Prof. Dr. Nikolaus Reifart Prof. Dr. Nikolaus Reifart Foto: Siegfried Jähne

Herzinitiative: Kampfansage dem Herzinfarkt

In einer neuen Serie legen wir Ihnen die Medizin in Wuppertal as Herz. In der ersten Folge get es um die Gründung der "Herzinitiative" - Kampfansage dem Killer Nummer eins: Beim Herzinfarkt zählt jede Sekunde.

Aus unserer März-Print-Ausgabe - Wuppertal, 11.03.2018 - Wuppertal ist in der medizinischen Versorgung für Herzkranke besonders gut aufgestellt. Das Elberfelder „Helios Herzzentrum“, die Klinik für Kardiologie am Petrus Krankenhaus in Barmen sowie das Kardiologische Zentrum der Agaplesion Bethesda Klinik in Elberfeld stehen für Hochleistungsmedizin.

Die Kliniken in Wuppertal investieren im Kampf gegen die Todesursache Nummer eins, den Herz-Kreislauferkrankungen, teils dreistellige Millionenbeträge. Keine Frage, die Akutversorgung von Herzinfarkt-Patienten in Wuppertal kann sich wirklich sehen lassen.

Das Problem liegt woanders. Während in den Kliniken modernste Behandlungsmöglichkeiten warten, verstreicht im Vorfeld oft wertvolle, unwiederbringliche Zeit. Jeder zweite Herzinfarktpatient kommt zu spät oder gar nicht in die nächst erreichbare Klinik, weil bei einem Herz- und Kreislauf-Stillstand der Rettungsdienst nicht rechtzeitig eintrifft. 

Auf Initiative von Professor Hartmut Gülker (langjähriger Direktor der Kardiologischen Klinik bei Helios bzw. vormaligen Klinikum Wuppertal GmbH), wurde jetzt „Die Wuppertaler Herzinitiative e.V.“ gegründet, die ein richtungsweisendes Rettungskonzept entwickelt und in Wuppertal und im Bergischen Land dem Herztod - insbesondere nach Herzinfarkt - durch intensivere Beteiligung der Bevölkerung entgegenwirken will.

Bei einem Herzinfarkt zählt jede Sekunde. Es muss über den Notruf 112 sofort ein Notarzt gerufen werden. Doch genau hier liegt das erste Problem: Viele Betroffene kennen die Anzeichen für einen Infarkt nicht und rufen gar nicht oder zu spät einen Arzt.

Prof. Dr. Hartmut Gülker: „Die Menschen warten zu lange oder scheuen sich, nachts den Notruf 112 zu wählen. Deshalb vergehen hier oft Stunden. Optimal ist es, zehn Minuten nach Auftreten der Schmerzen anzurufen, die besten Überlebenschancen hat man innerhalb der ersten drei bis sechs Stunden“.

Das Konzept der Herzinitiative zielt darauf ab, ein spezielles „Herzretter-System“ aufzubauen, bei dem Laien zusammen mit dem Rettungs- und Notfalldienst zusammen wirken. Bei einem plötzlichen Herzstillstand soll der nächst erreichbare geeignete Laienhelfer zur Reanimation durch Herzdruckmassage gerufen werden, um die lebenswichtigen 8–10 Minuten bis zum Eintreffen professioneller Hilfe überbrücken zu können.

„Ziel muss sein, den Kreislauf innerhalb von fünf Minuten wieder in Gang zu setzen. Der Notarztwagen brauche aber zwischen acht und neun Minuten, um vor Ort zu sein.

Ersthelfer gesucht

Die Wuppertaler Herzinitiative will zu diesem Zweck Ehrenamtler nach einem besonderen Konzept zu Ersthelfern ausbilden und mit einer Notfall-App für das Handy ausstatten, über die sie zu Menschen in Not gerufen werden können.

Die Initiative knüpft ein „Bergisches Herznetz“, in dem alle an der kardialen Notfallversorgung beteiligten Angehörigen der Heilberufe zusammenwirken sollen. Dabei will sie Möglichkeiten einer Qualitätssteigerung, insbesondere durch kürzeste Reaktionszeiten, erarbeiten. Bedingt durch die Nähe, können Ersthelfer oftmals vor den professionellen Rettungskräften vor Ort sein.

Prof. Dr. Hartmut Gülker: „Wir möchten alle Wuppertaler, die sich eine Aus- oder Weiterbildung zutrauen, ansprechen und sie bitten, sich zu beteiligen. Medizinische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich“.

Vorsitzender des sechsköpfigen Vereins der Herzinitiative e.V. ist der Lokalpolitiker Thomas Kring, sein Vertreter Prof. Hartmut Gülker. Ebenfalls aus der Lokalpolitik kommt Michael Müller, daneben sind Detlef Strohfeldt, (Schatzmeister) und Josef Achilles Vorstandsmitglieder, Klaus H. Richter Beauftragter.

Prof. Dr. Nicolaus Reifart ist zugleich Vorstand und Vorsitzender des ärztlichen Beirates und hat hier insbesondere die Federführung für das Smartphone-basierte System des Vereins Mobile Retter, aber auch den Aufbau des speziellen Netzwerkes (Rettungskette) zum Ziel.

Der Vorstand ist sehr an der Feststellung interessiert, kein klinikorientierter Förderverein oder eine Einrichtung zu sein, die allein oder primär für eine bestimmte Klinik tätig ist. Und nur so ist ja letztlich auch die angedachte Zusammenarbeit mit renommierten Wuppertaler Kardiologen in Klinik und Praxis durch Aufklärung, Laienschulung und weiterer Optimierung aller Abläufe der Rettungskette bei akutem Herzinfarkt zu erreichen.

Es gehe um die wohlverstandenen Interessen der Wuppertaler Bürgerinnen und Bürger. Weitere Mitglieder und Spenden seien unerlässlich, um die Ziele der Herzinitiative zu erreichen.

Text: Siegfried Jähne

 

Die Warnzeichen für einen Herzinfarkt

Bei folgenden Zeichen im Herzbereich oder Brustkorb sollten Sie sofort an einen Herzinfarkt denken und ohne Zeitverlust den Notarzt rufen:

• Starke Schmerzen. ...
• Massives Engegefühl. ...
• Heftiges Brennen. ...
• Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Schmerzen im Oberbauch. ...
• Angstschweiß mit kalter, fahler Haut.

Deutsche Herzstiftung e.V.

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