Weihnachtsbummel auf dem Ölberg Foto: Martin Linke

Weihnachtsbummel auf dem Ölberg

In den vergangenen Jahren hat sich der Ölberg wahrlich zu einem Szeneviertel entwickelt. Spätestens seit meinem Umzug in diese Stadt im vergangenen Jahr, habe ich auch die größten Kritiker aus Familien- und Freundeskreis auf meiner Seite, die damals noch höhnisch über Wuppertal spotteten: „Warum ziehst Du DA freiwillig hin?“

Wuppertal, 06. Dezember 2017 - Nach einem Spaziergang über den Ölberg, mit seinen vielen Treppen, einem tollen Blick über Wuppertal und vielen wunderbar erhaltenen Häusern aus der Gründerzeit, war auch der letzte Kritiker überzeugt: Hier lohnt es sich zu verweilen.

Nun steht die Weihnachtszeit vor der Tür. In meiner Familie bin ich bekannt dafür, alles auf den letzten Drücker zu machen: Wer schindet Zeit? Miriam! Wer gibt wichtige Arbeiten immer am Ende der Frist ab? Miriam! Doch in diesem Jahr möchte ich wenigstens die Weihnachtsgeschenke nicht erst am 24. Dezember kaufen.

Vor einigen Tagen habe ich also die Top-Städte zum Weihnachtsshopping gegoogelt: Mailand, Paris, London, New York. „Ob Selbstgemachtes oder neuester Trend: Dort finden Sie garantiert die passenden Weihnachtsgeschenke für Ihre Liebsten!“ stand dort geschrieben. „Pah“, dachte ich – „das geht auch in Wuppertal!“ Und wo? Natürlich in meinem neuen Kiez - dem Ölberg. Ja, der schöne Ölberg. Hier werde ich sicherlich für jeden ein Weihnachtsgeschenk finden!

Mein Weg führt mich zuerst am Schusterplatz vorbei zur Schmuckschmiede von Ramona Weinert. Schon im Schaufenster funkeln meine Augen, denn Schmuck ist meine große Leidenschaft. Nur leider bin ich ja nicht hier, um etwas für mich zu finden. Meine Mutter liebt Schmuck und Reisen genauso wie ich. Da fällt mir im Schaufenster gleich eine Silberkette mit einem goldenen Anker auf, die wunderbar zu ihr passen würde und beide Leidenschaften miteinander verbindet. Letztlich entscheide ich mich dann aber doch für schlichte goldene Ohrstecker. Die Goldschmiedin Ramona Weinert stellt all ihre Schmuckstücke selber her – zeitlos und dennoch ausgefallen. Was ich toll finde: Sie bietet auch Goldschmiedekurse an.

An meiner nächsten Station treffe ich auf Bea und Jojo, die Besitzer der Manufaktur mithandundherz. Ihre Kleidung stammt aus fair gehandelten Textilien aus Eukalyptus-, Bambus- oder Recycling-Fasern, die die beiden mit grafischer Gestaltung und Siebdruck zu tollen Unikaten machen – mit viel Kreativität und noch mehr Liebe zum Detail. „Wir holen das Handwerk aus der Fabrik ins Schaufenster“, sagen beide. Denn man kann ihnen hier bei der Arbeit an der Siebdruckmaschine zuschauen. Hier werde ich schnell fündig: Ich entscheide mich für ein graues Baumwoll-Shirt mit feinen schwarzen Linien für meinen jüngeren Bruder. Die Beratung der beiden sympathischen Ladenbesitzer ist total nett, und Fragen zur Produktion oder Herkunft der Stoffe beantworten sie gerne. Mit Hand und Herz eben...

Den nächsten Halt mache ich bei Liebesgruss, dem Laden von Anne Jonas-Ulbrich. Was mir gleich beim Betreten ins Auge springt: Vor einem großen Stoffregal sitzt jemand an der Nähmaschine. Hier wird also auch produziert und nicht nur verkauft. Wie ich erfahre, vertreibt Anne hier unter anderem ihre eigens erdachten und produzierten Kollektionen. Toll, dass es so was gibt: Ein eigenes Modelabel, direkt vor meiner Haustür! Mein erster Griff gilt jedoch einer bunten Mütze der Firma Inti. „Die ist aus Alpaca“, erklärt mir der Mitarbeiter. Zuerst dachte ich, er meint eine Stadt, doch dann klärt er mich auf: Gemeint ist peruanische Baby Alpaca-Wolle der höchsten Qualität. Die muss ich mitnehmen! Ob meine kleine Schwester mir die Mütze wohl mal ausleihen wird?

