"Marlene" alias Uwe Dresen hinter seinem Zapfhahn "Marlene" alias Uwe Dresen hinter seinem Zapfhahn Foto: Thomas Sänger

Kultkneipe Marlene: Wie zuhause…nur lustiger

Unsere Reporterin Nina Gottwald hat der Kultkneipe "Marlene" auf der Hochstraße einen Besuch abgestattet und ist dabei auf einen/eine hochinteressanten Protagonisten/in getroffen.

Aus unserer Mai-Print-Ausgabe - Wuppertal, 15.05.2018 - Schwarze Tücher hängen von der Decke, die Wände sind in dunklem Violett gefärbt. Blaue und rote Lampen tauchen die zwei Räume in trübes Licht. An den abgewetzten Holztischen sitzen oder stehen Menschen jeden Alters. Große Gruppen, die laut lachend das eine oder andere Bier trinken oder Pärchen, die sich still und verträumt in die Augen blicken. Seit 33 Jahren gibt es die Kultkneipe „Marlene“ an der Hochstraße in Wuppertals Nordstadt. Ein Szenelokal mit einem ganz besonderen Flair und einem noch außergewöhnlicheren Wirt. 

Uwe Dresen ist Besitzer der Kultkneipe und hat ihr ein besonderes Motto gegeben: Marlene Dietrich. Die Erinnerung an die Film-Ikone ist Uwe Dresen wichtig. Ein Bild von ihr prangt nicht nur in riesigem Format auf der Fassade seiner Kneipe, ihr Name ist auch Programm.

Kaum hat man die Schankwirtschaft betreten, ertönt die herzliche Begrüßung von Uwe: "Hallöchen, Tach Kinder, Hereinspaziert!" und man fühlt sich in eine andere Welt zurückversetzt.
Überall erblickt man die Diva Marlene Dietrich auf zahlreichen Bildern, Postern, Postkarten und Gemälden an den Wänden. Im hinteren Teil der Wirtschaft findet sich ein kleiner Saal mit Bühne und Flügel.

Immer wieder finden hier verschiedene Programme von Travestie bis hin zu Liederabenden oder Buchlesungen statt. Hinter der Theke erwartet Besitzer Uwe Dresen die Gäste.
Make-up, Lidstrich, Lippenstift, Lieblingsfarbe Schwarz - Nicht nur seine Kneipe, auch Uwe Dresen ist ein echtes Unikat. Er sei ein lebendes Werbeschild, sagt Dresen über sich selbst. Dem kann man nur zustimmen, wenn man dem 1,82m großen Mann von mächtiger Statur begegnet.

Dresen ist stets in schwarze wallende Frauengewänder gehüllt, die Augen hat er dunkel umrandet, die Lippen weinrot bemalt. Seine Handgelenke sind mit Armreifen behangen, an seinen Händen trägt er Ringe mit großen Steinen. Seine braunen leicht gewellten Haare glitzern im schummrigen Licht und sein ansteckendes Lachen macht den gebürtigen Wuppertaler zu einer echten Frohnatur.

Doch nicht nur in der Schwebebahnstadt ist er bekannt, auch weit über die Stadtgrenzen hinaus kennt man ihn und seine Kultkneipe. „Über die Jahre sind natürlich auch einige Gäste aus Wuppertal weggezogen. Wenn sie dann in ihrer alten Heimat zu Besuch sind, ist die Kneipe immer noch ein Anlaufpunkt für sie. Hier hat sich ja seit über 30 Jahren nichts verändert“, sagt Uwe Dresen.

Die Gäste in der Schankwirtschaft sind ähnlich vielschichtig wie ihr Wirt selbst. Von Ehepaaren, Pastoren, Anwälten, Polizisten, Künstlern oder Arbeitslosen ist alles dabei. Die Marlene ist für die Gäste alles Mögliche: Vom Wohnzimmer, über den Therapieplatz bis hin zur Oase der Entspannung. „Hier ist es wie zu Hause… nur lustiger“, bemerkt einer seiner Stammgäste schmunzelnd.

Dresen hat Spaß an dem, was er macht und er hat damit Erfolg. Nicht nur, weil der Chef das sprichwörtlich offene Ohr für jeden Gast hat. Er habe einfach den Beruf gefunden, der zu ihm passe. „Mein Job ist ein reines Improvisationstheater – man weiß nie was kommt“.

Dresen hatte aber nicht immer den Wunsch Kneipier zu werden. Nach seinem Abitur machte er eine Ausbildung in der ehemaligen Stadtgärtnerei auf der Hardt.

Danach studierte er Biologie, Chemie und Erziehungswissenschaften auf Lehramt an der Bergischen Universität in Wuppertal und wechselte nach seinem abgeschlossenen Grundstudium nach Düsseldorf, um dort sein Diplom zu machen. Dies brachte er aber nie zu Ende und eröffnete stattdessen 1985 die Kultkneipe Marlene.

„Ich mache jetzt nur noch Altersteilzeit“, verrät der Kneipier lachend, der – ganz Diva – sein Alter natürlich nicht in der Zeitung lesen möchte. Dreimal die Woche steht Uwe Dresen noch hinter seiner Theke in der Marlene. Dafür hat er sich aber vor zwei Jahren wieder an der Bergischen Universität eingeschrieben und besucht nun gelegentlich Chemie Vorlesungen. „Damit man nicht so ganz verblödet“, scherzt er.

Heute wirbelt er hinter seiner Theke herum, zapft Bier und unterhält sich angeregt mit seinen Gästen. Seine Armreifen klappern und klimpern, als er wild gestikulierend eine seiner zahlreichen Geschichten zum Besten gibt. „Mir hat auch mal ein Wasserturm gehört“, verrät Dresen so beiläufig, als sei es nichts Besonderes.

Bevor er die Marlene in Wuppertal eröffnete, kaufte er den Wasserturm in Lüttringhausen nahe der A1. Wie er dazu kam? „Ach ich wollte immer schon mal einen Wasserturm haben – ja und dann haben wir uns eben einen gekauft. Ich fand den so schön“, erinnert sich Dresen. Bis 1988 war er stolzer Besitzer, doch als er in Heckinghausen die Villa des Brauerei-Besitzers Emil Bremme kaufte, gab er den Wasserturm an seinen Neffen ab.

Plötzlich hört Dresen auf zu gestikulieren, weil ein schmaler 60-Jähriger von einem der Tische aus eifrig in Richtung des Tresens winkt und sein leeres Bierglas schwenkt. „Ach Kinder, kommt her und holt euch euer Bier selbst“, ruft Dresen ihm freundlich über die Köpfe der anderen Gäste hinweg zu.

Es ist schließlich ein offenes Geheimnis, dass Uwe Dresen vorzugsweise hinter seinem Tresen bleibt - und das am liebsten noch für viele Jahre.

Text: Nina Gottwald

 

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