Zwei beeindruckende und erfolgreiche Frauen: Natalie Mekelburger (l.) und TV-Moderatorin Judith Lakers bei der Preisverleihung zur "Unternehmerin des Jahres" Zwei beeindruckende und erfolgreiche Frauen: Natalie Mekelburger (l.) und TV-Moderatorin Judith Lakers bei der Preisverleihung zur "Unternehmerin des Jahres" Foto: EY

Die „Entrepreneurin“ hat alles im Griff

Der Wuppertaler Globalplayer Coroplast feiert in diesem Jahr sein 90jähriges Firmen-Jubiläum. Das Unternehmen hat keine Angst vor Elektro-Autos - dank ihrer „Entrepreneurin“, die alles im Griff hat.

Aus unserer März-Print-Ausgabe - Wuppertal, 06.03.2018 - Sie ist „Entrepreneur of the year“. Der Titel gehört zu den weltweit bedeutendsten Auszeichnungen für die besten inhabergeführten mittelständischenUnternehmer in Deutschland und wird an deren prägende Führungspersönlichkeiten verliehen. Wegen des mehrdimensionalen Begriffsverständnisses weiss indessen kaum einer, was das Wort mit den französischen Wurzeln „Entrepreneur“ genau bedeutet.

Fest scheint zu stehen, dass es nicht unbedingt etwas mit einem Entrecôte-Steak gemein hat, sondern Ausdruck für eine kreative Persönlichkeit mit herausragenden, unternehmerischen Fähigkeiten.

Und da sind wir schnell bei der Wuppertalerin Natalie Mekelburger, die 2017 von der renommierten Beratungsgesellschaft „EY“ (früher Ernst &Young) in der Kategorie „Industrie“ zur Unternehmerin des Jahres 2017 gekürt wurde, das Ganze auf einer festlichen Gala vor rund 700 illustren Gästen aus Wirtschaft und Politik im Berliner „Deutschen Historischen Museum“.

Natalie Mekelburger ist Chefin des familiengeführten, weltweit agierenden Unternehmens Coroplast, das seinen Stammsitz in Wuppertal hat. Seit 2006 in dieser Position, steigerte die Mutter zweier Töchter den Umsatz des Autozulieferers, um mehr als das Doppelte auf die Rekordsummen von knapp einer halben Milliarde Euro.

Coroplast-Werke gibt es inzwischen auf der ganzen Welt immer nah am Kunden, so in Polen, China, Tunesien, den USA, Mexiko und Moldawien. Das hätte sich Firmengründer Fritz Müller, ihr Großonkel, so sicher nicht vorstellen können, sagt sie heute.

Tragisches Schicksal

Fritz Müller kam im Juni 1945 bei einem Raubüberfall in der Notunterkunft auf dem Firmengelände ums Leben. Er wohnte dort mit seiner Familie, weil sein Haus durch Bomben zerstört worden war. Natalie Mekelsburgs Vater Dr. Kurt Müller, Neffe des Firmengründers Fritz Müller, trat 1976 für die nächsten 30 Jahre als allein verantwortlicher Geschäftsführer an die Spitze des Unternehmens. Gegen den Willen des Vaters, der noch in einer Macho-Welt geprägt wurde und sich nicht vorstellen konnte, dass sein Unternehmen mal von einer Frau geführt werden würde, trat die studierte Betriebswirtin als eines von vier Kindern die Firmennachfolge an. Weder die Schwester noch die beiden Brüder hatten Ambitionen auf die Nachfolge.

In diesem Jahr feiert Coroplast sein 90jähriges Firmenjubiläum, das Motto zielt auf die Kreativität „90 years creating connections“ und sieht sich selbst
als ein starkes Lebenszeichen des deutschen Mittelstands. 1928, noch von der Textilindustrie beeinflusst, in Barmen als lokaler Hersteller von Elektroisolierbändern gestartet, ist Coroplast längst in der Champions League deutscher Ingenieurskunst angekommen – und hat spätestens mit der Auszeichnung von Natalie Mekelburger als „Unternehmerin des Jahres 2017“ den Status des „Hidden Champion“ abgelegt.

Weltweit 6.000 Mitarbeiter

In einem feierlichen Rahmen hielt Firmenchefin Natalie Mekelburger jetzt in Halle zwölf an der Wittener Strasse eine Festrede vor der Wuppertaler Belegschaft, die per Video-Livestream an alle internationalen Standorte der Firma übertragen wurde. In Wuppertal hat Coroplast 900 Mitarbeiter, weltweit sind es rund 6.000.

