Prof. Dr. Thomas Dirschka Prof. Dr. Thomas Dirschka Foto: Privat

Gentechnische Melanom Diagnostik aus Wuppertal für die Welt

In der dritten Folge unserer Serie "Spitzen-Medizin in Wuppertal" stellen wir Ihnen den Dermatologen Prof. Dr. Thomas Dirschka vor: Gentechnische Melanom Diagnostik aus Wuppertal für die Welt.

Aus unserer Mai-Print-Ausgabe - Wuppertal, 10.05.2018 - Früher war der Hautarzt jemand, der Salben verschrieb. Die rasante medizinische Entwicklung hat dieses Berufsbild indessen total verändert. Was vor 20 Jahren kaum einer ahnen konnte: Heute sind auch schwerste Hauterkrankungen behandelbar.

Ob Schuppenflechte oder Neurodermitis - neue antikörperbasierte Therapien erreichen bislang nicht gekannte Therapieeffekte. In Wuppertal ist in den letzten Jahren, von der breiten Öffentlichkeit fast unbemerkt, eines der größten und modernsten Dermatologischen Zentren in Deutschland entstanden. Im Jahre 2013 zog Professor Dr. Thomas Dirschka (51) aus dem Barmer Innenstadtbereich zum Lichtscheid, wo er auf 1000 qm einen hochmodernen Neubau errichten ließ, der heute freilich schon wieder viel zu klein ist.

„Wir werden schon bald anbauen müssen“, verriet der dynamische Mediziner, den man inzwischen auch aus dem Fernsehen kennt. Im ARD-Morgenmagazin gibt er den deutschlandweiten Zuschauern seit Jahren regelmäßig fachkundige dermatologische Ratschläge. Seine ersten medialen Auftritte hatte er übrigens in den Wuppertaler Medien, wo ihn der WDR sozusagen „entdeckte“.

„Innovation“ ist für ihn das Schlagwort schlechthin. Zahlreiche Auszeichnungen schmücken die Wände seiner mit hochmodernen Geräten ausgestatteten Praxis. Nicht weniger als 26 Mitarbeiter sind hier in seinem „Centro Derm“ an der Heinz-Fangman-Straße tätig. Zum bedeutendsten Arbeitsschwerpunkt hat sich inzwischen das onkologische Krankheitsspektrum entwickelt, weil die Erkrankungsrate von Hautkrebs stark angestiegen ist.

Der Häufigkeitsanstieg zeigt sich in einer Verdopplung der Hautkrebsfälle alle 10 Jahre. Da sich manche Hautkrebse über Vorläuferstufen eher langsam entwickeln, kommt den Haut-Screenings eine herausragende, zum Teil lebensrettende Bedeutung zu. Mit einem neuartigen Gerät (OCT) ist es heute bei der Hautkrebsdiagnostik möglich, mit einem Laserscanner schmerzfrei unter die Hautoberfläche zu sehen – dies kann die invasive Entnahme von Gewebe ersetzen. Daneben wurden verschiedene Labortechniken etabliert, bei der mehrere hochspezialisierte Molekularbiologinnen genetisches Material analysieren.

„Das Risiko einer Melanomkrankheit liegt quasi in den Genen. Durch molekularbiologische Untersuchungen lassen sich Risiken einer aggressiven Tumorkrankheit sehr präzise abschätzen. Behandlungskonzepte werden heute immer häufiger auf Basis genetischer Information aus dem Tumor exakt auf die Bedürfnisse der Patienten abgestimmt. Für das maligne Melanom, den aggressiven so genannten „schwarzen Hautkrebs“, analysieren wir hier in Wuppertal Gewebeproben aus der ganzen Welt“, so Professor Dirschka.

Allein in Wuppertal erkranken jährlich rund 800 Patienten am „hellen Hautkrebs“, etwa 80 sogar an dem malignen, also bösartigen schwarzen Hautkrebs. „Wir sind heute in der Lage, dem Patienten jenseits der statistischen Wahrscheinlichkeiten exakte genbasierte Prognosen zu erstellen und entsprechende Therapieempfehlungen zu entwickeln; jede Erkrankung kann und muss dabei individuell betrachtet werden,“ so Professor Dirschka.

Von diesen Möglichkeiten machen inzwischen Patienten aus der ganzen Welt Gebrauch. „Wir bekommen neuerdings Gewebeproben sogar aus Australien“ verrät er. Behandlungsempfehlungen gibt er inzwischen auch mit Hilfe der sogenannten Telemedizin, die in Deutschland wegen unklarer Rechtsbestimmungen noch unterentwickelt ist, aber im Zukunftsprogramm der neuen Bundesregierung zumindest Erwähnung findet. Genutzt wird diese Technik bereits in Kooperation mit Behandlungszentren in Russland.

Die von Prof. Dirschka gegründete Forschungsgesellschaft „CentroDerm“ beteiligt sich an vielen internationalen Studien. Verschiedene Studien, die unter Federführung der CentroDerm durchgeführt wurden, haben inzwischen zur Zulassung neuer Medikamente, unter anderem zur Hautkrebsbehandlung, geführt.

Die operative Dermatologie, die dermatologische Lasertherapien und die ästhetische Dermatologie gehören darüber hinaus zum täglichen Tätigkeitsspektrum in der dermatologischen Privat-Praxis. Die Haut als wichtigstes Kontaktorgan zur sozialen Umgebung spielt für die Attraktivität des Menschen eine besondere Rolle, so Dirschka, der an der Universität Witten-Herdecke in Forschung und Lehre tätig ist. Dagegen spielen die „Klassiker“ der früheren Jahre, die Geschlechtskrankheiten, jedenfalls in Wuppertal, nur noch eine ganz untergeordnete Rolle.

In Deutschland leidet bisher etwa jeder Vierte an einer Hauterkrankung oder an Hautveränderungen. Die Zahl der Hautpatienten hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt und steigt stetig weiter. Der Behandlungsbedarf ist nicht nur wegen der höheren Lebenserwartungen merklich angestiegen. Allergien spielen hier ebenso eine besondere Rolle. Die Belastung durch künstliche (Solarien) oder natürliche Sonnenstrahlen erhöht das Hautkrebsrisiko. Arbeitslosigkeit jedenfalls dürfte den agilen Mediziner in Zukunft wohl kaum ereilen.

Kein Wunder, dass er bei der Frage nach seinen Hobbys lächelnd die Axel zuckt. „Dafür ist kaum noch Zeit“ bekennt er.

Text: Siegfried Jähne

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