?

Ernst-Andreas Ziegler: „Damit unsere Kinder und Enkel später ein selbstbestimmtes Leben führen und eine Familie gründen können, müssen sie hervorragend ausgebildet sein. Dafür machen wir sie stark und selbstbewusst. Zusätzlich zum Kindergarten und zur Schule ist ein außerschulischer Lernort wie die Junior Uni, wo sie ohne Druck große Freude beim Experimentieren und Forschen haben, überaus hilfreich. Darum gibt es uns für Studenten ab vier Jahren bis zum Abitur. Eigentlich sind wir so etwas wie ein Sportverein für nachhaltigen Wissenserwerb. Solche außerschulischen Lernorte würden auch andere Regionen stärken.“

DS: Und haben Sie von Ex-Bayer-Standortleiter Dr. Klaus Jelich, einem studierten Chemiker, die Zusage erhalten, dass er als Gast-Dozent an der Junior Uni unterrichten wird?

Ernst-Andreas Ziegler: „Dr. Klaus Jelich wird das machen. Wir müssen nur noch die Details abstimmen. Er passt wunderbar zu uns.“

DS: Sie arbeiten absolut ehrenamtlich für die Junior Uni, nur für den berühmten symbolischen Euro pro Jahr. Wie viele Stunden pro Woche engagieren Sie sich?

Ernst-Andreas Ziegler: „Von Nichts kommt Nichts. Dr. Ina Krumsiek und Dr. Ariane Staab kümmern sich weitgehend um das Operative. Das machen sie großartig. Würde ich sämtliche Stunden für die Junior Uni auch am Abend, am Wochenende und von unterwegs, wenn ich als Berater im Bildungsbereich oder für Kommunen herumreise, und am Laptob kommuniziere, zusammenzählen, dann war und ist das kein Nebenjob. Aber ich mache ihn sehr gern!“

DS: Was sagt eigentlich Ihre Ehefrau dazu, dass Sie noch immer so viel Zeit und Energie in die Junior Uni investieren?

Ernst-Andreas Ziegler: „Ich bin dankbar, dass sie es unterstützt, ebenso wie unsere erwachsenen Kinder. Sie geht frühmorgens aus dem Haus und hat oft einen sehr anstrengenden Arbeitstag. Soll ich in der Zwischenzeit vielleicht mit dem Henkelmann durch die Gegend laufen? Nein! Ich habe da nämlich lebenslang eine ganz persönliche Horrorvision: Alte Männer auf der Parkbank, die darüber jammern, was ihnen das Leben alles vorenthalten hat und wie gemein es war, dass ihnen irgendwelche Kollegen vorgezogen wurden. Ich würde einfach nur davonrennen.“

 

Die Unterstützer der Junior Uni

Die Jackstädt-Stiftung, die E/D/E-Stiftung und die E/D/E, Knipex, Vorwerk, Vorwerk Autotec, Becker, Gira, Barmenia, Bayer, Coroplast, Schmersal, Berger Gruppe, Wurm, Walbusch, TKM, Radprax, Wuppertaler Stadtwerke, ENGIE, Wupperverband, HAKO-Gruppe, die bergischen Unternehmerverbände VBU, die Bethe-Stiftung, die Mercator-Stiftung und viele andere.

Hofaue 75 | 42103 Wuppertal
| 0202 75 89 03-30
| Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!