Direkt gegenüber von Liebesgruss befindet sich die Ölberger Taschenmanufaktur – ein Urgestein auf dem Ölberg. Denn, wie mir Silvia Werner erklärt, besteht der Laden bereits seit sechs Jahren. „Erst vor rund zwei Jahren kamen weitere tolle Läden dazu – der Ölberg wird wieder lebendig“, so Silvia. Die herzliche Modedesignerin, mit einem Faible für Taschen, erzählt mir mit Stolz, woraus sie ihre Stücke produziert: Aus Turnmatten, Tanzböden, LKW-Planen, Veranstaltungsbannern und Feuerwehrschläuchen der hiesigen Feuerwehr. Besonders gefällt mir eine kleine graue Umhängetasche, die sicher auch bei meiner Schwägerin Anklang findet. Jede Tasche, jeder Rucksack ist ein Unikat – und ein Stück Wuppertal.

Einmal über die Straße gelaufen, treffe ich auf Stefan Müller. In seinem kleinen Ladenlokal Strangeville Records fühle ich mich gleich herzlich empfangen – und in meine Kindheit zurück versetzt. Denn Stefans Herz schlägt für Vinyl. „Voll oldschool“, wird vielleicht der ein oder andere sagen, aber Stefan ist da anderer Meinung: „Vinyl ist wieder Zukunft. Demnächst wird es kaum noch CDs geben, sondern die Leute werden unterwegs streamen und daheim wieder ihre Platten abspielen.“ Und ich glaube Stefan. Denn auch mein Vater ist seit jeher der Überzeugung, dass sein Plattenspieler Gold wert ist. Bei Strangeville Records gibt es kaum Second Hand-Ware, Stefans Fokus liegt bei Neuauflagen. Und so halte ich eine aktuelle Platte von Tito & Tarantula in der Hand. Mit der, so bin ich mir sicher, wird mir die ewige Liebe meines Vaters sicher sein.

Ein Weihnachtsgeschenk fehlt noch. Und dies kann ich mit Sicherheit bei Nadine Hoegen ergattern, der Inhaberin des Concept Stores Hoegens Urbanität. In Nadines Laden kann ich Stunden verbringen, denn sie kann zu jedem Produkt und seiner Herkunft etwas erzählen. Besonders interessiert bin ich an einem Fahrradsattel aus Naturkautschuk aus England. Nur leider fährt in meiner Familie niemand Fahrrad. Ich widme mich also dem Gin. Der Laden bietet eine tolle Auswahl an Gin-Sorten und dazu passenden Tonic Watern. Die Entscheidung fällt auf einen Gin der Marke gauna, einer Neuerscheinung aus Wolfsburg. Ich denke, der wird meinem Freund gefallen. Zugegeben, ganz uneigennützig ist der Kauf ja nicht – schließlich möchte ich auch mal das ein oder andere Schlückchen probieren…

Auf meinem Weg zurück nach Hause mache ich noch einen letzten Halt - jetzt gönne ich mir endlich auch mal was. Und wo ginge das besser als bei La Petite Confiserie? Julia Bottler macht das, was meine Zahl auf der Waage in die Höhe schnellen lässt: Bei ihr gibt es Torten, Cupcakes, Pralinen, Macarons und vieles mehr. Ein Stückchen Luxus im Alltag möchte sie ihren Kunden durch die liebevoll dekorierten und leckeren Kreationen ermöglichen, die man auch für Hochzeiten, Taufen und andere Anlässe bestellen kann. Meine Wahl fällt auf ein Petit Four und einen leckeren Soja-Milchkaffee.

Noch auf der Suche nach dem passenden Weihnachtsgeschenk für die Lieben?

Am Samstag, 09. Dezember 2017, findet von 11 – 18 Uhr der Ölberger Weihnachtsbummel „Bummeln statt Tummeln“ statt – mit vielen tollen Aktionen und einer Tombola mit vielen Gewinnen der einzelnen Ölberger Läden.

Text: Miriam Genenger

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