Liebeskummer im Frühling

Der Frühling ist für viele die Jahreszeit, in der nicht nur die Blumen, sondern auch die Emotionen sprießen. Doch was ist, wenn man ausgerechnet in dieser Jahreszeit von Liebeskummer geplagt wird?

Aus unserer März-Print-Ausgabe - Wuppertal 13.03.2018 - An Bäumen und Sträuchern sprießt das frische, helle Grün hervor… eingefahrene Beziehungen scheinen von den ersten warmen Sonnenstrahlen wie neu beflügelt zu sein… Schmetterlinge machen sich in der Körpermitte breit… Pärchen schmieden voller Eifer Pläne für den gemeinsamen Sommerurlaub und unternehmen am Wochenende Kurztrips nach Amsterdam… Frühlingsgefühle liegen in der Luft… frisch verliebte schlendern Hand in Hand durch die Parks… die Welt scheint rosarot und voller Hoffnung und Neubeginn…

Was aber, wenn man ausgerechnet in dieser Zeit von Liebeskummer geplagt wird? Was, wenn die Welt nicht ansatzweise rosarot sondern tief schwarz zu sein scheint? Was, wenn man sich nur noch die Decke über den Kopf ziehen und sich verkriechen möchte? Wenn man morgens beim Aufstehen und abends beim Zubettgehen weinen könnte, und in der Zeit dazwischen sowieso?…

Wenn man wieder einmal feststellt, dass Liebeskummer tatsächlich echte körperliche Schmerzen hervorrufen kann? Wenn man keinen Appetit hat und auch die frisch eröffneten Eisdielen einen nicht mit ihrem bunten Angebot locken können? Wenn die Welt nur noch aus Jungverliebten zu bestehen scheint und man selber vor Unglücklichsein innerlich zerspringen könnte?…

Im Winter kann man sich mit Liebeskummer zumindest noch zu denen gesellen, die einen klassischen Winterblues haben und aufgrund der kalten und dunklen Jahreszeit nicht sonderlich gut drauf sind... da fällt man mit seinem eigenen Liebeskummer nicht ganz so doll auf… kann sich besser „tarnen“… geht in der Masse derer, die sich permanent über das usselige Wetter beschweren und vom Sommer träumen unter…

Aber im Frühling? Da fällt man auf… da ist man mit Liebeskummer quasi doppelter Außenseiter… soll man sich dennoch auf die Hardt begeben und alleine durch den Botanischen Garten wandeln? Soll man sich alleine in eines der Straßencafés setzen und einen Kaffee trinken? Soll man alleine abends im Luisenviertel in einer der Bars einen Weißwein bestellen? Soll man seinen Balkon für sich ganz alleine neu bepflanzen? Soll man das neue luftige Kleid für sich ganz alleine anziehen und ausführen?

Ja – soll man! Man soll unter Leute gehen. Man soll sich hübsch machen. Man soll die Frühlingssonne die traurige Seele wärmen lassen. Man soll der Welt zeigen: „Hallo, hier bin ich wieder! Ich war unendlich traurig, aber jetzt bin ich wieder da. Ich bin bereit, mich neu finden zu lassen und vielleicht auch wieder neu zu verlieben. Die elende Phase der schmerzenden Sehnsucht und des Vermissens habe ich gebraucht, um jetzt wieder neuen Anlauf ins Leben zu nehmen!“

...Und wenn man noch nicht ganz so weit ist, hilft es vielleicht, in ganz kleinen Schritten zu denken. Von Tag zu Tag. Zunächst einmal ein Kaffee auf dem eigenen Balkon, in eine Decke eingewickelt und die Nase vorsichtig an die Frühlingssonne gewöhnen. Am nächsten Tag einen Freund bitten, sich dazu zu gesellen. Und am Tag darauf vielleicht doch mal eine Eisdiele aufsuchen, und feststellen, dass der neue Eis-Verkäufer, der letztes Jahr noch nicht dort gearbeitet hat, sehr süße Grübchen hat, wenn er einen anlächelt…

In diesem Sinne, nach Oscar Wilde: Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

Text: Nina Reinhardt

 

 

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