Wie ausgeprägt das Mitarbeiterverständnis ist, belegt die auch Auszeichnung „Top Employer Deutschland Mittelstand 2018“, die man soeben am 13. Februar in Düsseldorf für Mitarbeiterorientierung jetzt gleich zum zehnten Male verliehen bekam.

Tatsächlich sprechen arbeitnehmerfreundliche Arbeitszeitmodelle, freier Eintritt ins Fitnessstudio und eine interne Weiterbildungseinrichtung für Unternehmen. Fast überall trifft das Auge hier auf Kunstgegenstände. Skulpturen stehen im Foyer und im Mitarbeiterpark, an den Wänden von Büros und Fluren hängen Bilder. Mitarbeiter werden zur "Kunstpause" geladen. „Unser Unternehmen soll ein Ort der Anregung, nicht nur der Anstrengung sein,“ sagt die Firmenchefin.

Pionier der Kunststoffverarbeitung

Natalie Mekelburger, die die Mitarbeiter auch schon einmal mit einem Porsche Panamera durch das Firmengelände flitzend erleben, ging in ihrem Vortrag auf die eindrucksvolle Firmengeschichte ein. Im Laufe der 1930er Jahre beschäftigte sich das Unternehmen als eines der ersten mit der Nutzung und Verarbeitung von Polyvinylchlorid (PVC) und gilt damit als weltweiter Pionier der Kunststoffverarbeitung.

Ende der 1940er Jahre wurde das Unternehmen zu Coroplast Fritz Müller umbenannt. PVC wurde in den Folgejahren zu Folien kalandriert, wodurch eine Basis für selbstklebende Isolierbänder geschaffen wurde. Auch bei Kleberohstoffen setzte man nicht auf bis dato übliche Kautschuk-Arten, sondern auf eine neue Form der Acrylate in wässrigen Dispersionen. Auch hier festigte Coroplast seine Pionier-Rolle, da der Einsatz Lösungsmittel freier Kleber aus ökologischer Sicht eine Neuheit war.

Der Grundstein für heutige Geschäftsbereiche war gelegt. Im Laufe der Jahre wurde das herkömmliche PVC durch thermoplastische Materialien ergänzt. Bei Kabel und Leitungen ist Coroplast mit an der technologischen Spitze. 80 Prozent des Umsatzes wird heute mit Autofirmen gemacht. Kooperations- und Lieferverträge gibt es mit den Autokonzernen VW, Tesla und Daimler, mit denen man auch gemeinsam entwickelt. Unglaublich für den Laien: Drei bis fünf Kilometer Kabel stecken in jedem Auto. Was aber, wenn demnächst Elektroautos dominieren?

5 km Kabel in jedem Auto

Natalie Mekelburger ging in ihrem Vortrag auf die großen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft ein. „Elektroauto? Das führt zu mehr Technik im Auto und damit auch zu neuen Produkten und Lösungen. Wir lassen uns nicht einschüchtern“, rief sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu, als sie auch auf die geopolitischen Risiken zu sprechen kam.

Sie nannte in dem Zusammenhang das aus Ihrer Sicht kleinkarierte Berliner Gezerre um die Regierungsbildung sowie den US-amerikanischen Protektionismus und das chinesische Streben um die wirtschaftliche Vormachtstellung in der Welt.

Ihr ausdrücklicher Dank ging an die Belegschaft, ohne die die Erfolge der letzten Jahrzehnte nicht möglich gewesen wären. Für den feierlichen Rahmen sorgte die Musikgruppe „ Fascinating Drums“, die mit ihrer Show-Produktionen zu Europas erfolgreichste Musikgruppen der Militär- und Blasmusik zählt.

Feier mit Riesen-Mamorkuchen

Daneben wurde von Natalie Mekelburger der Anstoss zu einer eindrucksvollen effektiven Show über die Macht der Dominosteine gegeben, bei der die weltweiten Verbindungen der Firma ausdrucksvoll ins Bild gesetzt wurden. Ein Riesen Marmorkuchen für alle Besucher und Mitarbeiter schnitt die Firmenchefin schließlich am Ende höchstpersönlich an.

Jetzt stehen noch weitere Jubiläums-Highlights mit über das ganze Jahr verteilten Events an. Und Coroplast-Chefin Natalie Mekelburger, sie sich selbst für uneitel hält, Golfsport und Skifahren liebt, gerne Kunstausstellungen oder klassische Konzerte besucht und fördert, wird Deutschland beim „EY World Entrepreneur Of The Year Award“ vertreten, an dem die Unternehmerinnen und Unternehmer des Jahres aus 60 Ländern teilnehmen.

Die Preisverleihung findet im Juni 2018 in Monaco statt.

Text: Siegfried Jähne

 

 

 

 

 

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