Erik Schönenberg, 1. Vorsitzender des Neuen Kunst-Vereins Wuppertal Erik Schönenberg, 1. Vorsitzender des Neuen Kunst-Vereins Wuppertal Foto: Ralf Silberkuhl

Schönenberg: Künstler finden nur schwer ein Forum...

Er muß es wissen! "Für die Künstler ist es schwer, ein Forum für ihre Arbeit zu finden", sagt Erik Schönenberg, 1. Vorsitzender des Neuen Kunstvereins Wuppertal.

Aus unserer Februar-Print-Ausgabe, Wuppertal, 13.02.2018 - In der Reihe „Wuppertal - Deine Galerien“ stellen der Maler Christian von Grumbkow und der Foto-Künstler Ralf Silberkuhl Wuppertals renommierteste Galerien vor. Diesmal haben sie Erik Schönenberg, 1. Vorsitzender des Neuen Kunstvereins Wuppertal, der 2009 gegründet wurde, in den Galerie-Räumen des Vereins im Kolkmannhaus (Hofaue 51) besucht.

CvG: Gab es für die Gründung ein Schlüssel-Erlebnis?


Erik Schönenberg: „Zur Vereinsgründung führte einerseits das Angebot der Stadt, die Räume im Kolkmannhaus zur Verfügung zu stellen, andererseits das Engagement vieler Kunstinteressierter und Kunstschaffender, ein neues Forum zu bilden. Wesentlich war aber vor allen Dingen einen Ort für eine Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst zu bekommen, der sowohl regionale wie überregionale Aktivitäten miteinander verknüpft.“


CvG: „Führen Sie den Verein hauptberuflich oder nur als Nebenjob?

Erik Schönenberg: „Die Mitglieder des Vereins engagieren sich ehrenamtlich, auch der Vorstand. Das heißt, alle, die sich dort einbringen, verdienen ihr Geld auf anderem Weg. Alle finanziellen Mittel, in der Regel Fördergelder, die der Verein einwirbt, fließen zu 100 Prozent in die Aktivitäten des Vereins.“


CvG: „Nach welchen Kriterien wählen Sie die Künstler*innen aus, deren Werke Sie ausstellen?

Erik Schönenberg: „Die Künstlerinnen und Künstler bzw. die Ausstellungen werden von den Mitgliedern des Vereins ausgesucht. Hierzu gibt es regelmäßig offene Treffen, um sich über die Ausrichtung, Entwicklung und die Programme auszutauschen. Aus den Vorschlägen und Ideen der Mitglieder bildet sich dann das Programm.“ 

CvG: Gibt es Kunst, die Sie strikt ablehnen?

Erik Schönenberg: „Im Austausch setzen wir uns über die Künstler*innen und Ausstellungen auseinander. Meistens mit den Fragen, passen die Vorschläge nach Wuppertal, in die Räume und sind sie ein Versuch, etwas Neues zu entwickeln bzw. was für Aussagen treffen die Künstler*innen. Wir können über Inhalte streiten und ob die gefundene Gestaltungsform adäquat ist - das ist ja auch eine Qualitätsfrage. Aber Kunst strikt ablehnen, das geht ja schlecht.“


CvG: Ist es heute leichter oder schwerer, vom Verkauf von Kunstwerken zu leben?

Erik Schönenberg: „Für die meisten Künstler*innen ist es schwer, ein Forum für ihre Arbeiten zu finden und ihre Arbeit entwickeln zu können. Dazu gehört auch, gute Galerien und Käufer*innen zu finden. Das wird früher nicht anders gewesen sein.“


CvG: Wie gehen Sie mit Kunden um, die Kunst lediglich als Einrichtungs-Gegenstand sehen – wie eine Vase oder eine Lampe?

Erik Schönenberg: „Die Hauptarbeit des Vereins ist es ja, Kunst vorzustellen und zu vermitteln. Das passiert zum einen durch die Ausstellungen, zum anderen durch die Veranstaltungen. Wir vermitteln die Möglichkeit, sich mit Kunst auseinanderzusetzen und hoffen dadurch, dass sie nicht nur als Einrichtungsgegenstand verstanden wird. Das klappt übrigens schon bei unseren Schulkooperationen, bei denen Kinder und Jugendliche früh ein Gespür dafür entwickeln. Davon ab ist gegen eine gute Vase nichts einzuwenden.“

CvG: Wie ist es im digitalen Zeitalter um den Künstler-Nachwuchs bestellt?

Erik Schönenberg: „Wir sehen hier keinen Zusammenhang, der Künstler*innen-Nachwuchs ist auch im digitalen Zeitalter in den klassischen Sparten Malerei und Bildhauerei hoch. Natürlich ändern sich auch die Techniken und Mittel, die Ausdrucksformen erweitern sich. Es ist ja auch zu begrüßen und notwendig, sich mit der eigenen Zeit auseinanderzusetzen; das ist für Künstler*innen gar nicht anders möglich.“

CvG: Haben Sie bereits einmal bei der Auswahl eines Künstlers und seiner Werke für eine Ausstellung in Ihrer Galerie völlig danebengelegen?

Erik Schönenberg: „Natürlich gibt es auch Unterschiede in den Ausstellungen. Dies passiert schon deshalb, weil wir einen Vorlauf von ein bis zwei Jahren einplanen müssen, und manchmal entstehen dann andere Ausstellungen, als wir erwartet haben. Gerade dies ist aber auch eine Herausforderung, bei der wir auch neue, spannende Entdeckungen machen können. Und als Vereinsmitglieder haben wir natürlich auch unterschiedliche Meinungen, das macht die Zusammenarbeit ja gerade aus.“

CvG: Haben Ausstellungsräume und Vereine eine Zukunft oder läuft auch Ihnen das Internet irgendwann den Rang ab?

Erik Schönenberg: „Das Internet erweitert die Möglichkeiten, einerseits zur Information, andererseits zur Gestaltung, hat aber in der Präsentation von Kunst auch klare Grenzen: Die Abbildung kann das Original nicht ersetzen, der Kontext von Raum und Ausstellungspräsentation fehlt ebenso wie der soziale Raum des Austausches im Rahmen einer Ausstellung. Etwas anderes ist Kunst im und für das Internet. Die ist aber noch wenig rezipiert und nicht zu verwechseln mit der reinen Information.“

CvG: Vielen Dank für das interessante Gespräch

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